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Kevelaer
Bürgermeister predigt zum Lutherjahr

Kevelaer: Bürgermeister predigt zum Lutherjahr
Dominik Pichler thematisierte auch die Integration von Flüchtlingen. FOTO: Seybert
Kevelaer. Dominik Pichler hat gestern Abend in der Jesus-Christus-Kirche die Gläubigen in die Pflicht genommen, sich ehrenamtlich zu engagieren. Auf der Couch zu sitzen und zu jammern, bringe die Gemeinschaft nicht weiter. Von Sebastian Latzel

Es war eine Premiere für Dominik Pichler. Der Bürgermeister hat bereits zu vielen Anlässen gesprochen, Reden oder Plädoyers gehalten - eine Predigt in der Kirche aber war absolutes Neuland für den gelernten Juristen. Doch als Pfarrerin Karin Dembek mit dem Wunsch auf ihn zugekommen war, war es für Pichler keine Frage. "Ich habe sofort zugesagt, denn ich sehe das auch als Ehre an", sagt er. Die Pfarrerin hatte ganz bewusst einen Katholiken angesprochen. "Um damit deutlich zu machen, dass wir im Jahr des Reformationsjubiläums nicht das Trennende feiern." Zudem sei es spannend, zu hören, was gerade der Vertreter einer Stadt zur Aufforderung des Propheten Jeremia "Suchet der Stadt Bestes" zu sagen hat.

Wichtig sei, im Jubiläumsjahr nicht zurückzuschauen, sondern nach vorne, um der Frage nachzugehen, wie Kirche sich erneuern kann. Eben damit hatten sich die Konfirmanden auseinandergesetzt und ihre Wünsche für die Kirche formuliert: lebendige Gottesdienste etwa, mehr populäre Musik und ganz wichtig: mehr Predigten zu aktuellen Themen.

Pichler hoffte, mit seiner Predigt, diesem Wunsch der Jugendlichen entsprochen zu haben. Der Text aus dem Alten Testament habe für ihn ganz viel mit dem Thema "Integration" zu tun, sagte er gestern Abend im Gottesdienst in der sehr gut gefüllten Jesus-Christus-Kirche. Denn der Prophet fordere das Volk während der babylonischen Gefangenschaft auf, Häuser zu bauen und Gärten anzulegen.

Das sei in einer solchen Situation durchaus überraschend. Denn Jeremias hätte den Juden ja auch raten können, sich zurückzuziehen, zu den Waffen zu greifen oder sich zu widersetzen. Stattdessen laute die Aufforderung: Bringt euch ein und zwar nicht zum eigenen Vorteil, sondern für die Gemeinschaft. "Auf der Couch sitzen und jammern bringt uns persönlich nicht weiter, und auch nicht die Gemeinschaft", so Pichler. Daher sei es positiv, dass sich viele Menschen auf vielfältige Weise einbringen. "Die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr, die in diesem Jahr besonders in Erinnerung bleiben, weil sie bei den Starkregenereignissen im Juni bis zur Erschöpfung ihre Kraft und Zeit in den Dienst der Gemeinschaft gestellt haben. Die Malteser und andere Hilfsorganisationen, Betriebsräte, Bürgerbusfahrer, diejenigen, die in den Vereinen die Jugendarbeit machen, die in der Flüchtlingsarbeit ehrenamtlich tätig sind, die sozial engagiert sind oder in der Kirche, oder Brauchtum und Traditionen pflegen wie etwa die Schützenvereine, die Menschen im Bundesfreiwilligendienst und im Umweltschutz", so Pichler in seiner Predigt. Dazu kämen viele weitere. Diese Menschen würden die Gesellschaft zusammenhalten und die Gemeinschaft vor Ort ein Stückchen nach vorne bringen. Es solle aber keinen Zwang geben, sich einzubringen. Vielmehr sei das eine freiwillige Sache. "Mir als Christ ist es wichtig, mich einzubringen", führte Pichler aus.

Die Suche nach dem, was der "Stadt Bestes" ist, sei manchmal schwierig. Ein Beispiel sei die Flüchtlingskrise: "Vom christlichen Standpunkt aus ist es ein Akt der Barmherzigkeit, Nackte zu kleiden und Fremde zu beherbergen. Dennoch halten manche es für der Stadt Bestes, eine hohe Mauer um die Stadt zu errichten, damit die Flüchtlinge nach Möglichkeit gar nicht bei uns ankommen."

Die Kommunen hätten die Aufgabe angepackt und bis dato bewältigt - und nicht wegen denen, die "gegen Flüchtlinge" waren und sind, sondern unter anderem wegen der vielen Menschen, die sich ehrenamtlich eingebracht oder Kleidung gespendet hätten, weil sie helfen wollten. "Weder sind wir alle zwangsislamisiert noch wird Kevelaer von einer Welle der Flüchtlingskriminalität gebeutelt", meint Pichler.

Quelle: RP
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