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Kevelaer
Ein Herz für Kinder

Kevelaer: Ein Herz für Kinder
FOTO: Seybert Gerhard
Kevelaer. Dienstjubiläum im St.-Marien-Kindergarten: Vor 40 Jahren hatte Maria van Meegen da ihren ersten Arbeitstag. Zahlreichen Vorschul-kindern aus der Marienstadt und Twisteden hat sie die Schuhe gebunden oder sie getröstet, wenn sie mal hingefallen sind. VON BIANCA MOKWA

Die Postkarte mit der Aufschrift "Chefsache" rückt auf ihrem Schreibtisch in den Hintergrund. Davor liegen kleine Steine und Muscheln. "Was die Kinder eben so aus dem Urlaub mitbringen", sagt Maria van Meegen. Und diese Dinge sind wichtiger als irgendwelche "Chefsachen". Seit vier Jahrzehnten ist der St.-Marien-Kindergarten ihre Arbeitsstelle.

Der Kindergarten feierte im vergangenen Jahr sein 120-jähriges Bestehen. "Ein Drittel davon bin ich schon hier, wenn man sich das mal überlegt", sagt sie nachdenklich. Bereut hat sie ihre Entscheidung nie, ihr Leben und ihre Zeit den Kindern zu widmen. Ein Praktikum im St.-Antonius-Kindergarten in Kevelaer habe sie in der Entscheidung bestärkt. Am 1. September 1976 hatte sie dann ihren ersten Arbeitstag im St.-Marien-Kindergarten, machte ihr Anerkennungsjahr. "Ich hatte das große Glück, das eine Stelle frei wurde und ich bleiben konnte", sagt die gebürtige Twistedenerin. Und sie blieb.

Kindergartenleiterin wurde sie 1988 und war damit die erste "weltliche" des St.-Marien-Kindergartens. Vorher hatten Ordensschwestern das Sagen. 40 Jahre hat sie nun mit der Kirchengemeinde St. Marien den gleichen Arbeitgeber. Geändert haben sich allerdings ihre Arbeitsfelder. "Als ich Schwester Stephanie als Leiterin ablöste, habe ich einen Büroschrank mit vier Schnellheftern übernommen", erinnert sich van Meegen und ihr Blick geht zur Regalwand. Dort stehen viele, viele Aktenordner. "Das bedeutet leider auch viel im Büro sitzen", sagt sie seufzend. Aber sie weiß sich Freiräume zu schaffen. Denn noch immer will sie vor allem eines: Kinder ein Stück begleiten. Deswegen geht sie jeden Morgen in einer anderen Gruppe frühstücken, sie geht mit den Kindern auf den Markt oder kocht mit ihnen Marmelade ein. Geändert hat sich im Laufe der 40 Jahre der Blick auf die Kinder. "Als ich im Kindergarten angefangen habe, war es allgemein so, dass alle einer Geschichte zugehört oder gebastelt haben." Das sei heute anders. "Weil man die Kinder individueller sieht", sagt die Kevelaererin, und sie ist froh darüber. "Heute ist es nicht so wichtig, dass alle Kinder die gleiche Blume basteln, ganz im Gegenteil, ich finde einen bunten Blumengarten viel schöner."

Ihre Philosophie, wie Kindergarten funktionieren kann, sieht so aus: "Das Wichtigste ist erst einmal, dass die Kinder sich wohlfühlen. Wenn sie sich geborgen wissen, dann können sie sich auch weiterentwickeln." Natürlich gehe es auch darum, dass die Kleinen selbstständig werden, lernen, miteinander behutsam umzugehen, und dass es Regeln gibt, die es einzuhalten gilt. Aber an erster Stelle steht die Freude. Und davon kommt ganz viel von den Kindern an sie zurück.

"Es sind tausend Kleinigkeiten", sagt van Meegen, die ihren Alltag schönmachen. Eine Geschichte fällt ihr spontan ein. Eines Tages hatte sie Feierabend und wollte nach Hause fahren. Ihr Fahrrad war aber angekettet, mit der Kette eines Kindergartenkindes. "Die dachte: ,Da steht Marias Fahrrad, das ist nicht abgeschlossen. Nicht dass es geklaut wird'", fasst van Meegen den Gedankengang des Mädchens zusammen.

Von Ärger, weil sie an dem Tag später nach Hause kam, keine Spur (den Schlüssel des Fahrradschlosses hatte die Mutter des Mädchens mitgenommen). Stattdessen: "Ich habe mich riesig gefreut, dass ein Kind so viel Empathie entwickelt", sagt die Leiterin. Mit ihrem Team aus 15 pädagogischen Mitarbeitern, zwei Hauswirtschafterinnen, zwei Reinigungskräften, einem Hausmeister und einem FSJler ist sie für 75 Kinder da. Viele ihrer Kolleginnen begleiten sie schon Jahrzehnte und die Kinder aus ihren Anfängen bringen ihrerseits morgens ihren Nachwuchs in den Kindergarten. Die 40 Jahre, die sind wie im Flug vergangen. "Ich habe gar nicht das Gefühl, das ich älter bin", sagt van Meegen. Und das liege sicher daran, dass sie immer von vielen sehr jungen Menschen umgeben sei. Und ja, sie habe noch ein paar Jährchen, sagt van Meegen. Mit 59 Jahren muss und möchte sie auch gar nicht ans Aufhören denken. Dafür ist es dann doch zu schön.

Quelle: RP
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