| 00.00 Uhr

Kevelaer
Essen mit Genuss und Muße

Kevelaer: Essen mit Genuss und Muße
Die Familie Gashi ist seit einer Woche Mitglied bei der Organisation und Bewegung "Slow Food". In ihrer Trattoria La Piazza im Herzen der Marienstadt wird mit handgemachten Nudeln und feinsten Zutaten gearbeitet. FOTO: gerhard seybert
Kevelaer. Die Trattoria "La Piazza" serviert als liebevoller Familienbetrieb seit vielen Jahren handgemachte Köstlichkeiten. Nun sind sie Teil der "Slow Food"-Bewegung geworden, um noch mehr für den Erhalt natürlicher Speisen zu tun. Von Christoph Kellerbach

Schnell mal etwas zwischendurch essen, nur nicht anhalten und vor allem: zügig weiter im hektischen Tagesverlauf. Diese immer weiter um sich greifende Mentalität hat dazu geführt, dass binnen kürzester Zeit zubereitete Hamburger, Snacks und Gerichte zum Mitnehmen nicht mehr nur "Fast Food", sondern schon regelrecht zur Norm geworden sind. Obendrauf kommen die vielen verschiedenen Beigaben, Chemikalien und Geschmacksverstärker, durch die manch ein Konsument schon annimmt, dass natürlich gewonnene und zubereitete Mahlzeiten ohnehin nicht so lecker seien.

Seit mehr als zehn Jahren existiert die Trattoria "La Piazza" im Herzen der Marienstadt. Sie hat seit jeher mit handgemachten Nudeln, feinsten Zutaten und ausgesucht guten Köchen immer wieder gezeigt, dass ein natürliches Essen immer noch etwas ist, das man nicht mit allen Chemikalien der Welt zusammenrühren kann. Der Familienbetrieb, bestehend aus Vater und Mutter Gashi und den Söhnen Bledar, Dennis und Lorenzo, ist nun zusätzlich seit einer Woche Mitglied bei der Organisation und Bewegung "Slow Food".

"Die Firma, die dahinter steht, ist in Italien 1986 gegründet worden als direkte Antwort auf das erste McDonalds, das damals in Rom eröffnet wurde", erklärt Bledar Gashi. "Es gibt insgesamt 80 000 Mitglieder in 150 Ländern und davon 13 500 Mitglieder in 85 Lokalen in ganz Deutschland." Vor einiger Zeit kamen die Leute aus der Bocholter Sektion vorbei "und haben gesehen, dass unsere ganze Grundidee, unsere Liebe zum Essen und unsere Liebe zur Regionalität absolut zur eigentlichen Idee von 'Slow Food' passt", so Dennis Gashi. "Wir fühlen uns geehrt, denn da wird nicht jeder aufgenommen."

So darf die Trattoria La Piazza nun das "Slow Food"-Logo, eine putzig gezeichnete Schnecke, samt dem Markennamen vor ihrem Haus ausstellen. Die Richtlinien, die für das "langsame Essen" eingehalten werden müssen sind dabei durchaus komplex, doch die Trattoria hatte schon vorher einen ausgesucht hohen Standard: Für sie darf es nur hausgemachte Pasta geben; Fische dürfen nicht aus der Zucht kommen, sondern müssen mit der Leine gefangen sein; der Schinken kommt aus einem Kloster in der Nähe von Siena und der Käse aus der Gegend rund um Neapel. Sogar der Wildsalat kommt aus einem heimischen Anbau, der nur knappe 15 Kilometer von9 Kevelaer entfernt ist. Warum verschreibt sich "La Piazza" so stark dem natürlichen Essen? "Weil wir eben so groß geworden sind mit normalem Essen", meint Bledar Gashi. Sein Bruder Dennis empfindet genauso: "Deshalb wäre uns auch gar nicht eingefallen irgendetwas anderes zu machen. Beim Essen, da muss es doch Liebe zum Detail geben!"

So hoffen die Gashis nun, dass die bislang am Niederrhein nicht bekannte "Slow Food"-Bewegung ein Erkennungszeichen wird und größere Wellen zieht, damit die Leute wieder mehr auf das achten, was sie essen. Für die Trattoria bedeutet das putzige Schnecken-Logo von "Slow Food" auch weniger eine Veränderung, sondern ist eine Auszeichnung für die dort seit Jahren bestehende Liebe zum Essen. Ein Konzept, dass sogar noch ausgeweitet werden soll. Ein "Kochen ist göttlich"-Kochkurs mit Priestern und Nonnen ist genauso geplant wie Einladungen an Schulklassen, damit diese sehen, wie Essen noch richtig gemacht wird. Angedacht ist auch ein Pizza-Kursus mit Gashi-Bruder Lorenzo, der 2007 als bester Pizza-Bäcker Deutschlands ausgezeichnet wurde.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Kevelaer: Essen mit Genuss und Muße


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.