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Kevelaer
Diebe stehlen Reliquie in Kevelaer

Kevelaer: Diebe stehlen Reliquie in Kevelaer
Die Armreliquie des Heiligen Petrus Canisius. FOTO: Polizei
Kevelaer. Tagsüber verschwand am Dienstag aus der Sakramentskapelle das Armreliquiar des Heiligen Petrus Canisius. Der Diebstahl wurde am Abend durch den Küster entdeckt. Ein schwerer Verlust für den Wallfahrtsort. Von Dirk Möwius

Als die Sakramentskapelle am Kapellenplatz am Dienstagabend geschlossen werden sollte, fiel der Diebstahl auf: Das Armreliquiar mit der Reliquie des Heiligen Petrus Canisius war verschwunden. Das Kunstwerk befand sich in einem verschlossenen Wandkäfig, den die Täter offensichtlich mitten am Tag geöffnet hatten. Nicht mit rücksichtsloser Gewalt - die Schlösser wurden abgeschraubt. Der Diebstahl fand während der Öffnungszeiten zwischen 12 und 18 Uhr statt. Zwar gab es gestern keine Angaben zum materiellen oder künstlerischen Wert des aus Silber und Gold und mit Edelsteinen verzierten gearbeiteten Armreliquiars. Für den Wallfahrtsort Kevelaer hat es aber einen unschätzbaren ideellen Wert.

"Der Heilige hat für uns in Kevelaer eine hohe Bedeutung, was man auch daran sieht, dass unser Pfarrheim und die Bücherei seinen Namen tragen. Er ist der Heilige, der die Niederlande und Deutschland verbindet - so wie der Wallfahrtsort Kevelaer", sagte Kaplan Christoph Schwerhoff gestern unserer Redaktion.

Wie die Reliquie nach Kevelaer gekommen ist und wie lange sie schon dort zu sehen ist, konnte gestern kurzfristig niemand erläutern. Das etwa 30 Zentimeter große Gefäß zeigt eine ausgestreckte Hand.

Petrus Canisius (Peter de Hondt), geboren 1521, war der Sohn des Bürgermeisters von Nijmegen. Er studierte in Köln Philosophie und Theologie. Dort traf er auf einen Kreis von Priestern, der sich um die Kartäuserniederlassung St. Barbara gebildet hatte und eine Reform der katholischen Kirche anstrebte. Von den Jesuiten, die Papst Paul III. 1540 als Orden bestätigt hatte, hörte er erstmals 1542. An seinem 22. Geburtstag trat er 1543 in Rom als erster Deutscher in den Jesuitenorden ein und erlebte dabei eine Marienerscheinung.

Er war Rektor und Theologieprofessor der Universität Ingolstadt und zählte zu den ersten Jesuiten, die ab 1551 nach Wien beordert wurden, um die Gegenreformation voranzutreiben. Sein Katechismus, der unter dem Titel "Summa doctrinae christianae" erschien, war als Antwort auf Martin Luther gedacht und wurde allein bis zu seinem Tode 200-mal nachgedruckt. Er war ein scharfer Verfechter der Hexenverfolgung. Petrus Canisius gilt der katholischen Kirche als der "zweite Apostel Deutschlands" nach Bonifatius. 1597 starb Canisius. Obwohl ihn viele nur als kämpferischen Gegenreformator sehen, verzichtete Canisius auf gehässige Polemik und bemühte sich, durch Predigt und Erziehung die Kirche zu reformieren und die Glaubensspaltung zu überwinden. Obwohl seine Verehrung bald nach dem Tode einsetzte, wurde Canisius erst 1864 von Pius IX. seliggesprochen.

1897 erhielt er von Papst Leo XIII. den Titel "Zweiter Apostel Deutschlands" verliehen. Am 21. Mai 1925 erfolgte durch Papst Pius XI. die Heiligsprechung.

Der Tatort, die Sakramentskapelle war gestern weiterhin zugänglich, nachdem mögliche Spuren gesichert worden waren. Die Kriminalpolizei ermittelt und bittet um Hinweise an die Kripo Goch unter Telefon 02823 1080.

Quelle: RP