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Weeze
Exklusiver Einblick in die Schlossgeschichte

Weeze: Exklusiver Einblick in die Schlossgeschichte
Raphaël Freiherr von Loë führte die Gruppen durch die Säle, hier befindet man sich im Esszimmer des Schlosses. FOTO: Gottfried Evers
Weeze. Riesig war die Nachfrage nach der RP-Aktion mit Führung durch die Anlage in Wissen. Der Hausherr führte 20 Leser durch das Gebäude. Günter und Brigitte Heursen aus Kessel zählten zu den glücklichen Gewinnern der exklusiven Führung mit Raphaël Freiherr von Loë. Von Monika Kriegel

"Für mich insofern von besonderer Bedeutung, weil ich mein Gesellenstück damals aus Brettern aus dem Wissener Wald gefertigt habe", berichtet der Schreiner.

Historische Begebenheiten, eng verknüpft mit der Familiengeschichte und dem alltäglichen Leben im Schloss, beschrieb der Hausherr, während er die Türen zu weitläufigen Sälen und der Hauskapelle öffnete. "Amerikanischen Gästen erklärte ich gerne, dass unsere erste Generation schon auf Schloss Wissen wohnte, als Columbus den ersten Schritt auf den neuen Kontinent setzte. Die älteste Urkunde stammt von 1372", so von Loë.

Die Schlosskapelle ist vor einiger Zeit restauriert worden. FOTO: Evers Gottfried

Die baulichen Veränderungen in unterschiedlichen Epochen spiegelten sich auch im Gebäudeinnern wider. Etwa im Weißen Salon, Billardzimmer und im Esszimmer. "Hier gibt es dicke Fensternischen im Billardzimmer, die nebenan im Weißen Salon während des Umbaus im französischen Stil deutlich reduziert wurden", erläutert van Loë. Im Esszimmer dinierte einst die Familie unter dem Porträt der Kaiserin Maria Theresia und anderen Ahnen.

Zwei Dinge hat der Schlossherr grundlegend verändert. "Unser Eingang liegt jetzt zwischen Kapelle und Haupthaus, damit das tägliche Leben von den repräsentativen Räumen getrennt verläuft. Und wir haben die große Küche im ersten Stock, die früher ausschließlich der Speisenbereitung diente, um einen Essplatz für die unsere ganze Familie erweitert, also für acht Personen, Schwiegersohn und drei Enkel", verriet der Hausherr.

Das Schloss wurde während des Zweiten Weltkriegs nicht zerbombt, weil es als Lazarett diente. Dieser Schutz unter dem Roten Kreuz wurde allerdings aufgehoben, als deutsche Soldaten Quartier bezogen. Beim Abzug wurden Brücke und Pumpe zerstört, die einrückenden Briten überzeugte die resolute Großmutter von der Dringlichkeit einer neuen Pumpe zum Schutz des Gemäuers.

Stolz verwies von Loë auf das Ahnenfoto anlässlich des 100. Geburtstags der Großmutter am 13. Februar 2003, immerhin mit 107 Personen. Auf die Frage, welchen Beruf man als designierter Schlossherr eigentlich erlernt, holte der Befragte weiter aus. Er habe Praktika in unterschiedlichen Branchen absolviert, als Diplom-Kaufmann zunächst vier Jahre in Bremen in unterschiedlichen Positionen Berufserfahrung und Erfahrung im Umgang mit Menschen gesammelt. Traditionell gehe die Leitung in die Hände des ältesten Kindes der Familie, wobei stets abgewägt werde: "Will er? Kann er?" "Also, ein Schlossherr lernt nie aus", kommentierte Besucherin Jurina Swenne.

Letzte Station der Führung war in der Schlosskapelle. "Die Bänke kippen um 13 Zentimeter nach außen", beschrieb der Schlossherr ein kompliziertes Verfahren, die 1875 auf Holzsäulen erbaute Kapelle vor weiterem Absacken zu retten. Und zwar mit 52 Betonsäulen als Stütze. Eine Herzensangelegenheit wurde im Gotteshaus deutlich: die enge Bindung an die katholische Kirche.

Wer Interesse hat, sich das Schloss anzusehen, sollte sich das Parkfest vormerken. Dann öffnet die Anlage für die Öffentlichkeit. Nächster Termin ist im Juli 2018.

Quelle: RP
 
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