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Kevelaer
Evita - durchdacht bis zum Schluss

Kevelaer: Evita - durchdacht bis zum Schluss
FOTO: GoW
Kevelaer. Gelungener Auftakt: Zum Start der neuen Theatersaison im Konzert- und Bühnenhaus überzeugte das argentinische Musical. Von Liss Steeger

Ein Broadway-Musical in Wohnzimmer-Atmosphäre zu erleben, ist etwas ganz Besonderes. Als erste Aufführung im Theaterprogramm präsentierte das Kevelaer Marketing gemeinsam mit der Sparkasse Goch-Kevelaer-Weeze die Pop-Oper "Evita". Das Konzert- und Bühnenhaus bewies einmal mehr die multifunktionalen Nutzungsmöglichkeiten.

Das Musical schildert das Leben der "Evita" genannten Maria Eva Duarte de Perón (1919-1952). Die ehrgeizige, in einfachen Verhältnissen aufgewachsene Schauspielerin steigt zur argentinischen "Nationalheiligen" auf. Die Geschichte der umstrittenen Frau funktionierte dank Regie und Ausstattung unglaublich gut. Stephanie Theiß überzeugte darstellerisch als strippenziehende Präsidentengattin und geschickt sich selbst vermarktende Repräsentantin des Regimes. Ihre tiefe Sprech- und Singstimme passte perfekt zu den Reden Evitas, zweifelloser Höhepunkt war "Wein nicht um mich, Argentinien" vom Balkon.

Mit den Worten "Was für ein Zirkus, welch eine Show" führte Manuel Lopez als Che (deutsch: Bursche oder Junge) in das Thema ein. Er gab seiner Figur eine sympathische Ausstrahlung und hinterfragte als Vertreter des argentinischen Volkes mit einem kritischen Blick den Mythos Evita. Ironische Spitzen und bissige Kommentare sowie sein Gesang waren außerordentlich textverständlich.

Die Kostüme waren Land und Zeit entsprechend und bildeten einen guten Kontrast zum eher dunklen Bühnenbild. Drei fahrbare, hohe Holzelemente ergaben je nach Standort oder Drehung eine Häuserfront oder das Innere eines Hauses mit Treppe und Galerie. Die Roben und Kleider Evitas wurden immer aufwändiger, und auch die aristokratische Gesellschaft "funkelte" mit edlen Hüten und Kostümen. Juan Perón wurde von Michael Hiller mit viel Bühnenpräsenz ausgestattet. Mit seinem warmen Bariton rüttelte er in seinen Liedern auf.

Das gesamte Ensemble beeindruckte besonders im Zusammenspiel, die Choräle waren wunderbar synchron und sauber und kamen auch im oberen Rang glasklar an. Die komplette Besetzung ergab ein harmonisches Ganzes. Ob das die schnellen Kostümwechsel waren, Peróns wenig zimperlicher Weg nach oben bei "Das Handwerk des Möglichen", die Darstellung nationaler Eigenheiten bei der "Regenbogen-Tour" oder wenn sich bei "Buenos Aires"-Militärs anfangs unbemerkt unter die tanzenden Passanten mischen - es waren die durchdachten Kleinigkeiten, die im Zusammenspiel mit der Choreographie mit großer Leichtigkeit für das gewisse Etwas sorgten.

Viel Applaus und Blumen für Evita von Bernd Pool vom Kevelaer Marketing.

Quelle: RP
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