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Kevelaer
Es fährt (k)ein Zug nach irgendwo. . .

Es fährt (k)ein Zug nach irgendwo. . .
Das leere Zelt, in dem eigentlich die Jugenddisco stattfinden sollte. Im Konzert- und Bühnenhaus durften dafür alle ab 16 Jahren mitfeiern. FOTO: Seybert, Gerhard (seyb)
Kevelaer. Für die Absage des Rosenmontagszuges gab es viel Verständnis. Viele Narren feierten trotzdem, im kleineren Rahmen. Von Sina Zehrfeld

Rosenmontag, 14 Uhr in der Innenstadt. Übertrieben windig ist es nicht gerade - und das wird es, wie man später weiß, in den nächsten Stunden auch nicht werden. Sogar die Regenwolken werden sich bald wieder verzogen haben. Trotzig rollt ein kleiner Motivwagen hinter einem Rasenmäher unter Helene-Fischer-Musikbeschallung einsam stadtauswärts. Der Tross aus Kostümierten grüßt die wenigen Passanten mit lautem Helau.

Der Karnevalszug ist abgesagt, die Straßen und Plätze sind ziemlich leer. Aber nicht alle Kevelaerer lassen sich das Feiern verderben: Kleine Truppen Kostümierter ziehen in Richtung Innenstadt. Superhelden, Krokodile, Tiger, Löwen und Ballerinas. Eine Mannschaft grüner Grashüpfer verteilt aus großen Tüten Wurfmaterial an alle Kinder, die sich unterwegs blicken lassen.

Als "Flips" - die Figur aus Biene Maja - wollten sie im Zug mitziehen. Die Absage habe "ein kurzes Stimmungstief" verursacht, geben sie zu. "Vor allem ist es traurig, weil es jetzt eben nicht wie erwartet stürmt und regnet." Aber, bei aller Enttäuschung: Sie haben Verständnis.

Das ist auch der Tenor in den Kneipen und auf der Straße. "Man hätte den Zug vielleicht früher starten lassen können", erwägt Christian Schäfer, der als Inuit in der Gaststätte "Alt Derp" unterwegs ist. "Andererseits, im Vorhinein weiß man das alles nicht. Ich hätte die Entscheidung auch nicht treffen wollen."

"Sicherheit geht vor", heißt es immer wieder. "Jetzt, wo wir hier in der Sonne stehen, sehen wir das natürlich anders", witzelt Närrin Barbara Unkrig-Schläger, die draußen in munterer Runde am Stehtisch steht. "Aber wenn Sturm angesagt ist, ist halt Sturm angesagt" - da sei nichts zu machen. Außerdem komme der Zug ganz sicher noch, ulkt die Runde: "Wir müssen nur ausharren. . . und wenn es ein Jahr dauert!"

Auch die Jugenddisco im Festzelt ist abgesagt. Viele junge Leute haben sich auf dem Roermonder Platz versammelt. Das Konzert- und Bühnenhaus hat deshalb die Altersgrenze für den Einlass von 18 auf 16 Jahre abgesenkt: "Damit die Jugendlichen auch eine Chance haben, von der Straße zu kommen", sagt Betreiber Torsten Pauli. "Da war die Sorgfaltspflicht wichtiger als das Geschäft." Er bedauert vor allem die Wagenbauer: "Die Sicherheitsauflagen werden immer strenger. Und die, die es geschafft haben und mitziehen können, werden durch das Wetter so enttäuscht."

"Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht", versichert Ludger Holla vom Kevelaerer Ordnungsamt. Sicher sei die Absage traurig. "Aber trauriger wäre, wenn etwas passiert wäre." Die große Gefahr habe nicht mal darin bestanden, dass Wagen außer Kontrolle geraden könnten, erläutert er: "Wir könnten nicht gerantieren, dass nicht durch Sturmböen Dachziegel heruntergeweht würden oder Äste aus den Bäumen am Straßenrand."

Der Beschluss zur Absage sei einmütig gewesen, sagt Zugleiter André Looschelders vom Karnevalsverein VFR Blau-Gold Kevelaer. "Es ist natürlich sehr enttäuschend. Alle fiebern und arbeiten darauf hin, man steckt eine Menge Zeit und Mühe im Vorfeld rein. Aber nichtsdestotrotz muss die Sicherheit vorgehen." Über einen Ersatztermin habe man nachgedacht, spruchreif sei aber noch nichts, hieß es gestern.

Immerhin gibt es heute noch mal eine Chance: Aus Issum verlautete gestern, dass sich für den dortigen Rüseldensdagszug kurzfristig die AKG Achterhoek mit Prinzenwagen und die Hubertus-Schützengilde aus Kevelaer angemeldet haben.

Quelle: RP
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