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Kevelaer
Der Freund der Mauersegler

Kevelaer: Der Freund der Mauersegler
Hans-Gerd Sürgers mit dem selbst gefertigten Mauersegler-Nistkasten. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Flugakrobaten Nistmöglichkeiten in Kevelaer zu verschaffen. FOTO: Gerhard Seybert
Kevelaer. Der Kevelaerer Hans-Gerd Sürgers hat in seiner Werkstatt Nistkästen für diese besonderen Luftakrobaten gebastelt. Der Tischler und Hobby-Ornithologe hat nach einer dreijährigen Wartezeit die ersten fliegenden Gäste. Von Bianca Mokwa

Mit schnellen Schritten geht Hans-Gerd Sürgers voraus. "Bitte folgen Sie mir", sagt er noch. "Wir stellen uns in den Schatten." Der Blick geht nach oben. Dort hängt ein Holzkasten mit drei Schlitzen. Das ist aber nicht irgendein Holzkasten. Der soll ganz besondere Gäste willkommen heißen.

Tatsächlich schlüpft etwas Schwarzes hinein. Was, das kann das Auge gar nicht so schnell zuordnen, wie es verschwunden ist. Hans-Gerd Sürgers kann das. Was in schwindelerregender Höhe in dem Kasten brütet, ist ein Mauersegler. "Ich bin happy, das ist das erste Mal nach drei Jahren", sagt der Kevelaerer. So lange hat es gedauert, bis die fliegenden Gäste tatsächlich in die von Sürgers gebaute Behausung eingezogen sind. Entstanden ist der Kasten in seiner Werkstatt. "Das ist ein Unikat, das gibt es so nicht zu kaufen", sagt der 82-jährige Tischler und erklärt die technischen Raffinessen. Die Schlitze am Kasten sind längs, angepasst an die Form der Mauersegler. Am Kasten sind eine Metallstange und Schnüre mit einem Gewicht befestigt. Damit kann der Vogelliebhaber die Schlitze schließen, damit nach der Mauerseglersaison keine anderen Tiere in die Kästen hinein können.

So sieht er aus, der Mauersegler. FOTO: Nabu

Der Bau der Brutmöglichkeit war ihm ein ernstes Anliegen. "Mauersegler sind sehr standorttreu", sagt er. Er zeigt auf die gegenüberliegende Straßenseite. Nachdem dort ein Neubau an das Dach eines anderen Hauses angebaut wurde, mussten die Mauersegler umziehen. Mittlerweile hängen drei Brutkästen für die Luftakrobaten unterm Dach des Hauses von Familie Sürgers. "Mit einer Leiter kriegt man das nicht hin", sagt der Hobby-Ornithologe und erzählt von der Unterstützung des Betriebshofs der Stadt Kevelaer und Johannes Baakens, die kurzerhand mit der Hebebühne zur Stelle waren, um die Nistkästen für die Mauersegler anzubringen. "Meine Augen gehen täglich nach oben", sagt Sürgers und schaut einmal mehr zu den drei Schlupflöchern. "Ein faszinierender Vogel" sagt er noch und blättert im Artikel "In der Luft zu Hause" von Julia Hofmann. "Porträt eines ungewöhnlichen Vogels", hat sich der Kevelaerer dazu geschrieben.

Er weiß selbst ziemlich viel über diesen Zugvogel. Oft muss er lange nach oben gucken, bis einer der Mauersegler zurückkehrt, um die Jungen zu füttern. Das sei eben anders als bei den Schwalben. Mit denen haben Mauersegler nichts zu tun. Mauersegler sammeln nicht ein Insekt und bringen es den Jungen, sondern sie jagen ziemlich lange in der Luft und bilden einen dicken Ballen aus der gefangenen Nahrung im Kehlsack. "Die haben ganz kleine Schnäbelchen, aber wenn sie den Schnabel aufmachen, wird der zu einer richtigen Futterluke", sagt Sürgers. Er hat das alles schon einmal in Natura beobachtet.

Zwei bis drei Gelege haben die Mauerseglerpärchen, die aber nur von Anfang Mai bis August bei uns sind. "Mauersegler und Kuckuck sind die ersten Zugvögel, die bald schon wieder weg sind", erklärt der Hobby-Ornithologe. Zwei Monate bleiben die Mauerseglerküken im Nest, dann geht es für sie direkt in die Luft. "Dort bleiben sie, bis sie selbst geschlechtsreif sind", erzählt Sürgers. Das dauert in der Regel zwei Jahre. "Im Flug nehmen sie ihre Nahrung auf, sie paaren sich im Flug und schlafen im Flug. Das ist fast nicht zu begreifen, ist aber so."

Wissenschaftler würden davon ausgehen, dass die Mauersegler das Gehirn teilen: dass eine Hälfte wach ist, die andere nicht, nennt Sürgers einen Erklärungsversuch. Er zeigt ein Foto der Super-Luftakrobaten. "Die Flügel weisen ihn schon als großen Flugkünstler aus", sagt er, während er das Gefieder und den Körperbau betrachtet. Laufen kann der Mauersegler hingegen nicht. Auch das Nistmaterial wird übrigens aus der Luft geschnappt und mit Speichel zusammengeklebt.

In seiner Werkstatt hat der Kevelaerer schon einen weiteren Nistkasten angefertigt. Mal schauen, wie schnell die Flugkünstler ihn für sich entdecken. Mitten in Kevelaer sind sie auf jeden Fall auf ihrer Durchreise nach Afrika herzlich willkommen. "Meine Person ist nicht wichtig. Wichtig ist, dass den Vögeln eine Brutmöglichkeit gegeben wird", sagt der Tischler.

Quelle: RP
 
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