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Kevelaer
Erst die Arbeit, dann der Adventsmarkt

Kevelaer: Erst die Arbeit, dann der Adventsmarkt
FOTO: Seybert Gerhard
Kevelaer. Ein Blick hinter die Kulissen der Kreativen in Winnekendonk. Manche nutzen bereits die Sommermonate, um aus Wolle einzigartige Geschenke zu kreieren. Andere legen Nachtschichten für Näharbeiten ein oder hobeln Holz. Von Bianca Mokwa

Während die einen raue Hände im Winter bekommen, werden die von Silke Neumann immer zarter. "Streichelzart", sagt die Kervenheimerin und reibt sich die Finger. Schuld daran ist die gute Olivenölseife. In die taucht sie kurz vor dem ersten Advent regelmäßig ihre Hände, um pünktlich zum Winnekendonker Adventsmarkt ihre Filzprodukte präsentieren zu können. "Filzen ist nicht mal eben so", sagt die Kreative über die Verarbeitung von Wolle zu Kunstwerken mittels Seifenschaum. Auch die Seife selbst wird eingepackt und umfilzt. "Praktisch", nennt Lisa Vos die marmorierten Stücke und eine gute Geschenkidee. Auch sie gehört zu den Kreativen, die mit den Produkten den Winnekendonker Adventsmarkt bereichern. Bis es soweit ist, gehen aber viele Stunden ins Land, werden mit Seifenlauge und Wolle oder an der Nähmaschine verbracht.

Beim Thema Nachtschichten nicken die Kreativen alle kollektiv mit dem Kopf. Zwischen Kindern und Haushalt entstehen die wunderbarsten Dinge. Das neueste Projekt bei Lisa Vos sind die Sorgenfresser. Das sind kleine Monster, die Platz in ihrem Bauch haben, um Sorgen, die auf einen Zettel geschrieben werden, zu verstecken. Ihre Kinderschühchen aus Leder fertigt Lisa Vos auch. Die machen die Runde und werden "als total süß" tituliert. Für Jungs hat die Kevelaererin Loop-Schals in petto, nicht zuletzt inspiriert durch ihre eigenen Söhne. Der schwarze Schal mit den leuchtend grünen Sternen ist durchaus auch für Gladbach-Fans geeignet. Für die Erwachsenen hat sie große Tücher genäht. "Die Zusammenstellung der verschiedenen Stoffe dauert manchmal länger als das Nähen selbst", sagt Näh-Kollegin Britta Aben wissend. "Es ist ein Hobby. Und das soll es auch bleiben", lautet ihr Motto. Die neueste Errungenschaft, die unter ihren Händen entstanden ist, sind Bettschlangen. Die genähten langen Stoffwürste nehmen im Bett Platz, wenn es für das Kind noch zu groß ist, oder sind einfach zum Kuscheln da. Anregungen findet sie durch ihren eigenen Nachwuchs. So entstand eine Kinderpuppentrage. Neu im Programm haben die beiden Näherinnen auch Fensterketten aus Federn und Papier. "Das könnste ja auch mal machen", dieser Satz fällt öfters. "Wir sind ja selber schuld", sagt Lisa Vos lachend über den arbeitsintensiven Endspurt vor dem Adventswochenende. "Wir gehen mit offenen Augen durch die Welt und finden immer wieder neue Sachen." Allerdings stellt Britta Aben auch klar, dass Kreativsein im Alltag nicht immer einfach ist. "Die Nähmaschine ist nicht fernsehkompatibel", sagt sie. Das beharrliche Rattern ist für einen gemütlichen Fernsehabend mit Mann also ungeeignet.

Anja Luyven ist mit ihrem Gatten Jürgen gemeinsam kreativ. Beide haben sich der Arbeit mit dem Holz verschrieben. Bis aber aus einem rohen Stück ein Tannenbaum wird, das dauert. Das Ästhetische wird durchaus auch mit dem Nützlichen verbunden. Ein Beispiel sind die Futterbretter in Tannenbaumform, an denen Meisenknödel baumeln. "Das macht den Markt aus, dass so vieles selber gemacht ist", sagt Anja Luyven über den Winnekendonker Adventsmarkt. Inge Leenen nickt. Sie ist als Kreative seit 20 Jahren dabei. Die Winnekendonkerin hat Schutzengelchen aus Acrylglas dabei, ihr Hauptaugenmerk liegt aber auf Bildern der Ortschaften. Gerade zu Hochzeiten werden auch schon mal zwei Orte vereint auf ein Bild gebracht, etwa Aachen und Kevelaer oder Hamburg und Kevelaer. "In New York hängt eins, auf Teneriffa und in der Schweiz", zählt sie auf. "Inge, du bist ja weltweit", sagt Silke Neumann lachend. Die Winnekendonker kriegen alles fein säuberlich auf dem Adventsmarkt präsentiert.

In einem sind sich alle einig. Mit dem Preis sind die Stunden nicht aufzuwiegen. Hinzu kommen die Kosten für das Material. "Es ist schön, wenn es so wird, wie man es sich vorstellt und es dann auch noch Leuten gefällt", nennt Lisa Vos ihre Motivation. Nach dem Werkeln werden die Waren zwei Tage lang präsentiert. Und dann ist Schluss. Zeit für Familie. "Ich habe dann acht Wochen an der Nähmaschine gesessen. Die Adventszeit gehört wieder uns", sagt Lisa Vos.

Quelle: RP
 
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