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Sepideh Akbarzadeh
Erleben wie ein Kunstwerk entsteht

Sepideh Akbarzadeh: Erleben wie ein Kunstwerk entsteht
Sepideh Akbarzadeh in ihrem Atelier in der Luxemburger Galerie. FOTO: Evers
Kevelaer. In der Luxemburger Galerie lässt sich die Künstlerin bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen. Das Besondere bei ihr sind die Tausende von Punkten, die in der Stille entstehen. Der Prozess des Tuns sei entscheidend, nicht die Zeit.

Sie haben ihr Atelier seit kurzem in der Luxemburger Galerie. Was hat Sie als persische Künstlerin nach Kevelaer gebracht?

Sepideh Akbarzadeh Ich lebe schon seit zwölf Jahren in Kevelaer, es ist also nicht so, als ob ich gerade erst hier bin. Bisher hatte ich aber ein kleines Atelier zu Hause. Wo ich lebe, da habe ich auch gearbeitet. Man konnte mich auch dort besuchen kommen.

Wie kamen sie auf die Luxemburger Galerie?

Akbarzadeh Es hat sich so ergeben. Ich habe gesehen, dass der Raum leer ist und habe mich dafür entschieden, weil ich in Kevelaer lebe und mich hier wohlfühle, möchte ich meine Bilder auch zeigen.

Beschreiben Sie doch bitte ihre Bilder.

Akbarzadeh Ich spreche von Nullpunktmalerei, weil die Bilder in der Meditation entstehen. Die vielen kleinen Punkte, die ich einzeln male, legen sich wie ein Schleier auf das Bild. Erstmals habe ich diese Art zu malen bei einem Kursus kennengelernt, später auch in der Schweiz. Die Vollendung der Bilder entstehen in der absoluten Stille. Stille, Friede, Achtsamkeit, das sind meine Themen.

Wie kann man in einem öffentlichen Atelier über die Schulter schauen?

Akbarzadeh Tagsüber entsteht das Abstrakte, der Hintergrund. Das ist mit ziemlich viel Kraft verbunden. Ich habe mich mittlerweile daran gewöhnt, dass Leute stehen bleiben und zuschauen. Der Schleier, die vielen kleinen Punkte, kommt erst später. Das mache ich abends oder immer noch zu Hause in meinem kleinen Atelier, in der Stille.

Wie wichtig sind Ihnen ihre Bilder?

Akbarzadeh Sehr wichtig, das ist das, was ich lebe. Es ist schon eine besondere Art Kunst zu machen. Mir sind die Bilder wichtig, weil sie Menschen berühren. Das ist für mich das Leben. Wenn ich das vollbracht habe, sich Menschen berühren lassen, dann bin ich erfüllt.

Wie reagieren die Menschen auf das, was sie in ihrem Atelier sehen?

Akbarzadeh Es kommen Menschen, die wirklich an Kunst interessiert sind und die stehen da und beobachten erst einmal. "Das Bild macht was mit mir", sagte eine Frau. "Ich bin sehr berührt", "Ich finde hier meine Ruhe", sind Sätze, die ich schon gehört habe. Die Reaktionen sind unfassbar. Sie berühren mich auch.

Gab es einen Anstoß zur Kunst?

Akbarzadeh Mein Elternhaus war von Lebendigkeit geprägt. Wir haben sehr viel getanzt, Musik gemacht, gemalt, wir waren umgeben von Kreativität. Das hat meine Kindheit geprägt. Aber da stand noch nicht fest, dass ich mal mit Kunst zu tun haben würde.

Wo haben Sie Kunst gelernt?

Akbarzadeh Als Autodidaktin habe ich angefangen, jetzt studiere ich Malerei und Kunstgeschichte an der Freien Akademie für Malerei in Düsseldorf. Dort lerne ich unheimlich viel dazu, auch wenn ich bei der Art Kunst, wie ich sie mache, bleiben will. Ursprünglich habe ich eine sozialpädagogische Ausbildung gemacht und in dem Bereich gearbeitet. Irgendwann habe ich den radikalen Schnitt von der Pädagogik zur Kunst gemacht.

Sie sind auch Kunstcoach?

Akbarzadeh Ja, diese Arbeit ist sehr spannend. Die Menschen zeigen sich in dem, was sie malen. Man sieht, wo Blockaden sind, aber auch Potenziale. Beim Coaching arbeite ich lösungsorientiert: Blockaden lösen und Potenziale stärken.

Sind Sie denn schon einmal gefragt worden, wie lange Sie für ein Bild mit den vielen kleinen Punkten brauchen?

Akbarzadeh Ja, ich spreche gerne von der "Kunst der Langsamkeit". Dazu gehört für mich das Anhalten, Innehalten. Damit schwimme ich tatsächlich gegen den Strom in dieser Welt, in der alles so schnell geht. Ich mache meine Kunst nicht in Eile. Diese Bilder nehmen so viel Zeit in Anspruch, dass die Zeit keine Rolle mehr spielt. Der Prozess des Tuns und Erlebens ist entscheidend. Da ist die Zeit absolut unwichtig.

DIE FRAGEN STELLTE BIANCA MOKWA.

Quelle: RP
 
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