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Kevelaer
Energiegewinn: Schilf statt Mais
Kevelaer: Energiegewinn: Schilf statt Mais
Unter anderem an der Bundesstraße 9 kann der aufmerksame Beobachter bereits Felder entdecken, die nur mit Riesengräsern bepflanzt worden sind. FOTO: Gerhard Seybert
Kevelaer. Neuerdings wachsen auf den Feldern entlang der B 9 bislang nicht kultivierte Pflanzen: Riesengräser und Schilf. Es wird damit experimentiert, diese nachwachsenden Rohstoffe zum Beispiel für Biogasanlagen zu nutzen. Von Anja Settnik

Mais, so weit das Auge reicht. Gefühlt ist inzwischen der halbe Niederrhein mit dem Kraftfutter bepflanzt. Wobei er immer häufiger als Futter gar nicht mehr verwendet wird. Vielmehr landet ein großer Teil in Biogasanlagen.

Das beschäftigt zunehmend viele Menschen, die ein Problem damit haben, Pflanzen, die Mensch und Tier ernähren könnten, nur noch für die Energiegewinnung zu nutzen. Unter anderem deshalb und auch aus Kostengründen wird mit neuen nachwachsenden Rohstoffen experimentiert. Wie Dr. Wilhelm Wehren vom Klever Landwirtschaftszentrum Haus Riswick bestätigt, laufen unter anderem Feldversuche mit Schilfgras.

Ganz ähnlich wie seine Verwandten in Sumpfgebieten wächst es schnell, trocknet im Herbst aus und ist dabei mehrjährig. Nachdem es im Winter geschnitten ist, treibt es im Frühjahr wieder aus und wächst der nächsten Ernte entgegen. Genutzt werden die kräftigen Stängel. Nahe Kevelaer ist ein solches kleines Feld zu sehen.

Ein Niederländer hat den Boden gepachtet und kultiviert dort das Gras, das schon jetzt drei Meter hoch steht. Gleich neben einem ähnlich hohen Maisfeld angebaut, fällt es kaum auf. Was aus dem spröden Gewächs werden soll, wissen die Nachbarn nicht. Auch Ortslandwirt Heinz Gleumes nicht – "kann sein, dass das was mit Biogasanlagen zu tun hat". Kreislandwirt Heinz Lax sagt: "Es laufen Versuche der Kammer. Das Projekt steht aber noch ganz am Anfang."

Ein benachbarter Gärtner meint, dass der Boden dort nicht viel hergibt. Für das Schilf scheint's zu reichen. Es wächst prächtig. Kann sein, dass die Biomasse gehäckselt und zur Biogasgewinnung eingesetzt wird, kann auch sein, dass sie als Brennstoff genutzt wird. Landwirte, die zum Heizen ihres Betriebs (teures) Holz einsetzen, kommen fast zwangsläufig auf die Frage, was sich noch verbrennen ließe. Miscanthus Giganteus, auch Riesenchinaschilf oder Elefantengras genannt, scheint dazu geeignet.

Raphael Freiherr von Loe, der als Schlossherr von Wissen auch eine große Biogasanlage betreibt, ist gespannt auf die Erkenntnisse der Kammer. Auch Zuckerrüben, erzählt er, seien für die Anlagen sehr geeignet. "Die Zuckergewinnung ist ja kontingentiert. Wenn wir mehr anbauen und für die Energieerzeugung nutzen könnten, wäre das gut." Auch Elefantengras habe er schon ausprobiert. "Das muss aber spätestens im Juni gesät werden, und da haben wir eigentlich noch keinen Platz auf den Feldern." Er setzt bei den nachwachsenden Rohstoffen eher auf Rüben und Futterroggen als Ergänzung zum Mais.

Nach Angaben der Kammer können bei Miscanthus je nach Standort 15 bis 25 Tonnen Trockenmasse pro Hektar erreicht werden. Das Häckselgut hat einen ordentlichen Brennwert und kann bis zu 20 Jahre lang immer wieder geerntet werden. Im Münsterland gibt es schon Betriebe, die ihren Schwerpunkt auf den Anbau von Gräsern legen.

Quelle: RP/rl
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