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Kevelaer
Die Jugendarbeit im Blick

Kevelaer: Die Jugendarbeit im Blick
FOTO: Thomas Binn (binn)
Kevelaer. Offene Jugendarbeit hat in Geldern, Kevelaer und Weeze (Foto) unterschiedlichen Stellenwert. Die RP nahm unter die Lupe, wie die Orte aufgestellt sind. Eine Analyse. Von Thomas Binn (Text und Fotos)

Kommunale Jugendarbeit bietet großen Gestaltungsspielraum. Eine gesetzliche Definition dessen, was an Pflichtangeboten durch die öffentliche Hand vorhanden sein muss, gibt es nicht. Das bringt die Kommunen in die Situation, für sich festlegen zu müssen, was sinnvoll ist und was nicht. Die Nachbarkommunen Weeze, Kevelaer und Geldern sind da sehr unterschiedlich aufgestellt, was schon bei der Trägerschaft beginnt. Haben Geldern und Kevelaer eigene städtische Jugendämter, ist die Gemeinde Weeze dem Kreisjugendamt Kleve angeschlossen, mit ganz eigenen Regeln und Anforderungen.

Wir haben bei den drei Kommunen nachgefragt, welche Angebote denn tatsächlich bei der Zielgruppe ankommen und was für Jugendliche vor Ort getan wird. Wird zum Beispiel in Weeze die Jugendarbeit ständig ausgebaut, hat man in Kevelaer den Eindruck, dass die Jugendarbeit immer weiter dem Sparzwang zum Opfer fällt. Von den ehemals fünf Jugendräumen in Kevelaer und den Ortschaften bieten nach Auskunft der Stadt nur noch drei regelmäßige offene Treffs an. In Twisteden und Wetten gibt es überhaupt kein Angebot mehr. Das gleiche gilt für den Bereich der aufsuchenden Jugendarbeit.

Man sieht es: Das Checkpoint in Geldern ist beliebt. FOTO: Thomas Binn (binn)

Die Arbeit des Streetworkers wurde vor rund zwei Jahren eingestellt. Marc Buchholz, Dezernent bei der Stadt Kevelaer bedauert, dass sich der Jugendhilfeausschuss 2014 dazu entschlossen hat, die Stelle nicht weiter zu finanzieren. "Der Rat hat beschlossen, zu sparen, da ist die Stelle des Streetworkers schlichtweg gestrichen worden, da im Jugendhilfeausschuss die Notwendigkeit nicht gesehen wurde." Bis 2014 wurde diese Stelle durch die Stiftung Kerpenkath finanziert, die sich dann aber zurückzog.

Die Entwicklung in Kevelaer verwundert, da im Gespräch mit Miroslaw Merdzik, der seit 15 Jahren in Geldern aufsuchende Arbeit anbietet, ein ständiger Bedarf bestätigt wird. "Vertrauen schaffen und parteiisch sein für Jugendliche ist in dieser Zeit mehr als gefragt", erzählt er und spielt dabei auf die ständig wachsende Zahl der Jugendlichen an, die mit Migrationshintergrund in den Kommunen leben. Das berichtet auch Michael Kassner, der das Jugendzentrum Checkpoint im Gelderner Stadtzentrum leitet. "Jugendarbeit unterliegt einem ständigen Wandel. Da braucht man ein Team mit flexiblen Mitarbeitern, um auf die wechselnden Bedürfnisse eingehen zu können", so Kassner. "Momentan wird unser Jugendzentrum täglich von etwa 80 Jugendlichen zwischen 14 und 25 Jahren besucht. Viele kommen mit Migrationshintergrund und brauchen Mitarbeiter mit praktischer Lebenserfahrung." Das Checkpoint-Team besteht derzeit aus vier Festangestellten, die durch Anerkennungspraktikanten, Honorarkräfte und etwa zehn ehrenamtlich Tätige unterstützt werden.

In Kevelaer treffen sich Jugendliche im Kompass. FOTO: Thomas Binn (binn)

Auch hier wird ein Unterschied zu Kevelaer sichtbar. Sind die beiden großen Jugendhäuser in Weeze und Geldern personell gut aufgestellt und können auf ein großes Netz an Ehrenamtlern zurückgreifen, ist in Kevelaer Sparen angesagt. Man freut sich, dass die Stundenzahl der einzigen festangestellten Mitarbeiterin im Jugendzentrum Kompass verdoppelt wurde. Ina Otterpohl leitet die Einrichtung, die im Kellergeschoss unter dem Mittagstreff beheimatet ist, und arbeitet seitdem als Vollzeitkraft. Sie wird durch zwei bis drei Studenten unterstützt. Viel ist mit einem Team in dieser Größe allerdings nicht zu bewegen.

Alle drei Kommunen investieren in die Jugendarbeit der Vereine. Auch hier ist die Regelung uneinheitlich. Während Geldern jedes Vereinsmitglied bis 18 Jahre mit einem Pauschalbetrag von zehn Euro unterstützt und auf einen Ansatz von 45.000 Euro zurückgreifen kann, gibt es in Kevelaer einen komplizierten Berechnungsschlüssel. Im vergangenen Jahr stand den Vereinen eine Gesamtsumme von rund 20.590 Euro zur Verfügung. 15.200 Euro werden als Zuschüsse aus der Position jugendpflegerische Maßnahmen verteilt, und der Stadtjugendring verteilte nochmals 5390 Euro. Je nach Meldezahl errechnet sich dann die Zuschusshöhe.

Kleine Vereine werden mit Pauschalbeträgen unterstützt. Vereine mit zehn bis 20 Mitgliedern erhielten 2015 pauschal 191,70 Euro, bei 21 bis 50 Mitglieder 255,60 Euro.

Weezer Vereine erhielten insgesamt 8200 Euro.

Quelle: RP
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