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Kevelaer
Einbrecher bedrohen und fesseln 80-Jährige im eigenen Bett

Kevelaer. Tief und fest hatte eine 80 Jahre alte Frau in der Nacht zu Montag in ihrem Bett in ihrem Einfamilienhaus an der Straße Wiesengrund in Uedemerbruch geschlafen, als sie gegen 2.20 Uhr geweckt wurde. Zuerst dachte die schlaftrunkene Gehbehinderte, ihr Pflegedienst sei schon da. Im dunklen Zimmer hatte sie bis dahin lediglich zwei Gestalten erkannt. "Seid ihr schon da?", fragte sie im Halbschlaf. Doch zu mehr Fragen kam sie erst mal nicht mehr.

Eine Frau, die gefütterte Lederhandschuhe trug, habe ihr den Mund zugehalten. "Tun Sie, was wir sagen", habe die Frau von ihr in deutscher Sprache mit einem leichten Akzent gefordert. "Bleiben Sie liegen. Wo ist das Geld?" Immer wieder habe die Frau diese Frage wiederholt. Zwischendurch sprach sie in einer Sprache, die die 80-Jährige nicht verstand, mit einem Mann, der eine Sturmhaube trug. Offenbar wussten die beiden Einbrecher, so vermutet es die 80-Jährige, dass sie in den Tagen zuvor eine höhere Bargeldsumme von der Sparkasse abgeholt hatte. Völlig eingeschüchtert und verängstigt übergab die Hausbewohnerin schließlich das Geld aus ihrer neben dem Bett liegenden Handtasche den beiden Tätern. Doch die wollten mehr.

"Wo ist der Tresor? Wo ist der Schmuck? Wo ist der Tresor?", fragte die Täterin ihr Opfer und drohte der 80-Jährigen damit, ihr Haus abzufackeln und ihre Katze "gleich mit zu verbrennen". Während die Frau die Uedemerin immer weiter bedrängte - "etwa eine halbe Stunde hat das sicher gedauert", berichtete die 80-Jährige gestern - habe der Mann Wohnung und Keller durchsucht. In dieser Zeit versuchte das Opfer auch, einen Notruf-Knopf zu drücken, durch den sie ihren Pflegedienst alarmieren kann. Dies gelang nicht nur nicht, sondern die Einbrecherin bemerkte den Versuch auch. Wohl deshalb fesselte die Frau die Arme der Gehbehinderten mit deren Gummistrümpfen, die neben ihr auf einem Stuhl am Bett gelegen hatten.

Schließlich kehrte der Täter mit der Sturmhaube zurück. Das Einbrecher-Duo unterhielt sich kurz, verließ dann das Schlafzimmer. "Ich war vor Schreck immer noch wie gelähmt, musste erstmal zur Ruhe kommen. Als alles still blieb, habe ich die Fesseln abgemacht, meine Nachbarin und die Polizei angerufen", berichtet die 80-Jährige. Die Nachbarin sei sofort gekommen und habe sich rührend um sie gekümmert. Auch die Polizei war rasch mit vier Fahrzeugen am Tatort. Die Kriminalpolizei folgte bald. Die Fahnder sicherten nicht nur Spuren und vernahmen das Opfer. Sie boten der 80-Jährigen auch an, sie in ein Krankenhaus oder zu einem Arzt zu bringen. Da die Uedemerin jedoch aufgrund ihrer Behinderungen schon in medizinischer Betreuung war und sich gut versorgt fühlte, lehnte sie dies dankend ab. Gestern Mittag wollte die 80-Jährige nur noch eins: zur Ruhe kommen.

(dido)
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