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Weeze
Erst Weltenbummler, dann Bio-Bauer in Weeze

Weeze: Erst Weltenbummler, dann Bio-Bauer in Weeze
Zwischenstopp in Patagonien. FOTO: DANIEL SCHEWE
Weeze. Drei Jahre, vier Kontinente, 23.736 Kilometer lautet die Bilanz einer Weltreise mit dem Rad. Simone Schmitz und Daniel Schewe sind zurück und haben beim Naturkosthof Büsch Heimat gefunden. Von Bianca Mokwa

Voll hängende Apfelbäume auf einer Schafweide, davor zwei Fahrräder mit vielen bunten Aufklebern. Ein schönes Still-Leben mitten in Weeze.

Die Fahrräder gehören Simone Schmitz und Daniel Schewe. Drei Jahre lang waren sie ihr wichtigstes Fortbewegungsmittel, weit ab von der niederrheinischen Idylle. 23.736 Kilometer zeigte der Tacho nach drei Jahren und der Reise durch vier Kontinente an. "Ich habe anscheinend immer schon auf eine Weltreise hingespart", sagt Simone Schmitz. Die Idee begleitet sie schon ihr Leben lang. Ursprünglich kommt die 31-Jährige aus Ostfriesland. Vom elterlichen Hof ging die Tour los. "Das Planen hat total viel Spaß gemacht", sagt ihr Partner Daniel Schewe. "Die ganze Vorbereitung ging nur um Technik und Ausrüstung", erklärt der 35-Jährige. Denn immerhin mussten einige Kilometer, auch Höhenmeter und erhebliche Temperaturunterschiede bewältigt werden.

Auf dem Hof von Johannes und Barbara Büsch (v. l.) haben die Biobauern Simone Schmitz und Daniel Schewe (v. r.) ihr neues Zuhause gefunden. FOTO: Stoffel

In Ostfriesland hinterlegten die beiden zahlreiche Landkarten, hatten Fahrradteile auf Vorrat, die sie sich nach Bedarf schicken ließen. Ihr Hauptaugenmerk lag nicht nur auf den verschiedenen Landschaften und Menschen, sondern auch auf der Landwirtschaft. "Arbeit und Ernte mit Pferd, Esel, nur mit der Hand oder dem Großtraktor, wir haben viel gesehen", sagt Daniel Schewe. In Mexiko hat das Paar bei der Kaffee-Ernte mitgeholfen, in Tansania waren sie auf einem Hof für Gewürze und Tee und wären fast geblieben. Der Wunsch, Bauer zu werden, verfolgt Daniel Schewe seit seiner Kindheit. Losgelassen hat er ihn nicht, auch wenn er zunächst Mediengestalter gelernt hat. "In Kunstlicht morgens zur Arbeit, in Kunstlicht wieder nach Hause", das wollte er nicht mehr. "Das Schönste ist für mich im Jahresablauf zu leben. Sonne und Wind, die verschiedenen Jahreszeiten, im Frühjahr auszusäen und im Herbst zu ernten." Schon vor der Weltreise haben er und Simone Schmitz auf dem Internetportal Hofgründer.de eine Anfrage gestartet.

"Guck' mal, die suchen uns", waren die Worte von Barbara Büsch vom gleichnamigen Naturkosthof in Weeze an ihren Mann, als sie davon las: "Das Anforderungsprofil war Eins-zu-eins das, was unserem Hof entsprach". "Direktvermarktung mit Laden und Lieferservice, Hühner, Öko-Zucht", schlüsselt Simone Schmitz auf. "Ein Gemischtbetrieb, wo viele Dinge möglich sind", ergänzt Daniel Schewe. Nur die Lage störte. "Es war halt nicht Norddeutschland", sagt die Ostfriesländerin. Aber Barbara Büsch zeigte sich als Frau der Tat. "Was der Landrat kann, um Ärzte zu werben, kann ich auch", lautete ihre Devise und so lud sie zur Fahrradtour am Niederrhein mit Dünenlandschaft ein. Die Überzeugungsarbeit gelang. "Es war nur Kopfsache, dass wir dachten, es muss der Norden sein", sagt Simone Schmitz heute. Gemeinsam mit Daniel Schewe lebt und arbeitet sie auf dem Weezer Naturkosthof der Familie Büsch. "Uns war wichtig, früh genug einen Nachfolger zu finden", erklärt Barbara Büsch. Sie ist 55 Jahre alt, ihr Mann Johannes 56 Jahre. "Wir sprechen über die gemeinsame Form der Zusammenarbeit für die nächsten Jahre", sagt Barbara Büsch. Die endgültige Version ist, dass der Hof eine Zukunft hat, wenn sie und ihr Mann in Rente gehen.

Nicht nur mit dem Niederrhein haben sich die beiden Weltenbummler schon angefreundet, sondern auch damit, sesshaft zu sein. "Das Schönste nach der Reise ist, das Zelt muss nicht mehr aufgebaut werden, um schlafen zu gehen", sagt Daniel Schewe und lächelt zufrieden.

Quelle: RP
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