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Kevelaer
Drei Aldekerker helfen in Dünkirchen

Kevelaer: Drei Aldekerker helfen in Dünkirchen
Kevelaer. Petra und Andreas Vallen sowie Norbert Weiler haben im Flüchtlingslager Dinge gesehen, die sie so schnell nicht vergessen werden. Von Christoph Kellerbach

Es war kurz vor 8 Uhr morgens, als am 3. März Andreas Vallen, seine Frau Petra und Norbert Weiler sich mit zwei Wagen und einem Anhänger auf den langen Weg zu einem provisorisches Flüchtlingslager mit über 3.500 Flüchtlingen im französische Dünkirchen machten. Doch wie war es überhaupt dazu gekommen?

Andreas Vallen ist nicht nur bei der Post beschäftigt, sondern auch seit 2006 bei der "Bürgervereinigung Kerken" (BVK), in die auch Norbert Weiler vor zwei Jahren eingetreten ist. In den vergangenen zwölf Monaten hatte die "BVK" bereits fünf Spendensammlungen unternommen, um den Asylsuchenden in der "Via Stenden" beizustehen. "Doch einige Sachen wurden dort nicht benötigt", erklärte Vallen, der durch seine Arbeit der Ansprechpartner für die Flüchtlingshilfe der Post in Kerken ist. "So kam uns die Idee diese Spenden zu denjenigen zu bringen, die sie brauchen." Nach einer Planungsphase Anfang Februar war das Ziel klar: Dünkirchen. Die vom BVK und Hilfsorganisationen in Straelen und Kevelaer zusammengetragenen Hilfsgüter bestanden aus knapp 400 Decken, fünf Säcke voller Handtücher, zwei Zelten, etwa 20 Schlafsäcken und sieben Luftmatratzen. Die Post lieh dem Trio am 3. März einen Transporter, um all dies befördern zu können.

Vollbepackt kamen die Drei um 13 Uhr in Grande-Synthe, einem kleinen Tourismus-Ort von Dünkirchen an, der wortwörtlich auf der anderen Straßenseite des Flüchtlingslagers war. Da kam das erste Problem: Die Polizei sperrte die Zufahrt zum Lager ab, nur Leute mit einer abgestempelten Bescheinigung des Bürgermeisters durften passieren. Doch schnell erklärten die Beamten, wo die Verwaltung zu finden war und nach der Mittagspause bekamen die Helfer die Formulare und konnten gegen 15 Uhr in das Flüchtlingslager fahren. Doch was sie dann sahen, nahm ihnen erst einmal den Atem: "Wir sind also rein. Ich fuhr voran und es traf mich ein Schock nach dem anderen: Überall war Schlamm, alles war matschig. Die Leute waren voller Modder." Nicht nur Norbert Weiler war geschockt, auch Petra Vallen war fassungslos: "Mich haut ja sonst nichts um, aber die Zustände da. Es war einfach unfassbar. Ich habe so etwas noch nie gesehen!"

Aus alten Gummireifen hatten die Flüchtlinge sich behelfsmäßige Schuhe angefertigt. Notdürftig aus Mülltüten zusammengebastelte Behelfszelte waren am Rand des Weges, der so matschig war, dass man beim Laufen mehrere Zentimeter einsank. Eine Konstruktion aus Holzlatten stellte einen improvisierten Weg dar, bei dem ein Drahtgespann vor dem Abrutschen schützen sollte. Viele Kleinkinder wurden von ihren Eltern getragen, weil sie sonst in den Morast einsinken würden. Die schon etwas größeren Kinder versuchten an einer Stelle, die nicht ganz so schlammig war, mit einem selbst gemachten "Ball" zu spielen, der aus leeren Plastiktellern und Schnüren bestand.

Andreas Vallen erinnerte sich an den ersten Kontakt mit den Menschen dort: "Eine ältere Frau, die scheinbar da inoffiziell die ehrenamtlichen Helfer koordinierte, kam auf uns zu: 'Was habt ihr dabei?' hat sie gefragt. Als wir unsere Autos öffneten und ihr die Decken, Zelte und Schlafsäcke zeigten, machte sie große Augen und ihr kamen die Tränen. Sie sagte: 'Wusstet ihr, dass wir heute Morgen unsere letzten Decken ausgegeben haben und kein Ersatz mehr da ist? Wir haben schon nach Neuen gesucht!'" Innerhalb von zehn Minuten waren der Transporter, der Pkw und der Anhänger des Trios komplett leer. "Danach wurden wir noch durch das Lager geführt. Wir haben die Duschen gesehen, einen Holzverschlag mit kaltem Wasser. Die aus alten, halbierten Abflussrohren bestehenden Öfen, deren Rauch einem die Tränen in die Augen treibt", so Petra Vallen und ihr Mann Andreas beschrieb einen kleine Situation, die ihn bis heute verfolgt: "Im Teezelt, als wir uns wieder aufwärmten, da war ein junger Mann. So traurige Augen habe ich noch nie gesehen. Er schaute in die Luft, dann auf sein Handy und dann wieder in die Luft. Immer wieder, in der Hoffnung, dass sich seine Familie meldet.

Was wir in dem Lager gesehen haben, das ist eigentlich nicht in Worte zu fassen und wird uns auf jeden Fall noch sehr lange begleiten." Auf dem Heimweg, denn der Transporter der Post musste um 21 Uhr wieder in Duisburg abgegeben werden, ließen Andreas, Petra und Norbert das Ganze auf sich wirken. Am 19. März ist auf dem Parkplatz des Edeka-Centers in Kerken wieder eine Spendensammlung und die drei Helfer hoffen, "dass die Leute so nun auch erfahren, dass ihre Spenden dringend benötigt werden."

Quelle: RP
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