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Kevelaer
Ein Heim für Pfadfinder aus aller Welt

Kevelaer: Ein Heim für Pfadfinder aus aller Welt
Sarah, Alina und Elke Fraszczak (v.l.) hatten offensichtlich viel Spaß bei der Renovierung ihres Pfadfinderheims. FOTO: Seybert, Gerhard
Kervenheim. Das "Scoutopia" des DPSG-Stamms Weeze/Kervenheim ist frisch renoviert. Es kann auch von anderen Gruppen
genutzt werden. Aufgepeppt wurden die Räume des Hauses mit Geld aus dem Niersfunding der Volksbank.
Von Bianca Mokwa

Kurz bevor das Ortsschild auftaucht, mit dem roten Balken über "Kervenheim", steht ein gelbes Haus. Dahinter kommt lange nichts. Die ideale Lage für Naturforscher, Erlebnispädagogen und eben Pfadfinder. Die Pfadfinder Weeze/Kervenheim haben dort ihr Haus "Scoutopia". Der Name setzt sich zusammen aus dem englischen Wort für Pfadfinder und Utopia. "Das ist dieser perfekte Ort", beschreibt Alina Fraszczak, was Utopia für sie bedeutet. "Perfekt, weil man das Pfadfindersein ausleben kann", bewertet die 21-Jährige die Gebäude aus zwei alten Schulcontainern inmitten einer riesigen Freifläche. Alina ist mit den Pfadfindern groß geworden und kümmert sich gemeinsam mit ihrer Schwester Sarah und anderen "Pfadis" um die nächsten Generationen der Pfadfinder.

Die dank des Geldes aus dem Niersfunding renovierten Räume sollen aber nicht nur den Pfadfindern in Weeze und Kervenheim nützen, sondern mehr Menschen. "Es ist keine Partymeile", sagt Sarah. Aber für andere Pfadfinderstämme, Messdiener oder auch für die Abschlussfahrt von Schulklassen ist das Gelände optimal. Drinnen können die Gruppenstunden gehalten werden, in wenigen Schritten ist man draußen. "Lagerfeuer, das alles ist machbar", sagt Sarah.

"Und nein, wir essen keine Käfer", räumt ihre Schwester lachend mit einem Vorurteil auf. Naturverbundenheit hat irgendwo auch ihre Grenzen, nicht aber das Pfadfindersein. "Als Kleinkind sagt man, Pfadfinder sei ein Hobby, später sagt man: ,Ich bin Pfadfinder'", beschreibt Sarah die Entwicklung, die sie selbst durchgemacht hat. Denn Pfadfinder bleibe man auch im Alltag, ergänzt ihre Schwester. Zudem lerne man das soziale Denken.

Durch den Kopf huscht schnell das Bild von der Oma, die über die Straße geführt wird. Aber in Wirklichkeit ist das Alltägliche subtiler. Auch wenn sich die Vorlieben der Pfadfinder im Laufe der Jahre ändern, für die Jüngeren stehen Toben, Spielen, Rennen ganz oben in der Rangliste, die Älteren mögen lieber schöne Abende am Lagerfeuer – eines verbindet alle miteinander: die Gemeinschaft. Sarah nennt ein Beispiel: "Beim Essen bleiben alle sitzen, es wird keiner allein gelassen, nur weil er langsam isst. Erst wenn er fertig ist, gehen alle gemeinsam spielen. Weitergelebt wird auch die Idee von Lord Robert Baden Powell, Gründer der Pfadfinder. Damals schon wurde eine Kluft getragen, damit es keine sozialen Differenzen gibt. So macht es also keinen Unterschied, ob jemand ein teures Marken-T-Shirt trägt oder ein billiges Oberteil ohne Schriftzug. "Das funktioniert echt", sagt Alina begeistert.

Jedes Jahr gibt es zudem ein Motto, mit dem sich die "Pfadis" beschäftigen. Im vergangenen Jahr war es das Thema Gastfreundschaft. "Das ist ja selbsterklärend", sagt Sarah angesichts der Flüchtlingsthematik. In diesem Jahr dreht sich alles um "H2O Wasser zählt". Es gehe zum Beispiel darum, wie viel Wasser nötig ist, um ein Pfund Kakao herzustellen. "Dann sehen die Kinder manche Dinge mit anderen Augen", sagt Sarah. "Meine wollen die Niers saubermachen", nennt Alina ein weiteres Projekt. Gefühlt macht das Pfadfindersein 80 Prozent ihres Lebens aus, neben dem Beruf versteht sich. Zu Hause sind sie in ihrem Stamm Weeze/Kervenheim und freuen sich jetzt gemeinsam mit anderen Stämmen auf ein frisch renoviertes Scoutopia.

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