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Mädchen stirbt in Uniklinik Essen
Die wichtigsten Antworten zum ungeklärten Todesfall

Feuerwehr überprüft ehemaliges Militärgelände in Kevelaer
Feuerwehr überprüft ehemaliges Militärgelände in Kevelaer FOTO: Guido Schulmann
Kevelaer. Ein achtjähriges Mädchen aus Kevelaer ist am Ostersonntag aus bisher ungeklärter Ursache im Uniklinikum Essen gestorben. Bei ihren Geschwistern wurde eine Influenza Typ B diagnostiziert. Wir beantworten Fragen zu dem Fall. Von Ludwig Krause

Wie ist es zu dem Todesfall gekommen?

Das achtjährige Mädchen ist mit starken Grippesymptomen ins Krankenhaus nach Geldern eingeliefert worden. Als sich der Zustand verschlechterte, kam es in die Uniklinik nach Essen. Dort starb es am späten Sonntagabend. Die Ärzte des Hospitals informierten die Polizei, die ein Todesermittlungsverfahren einleitete, um zu klären, woran das Kind gestorben ist.

Wie geht es der Familie?

Die Mutter der Kinder wird zurzeit mit zwei Geschwistern der gestorbenen Achtjährigen vorsorglich in dem Krankenhaus in Geldern versorgt. Die drei weiteren Geschwister, bei denen ähnliche Symptome wie bei der Toten festgestellt wurden, werden noch stationär auf einer Isolierstation in Essen behandelt. Ihr Zustand ist Polizeiangaben vom Dienstagvormittag zufolge unverändert.

Was wurde bei den Geschwistern diagnostiziert?

Laut Polizei ist bei drei Geschwistern, die im Essener Krankenhaus behandelt werden, eine Influenza Typ B festgestellt worden. Die zwei sechs und sieben Jahre alten Mädchen und ein neunjähriger Bruder zeigten die gleichen Symptome wie das gestorbene Mädchen. "Möglicherweise war der Virus auch Auslöser, der später zum Tod der Achtjährigen führte", sagt die Polizei. Grippe tritt in drei unterschiedlichen Typen auf (A, B und C). Typ A ist der häufigste und für den Menschen am gefährlichsten. Die Typen B und Typ C sind normalerweise harmloser. Typ B tritt besonders bei Kindern und Jugendlichen auf.

Könnten die Kinder weitere Menschen angesteckt haben?

Theoretisch ja. Der Kreis Kleve warnt aber vor einer Panik. Das Gesundheitsamt des Kreises Kleve hat, wie bei Influenza-Fällen üblich, die Information von Kontaktpersonen übernommen. Dabei handelt es sich um die Menschen, die umittelbaren Kontakt mit den bereits Infizierten hatten. Das ist bereits am Ostersonntag geschehen. Es soll sich um einen kleinen Kreis von Personen handeln, wie es vom Kreis heißt. Bei der Kontaktaufnahme handele es sich um eine Routine-Maßnahme. Die Behörden gehen davon aus, alle Betroffenen informiert zu haben. Sollten darüber hinaus Personen in den vergangenen Tagen Kontakt mit dem bereits erkrankten Kind gehabt haben, können sie sich beim Gesundheitsamt des Kreises Kleve melden.

Wie viele Grippefälle gab es 2016 im Kreis Kleve?

Die Information von Kontaktpersonen übernimmt der Kreis Kleve bei allen meldepflichtigen Grippe-Fällen. Allein bis Ende März habe es in diesem Jahr bereits 86 Fälle davon im Kreis gegeben, heißt es dort. Dabei habe es sich 56 Mal um den Typ A und 26 Mal um den Typ B gehandelt. Beide Typen sind meldepflichtig. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt nur 49 Fälle der Grippe im Kreis gemeldet. Die Zahlen sind in den ersten drei Monaten des Jahres also deutlich angestiegen.

Wo wohnt die Familie?

Der Traberpark "Den Heyberg" in Kevelaer-Twisteden war in den 1980er Jahren ein Munitionslager mit mehr als 300 Bunkern. Nach Abzug des Militärs Mitte der 1990er Jahre wurde das Gelände neu genutzt. Als Trainingszentrum für Trabrennpferde, aber auch für Lagerhallen und als Ferienhausanlage. Gerade bei Niederländern ist der Park beliebt, er liegt nur fünf Minuten vom Flughafen Weeze entfernt. Allerdings leben Menschen auch dauerhaft in der grünen Anlage, so wie die Familie des Mädchens. Die Grundstücke sind mindestens 1200 Quadratmeter groß, die Wohnungen haben eine Grundfläche von mindestens 80 Quadratmetern.

Was hat die Untersuchung des Geländes ergeben?

Spezialkräfte der Feuerwehr haben nach Auftreten der mysteriösen Symptome bei dem Mädchen umfangreiche Untersuchungen nach Giftstoffen vorgenommen. Dabei konnte jedoch nichts gefunden werden. Die Einsatzkräfte gehen derzeit nicht davon aus, dass die Krankheit durch die Umgebung ausgelöst wurde. Eine Gefahr für Anwohner soll nicht bestehen. Die Feuerwehr war mit insgesamt 100 Kräften im Einsatz. Neben der örtlichen Feuerwehr waren auch Spezialeinheiten aus Goch, Kalkar, Essen, Köln und Dortmund nach Twisteden gekommen.

Wie geht es weiter?

Die Essener Polizei hat die Ermittlungen zur möglichen Todesursache aufgenommen. Die Staatsanwaltschaft Essen hat die Rechtsmedizin mit weiteren Untersuchungen beauftragt. Diese sollen Klarheit über die Todesursache bringen. Die Ergebnisse stehen aber noch aus.

(lukra)
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