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Kevelaer
Das Flüchtlingsboot in Kevelaer ist bunt geworden

Kevelaer. Asylbewerber haben zusammen mit Einheimischen eine Piroge bemalt. Sie erinnert an die auf der Flucht Ertrunkenen.

Wie wird ein fünf Meter langer Pappelstamm zu einem Einbaum, zu einem wirklichen Boot der Hoffnung? Die Antwort ist einfach: durch das konstruktive und begeisterte Zusammenwirken vieler Menschen. An einem besonderen Ort. Im Zeichen der Consolatrix afflictorum, der Trösterin der Betrübten. Von Kevelaer aus in die Welt - im Miteinander für alle Menschen auf der Flucht. Wie berichtet entsteht in Kevelaer symbolhaft eine Piroge im Gedenken an die Asylbewerber, die bei der Flucht ums Leben gekommen sind.

Der Baumstamm, gestiftet von der Firma Holz Rören in Krefeld in Kooperation mit dem Schreiner-Unternehmen Tervooren, war vor einiger Zeit bei der hiesigen Zimmer-, Tischler- und Holzbaufirma der Familie Van Aaken angekommen und dort in eine Piroge verwandelt worden. Im nächsten Schritt bekam der Einbaum jetzt eine Bemalung.

Bunt sind die Farben bei der Bemalungsaktion im Brunnen-Innenhof der Basilika. Froh ist die Stimmung. Es wird geredet, gelacht. Manchmal ist es etwas zu laut für die zum Innenhof wohnenden Anwohner des Priesterhauses in der Mittagszeit. Aber alle arrangieren sich voll guten Willens. Viele Nationalitäten sind vertreten Erithrea, Syrien, Somalia, Mali, Togo, Palästina, Marokko, Deutschland oder Benin. Das babylonische Sprachengewirr lässt sich mit einem Lachen, mit der Sprache von Händen und Füßen überwinden. Viele Flüchtlinge möchten ihre deutschen Sprachkenntnisse anwenden, einige freuen sich, in ihrer Heimatsprache reden zu können.

Bettina Hachmann, die leitende Künstlerin, lässt alles mit großer Ruhe und Umsicht geschehen. Sie lässt es sich entwickeln. Und es entwickelt sich eine Farbenpracht und Symbolik, die bewegt. "Wir meinen, dass alles Denken und Tun dieser flüchtenden und geflohenen Menschen nur vom Verheißungskontinent Europa, wie Dr. Rupert Neudeck das nennt, bestimmt wird", so Dr. Elke Kleuren-Schryvers (Aktion pro Humanität). Das erste, was die Menschen auf die Kevelaerer Piroge malen, sind die Flaggen, die Symbole, die Farben ihrer Länder. Das, was ihr Herz bewegt, strömt in Farben und mit Frohsinn aus ihnen heraus. Ganz selbstverständlich. Ohne irgendeine Anleitung. Und Worte wie Frieden, Hoffnung sind wichtig.

Hoffnung, die auch die bislang 8595 Menschen haben dürfen, die dank der Hilfe von MOAS vor dem Ertrinken im Mittelmeer gerettet wurden. MOAS besteht aus internationalen Helfern, Sicherheitsexperten, Medizinern und erfahrenen Seeleuten, die sich zusammen getan haben, um zu helfen und weitere Katastrophen auf See zu vermeiden. Die Kevelaerer Piroge trägt eine Spendenbox - alles, was dort hineinkommt, wird an MOAS weitergeleitet. Eine Basilikastunde widmet sich am Mittwoch, 12. August, um 20 Uhr diesem Thema. H

Quelle: RP
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