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Kevelaer
Christoph Sieber zeigt auf die Zustände

Kevelaer. Der Kabarettist mit seinem Programm "Hoffnungslos optimistisch" zu Gast in der Begegnungsstätte Kevelaer. Die Zuschauer sind an diesem Abend gefordert. Auch ein Lied zu Gitarrenbegleitung. Von Liss Steeger

Mit den Worten "Gibt's Fragen" begann Christoph Sieber sein mittlerweile fünftes Soloprogramm "Hoffnungslos optimistisch". Geplant war die Veranstaltung des Kulturbüros Niederrhein in der "guten Stube" Kevelaers, im Konzert- und Bühnenhaus. Wegen des geringen Kartenvorverkaufs fand das "Kabarett unterm Dach" in der heimeligen Atmosphäre des Dachjuchhes der Begegnungsstätte statt.

Der Kabarettist begeisterte mit Tanz, Akrobatik, Parodien und dem Spiel mit Worten, so dass die mehr als 100 Zuschauer mit Lachen bis hin zur Betroffenheit belohnt wurden. Aberwitzig jonglierte Sieber zwischen scharfsinniger, pessimistischer Situationsdiagnostik auf der einen Seite und grandios komischer Unterhaltung auf der anderen. Mit nur einem Satz konnte der 47-Jährige die Stimmung kippen lassen. Für perfekt gespielte Verzweiflung und Angst dank schauspielerischen und mimischen Talents erntete er neben Applaus somit auch entsetztes Schweigen.

"Siri ist unser aller Zukunft", behauptete Sieber, und "Smarthome" bedeute, dass unsere Haushaltsgeräte demnächst miteinander kommunizieren werden. "Algorithmen regieren die Welt, was nichts anderes heißt, als dass wir die Welt nicht besser verstehen, sondern uns nur genauer irren werden."

Die Zuschauer waren an dem Abend gefordert, denn urplötzlich bezog der Gewinner zahlreicher Preise das Publikum mit ein: "Sind Lehrer unter uns? Der Lehrer treibt sich gern im Kabarett rum, weil er dort vor den Schülern sicher ist." Sieber ist davon überzeugt, dass jeder Mensch ein gescheites Feindbild braucht und dass dadurch ganze Gesellschaften zusammengehalten werden.

Der sogenannte Galgenhumorist unterhielt mit einem Rap unter der Überschrift "Reichtum ist kein Zuckerschlecken". Seiner Meinung nach ist Bildung das Schicksal der Zukunft. "Der Tiefpunkt ist noch nicht erreicht", warnt er. "Was ist übrig vom mündigen Bürger?", will er wissen und hält den Konsumenten den Spiegel vors Gesicht. "Warum kaufen wir Funktionshosen oder intelligente Socken? Früher hieß das 72-Stunden-Deo einfach Duschen." Die Bahn bringe neuerdings das Südländische in die Gesellschaft: "Kommt se heut nich', kommt se morgen."

Mit dem Lied "Verdrängen, vergessen, verleugnen" begleitete er sich selbst auf der Gitarre und legte dem Publikum die nicht ernst gemeinte Botschaft nahe, einfach wegzuschauen. Denn die Antwort auf alle Fragen sind wir.

Quelle: RP
 
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