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Kevelaer
Einblicke in das "Flüchtlingshotel"

Kevelaer: Einblicke in das "Flüchtlingshotel"
Viele interessierte Kevelaerer waren gekommen, um sich das ehemalige Sporthotel nach dem Umbau anzusehen. FOTO: Seybert, Gerhard (seyb)
Kevelaer. Das Hotel "Schravelsche Heide" ist zum Asylheim umgebaut worden. Vor dem Einzug der Neubürger wurden ausgewählte Personen zu einem Rundgang eingeladen, um einmal einen Blick auf den Ort zu werfen, der bald von vielen bewohnt wird. Von Christoph Kellerbach

Erst einmal sollen 190 Flüchtlinge in dem Sporthotel "Schravelsche Heide" untergebracht werden. Doch damit dies jetzt klappt, musste das gesamte Gebäude sechs Monate in Kleinstarbeit umgebaut werden. Unternehmer Will Swinkels hatte das komplette Objekt gekauft und zusammen mit seiner Sekretärin und rechten Hand Jessika Rütters die Erneuerungen geplant.

Bevor ab dieser Woche die Neubürger ihre Wohnungen beziehen, fand eine Führung für die direkten Anwohner, die Mitarbeiter der Stadt und die Presse statt. Nach einer kurzen Ansprache von Bürgermeister Dominik Pichler gingen verschiedene Gruppen durch das verwinkelte Haus, um sich einmal ein Bild von der dortigen Situation zu machen. Wer wollte, konnte am Ende noch für ein paar Getränke bleiben, um sich in gemütlicher Runde über die Erlebnisse zu unterhalten. Vertreter der Caritas, welche die Flüchtlingsunterkunft leiten werden, waren vor Ort, um Fragen zu klären.

Wil Swinkels beantwortete jede Menge Fragen. FOTO: Seybert, Gerhard (seyb)

"Wenn Objekte im Sterben liegen, kaufe ich sie auf und schaue: Was kann ich verdienen? Der Flüchtlings-Trend hat gut funktioniert, aber jetzt reicht es mir auch langsam", erklärte Wil Swinkels. "Denn es war ein extremes Unterfangen das Ganze hier umzubauen. Aber ja, wenn die Stadt sagt, dass sie noch eine Unterkunft brauche, dann würde ich das noch einmal machen, denn jetzt wissen wir ja wie es geht. Wir hatten zwar bereits drei andere Gebäude für Flüchtlinge umgebaut, aber die waren auch alle deutlich kleiner, weswegen die Auflagen dort anders waren."

Jessika Rütters erklärte im Detail die Änderungen, die gemacht werden mussten, damit das Haus für die Asylsuchenden genutzt werden darf: "Die Auflagen haben es uns echt schwer gemacht. Es muss überall einen zweiten Fluchtweg geben. Von jeder Dachkuppel aus führen Treppen aus dem Gebäude. Im Durchschnitt gibt es 20-Quadratmeter-Zimmer mit Bad, Röhrenfernsehen und Receiver für sieben Leute. Viele Flächen mussten neu überarbeitet werden, um feuerfest für 90 Minuten zu sein." Insgesamt könnten in dem Flüchtlingshotel 456 Leute aufgenommen werden. "Aber das ist noch Zukunftsmusik", meinte Rütters.

"Mir war es wichtig, dass die Optik des Gebäudes nicht als Asylheim direkt ersichtlich ist. Von außen her soll das Ganze ordentlich aussehen", so Swinkels. Deshalb wurden bei den Balkonen fünf Bretter über den leeren Blumenkästen angebracht, damit die Leute dort nicht überall ihre Wäsche aufhängen. "Weil das oft geschieht, haben sich bereits etliche Leute bei anderen Heimen beschwert, so dass wir dies hier von Anfang an unterbinden wollten. Aber so oder so kriegen die Flüchtlinge hier einen Luxus, das haben die noch nie erlebt."

Durchschnittlich 20 Quadratmeter groß sind die Zimmer. FOTO: Seybert, Gerhard (seyb)

Das Heim ist nach den Bauarbeiten noch sehr staubig, aber das ist auch etwas, um das sich die Asylsuchenden dann selbst unter der Aufsicht der Caritas kümmern sollen. Der Verband ist mit fünf Leuten pro Tag von 6 bis 20 Uhr mit jeweils zwei Personen gleichzeitig vor Ort. Nachts übernimmt dies "RSD Security" mit zwei Wächtern.

Was sagten die Besucher zum Heim? "Recht ansprechend. Besonders die kleinen Apartments, denn ich denke, dass zumindest etwas Privatsphäre ganz wichtig ist", fand Ina Foitzik. "Der Aufenthaltsraum ist auch sehr schön. Aber ich finde das mit den Brettern vor den Balkonen schlimm. Das wirkt so wie im Knast. Wen stört es denn, wenn da Wäsche getrocknet wird?"

Quelle: RP
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