| 17.10 Uhr

Kevelaer
Der Sieger ist von seiner Wahl überrascht

Dominik Pichler (SPD) gewinnt in Kevelaer
Dominik Pichler (SPD) gewinnt in Kevelaer FOTO: Seybert, Gerhard
Kevelaer. Auch am Tag nach dem sensationellen Abstimmungsergebnis, kann Dr. Dominik Pichler immer noch nicht glauben, was da passiert ist. Er schlug Amtsinhaber Dr. Axel Stibi (CDU). Von Sebastian Latzel

Eine Sache hatte sich Dominik Pichler fest vorgenommen, egal wie die Wahl auch ausgehen würde: In den Herbstferien soll es einen Urlaub mit der Familie geben. "Dabei wird es auch bleiben", sagt der frisch gewählte erste SPD-Bürgermeister von Kevelaer. Zeit, so richtig über diesen historischen Umstand nachzudenken, hatte er nicht. Der Strafverteidiger hatte eine Sitzung am Landgericht. "Das hat ganz schön abgelenkt."

Ohnehin kann Pichler noch gar nicht so richtig glauben, was da am Wahlabend passiert ist. "Es ist genau so, wie ich es am Sonntag gesagt habe: Ich habe wirklich nicht damit gerechnet, die Wahl zu gewinnen." Daher hätten ihm auch spontan die Worte gefehlt. Er habe nichts aufgeschrieben oder vorbereitet für eine Rede im Saal. Ohnehin sei die Spannung mit Händen zu greifen gewesen. "Es war schon dramatisch, wie eng es gewesen ist", sagt Pichler. Als er nach der Auszählung der Briefwahlbezirke immer noch hauchdünn vor Axel Stibi lag, da er zum ersten Mal wirklich geglaubt. "Das könnte reichen."

Da merkte er, dass es ernst wird, dass er tatsächlich die Mehrheit holen kann. Per Handy hatte er seine Frau auf dem Laufenden gehalten, die zuhause wartete und von einem Bekannten dann über den Sieg ihres Mannes informiert wurde. Als sie den im Rathaus anrief, um sich das Unglaubliche bestätigen zu lassen, konnte der nur kurz "Es Stimmt" ins Handy rufen, weil ihm gerade das Mikro für die Rede in die Hand gedrückt worden war. "Verdammte Axt, mir fehlen die Worte", sagte er dort. Ein Satz, der seine Seelenlage wohl perfekt auf den Punkt brachte.

Er werde einige Tage brauchen, um zu verstehen, was da überhaupt passiert sei. Woran es gelegen hat, dass er die Wahl gewinnen hat? Pichler kann nur mit den Schultern zucken. "Ich weiß es wirklich nicht." Vielleicht habe tatsächlich eine Rolle gespielt, dass die Leute neuen Wind wollten und den Wechsel wählten. "Mich hat schon überrascht, dass offenbar auch viele Konservative für mich gestimmt haben, die auf dem anderen Wahlzettel brav Landrat Spreen angekreuzt haben." Der CDU-Kreis-Platzhirsch bekam auch in Kevelaer satte 60,22 Prozent.

"Es spricht für die Leute hier, dass es bei ihrer Entscheidung offenbar nicht danach geht, ob jemand lange Haare hat", meint Pichler, der betont, dass viele wohl längst wüssten, dass keiner vor ihm "Angst haben" müsste. Er ist tief im Vereinsleben von Kevelaer verwurzelt. Er ist mit seiner Frau im Chor von St. Marien, seine Frau ist dort Kommunion-Katechetin, zwei seiner vier Kinder Messdiener.
Daher hat ihm wohl auch seine Aussage bei der Podiumsdiskussion nicht geschadet, dass es wichtig sei, dass Kevelaer ein zweites Standbein neben der Wallfahrt brauche. "Die Leute wissen, wie wichtig auch mir Kirche und Wallfahrt sind. Doch ich wollte deutlich machen, dass es zu einseitig ist, nur auf die Wallfahrt zu setzen."

Jetzt hat Pichler sechs Wochen Zeit, um eine Vertreterin für seine Kanzlei zu bestellen. Am 21. Oktober endet dann die Amtszeit von Dr. Axel Stibi – passenderweise genau am Geburtstag der Frau des neuen Bürgermeisters Dominik Pichler, der zugibt: "Ich denke, zwei Tage vor dem Amtsantritt wird mir dann schon die Düse gehen."

Die Gewinner und Verlierer der Bürgermeister-Wahlen in NRW sehen Sie hier. 

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