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Kevelaer
Exzellentes Konzert in Clemenskirche vor wenigen Zuhörern

Kevelaer. In einem ausgezeichneten Benefizkonzert präsentierten sich das Kammerensemble des Jungen Tonkünstler Orchesters und der Kammerchor der Petri-Kirche Mülheim an der Ruhr unter der musikalischen Leitung von Manfred Jung in der Clemenskirche im Klostergarten.

Unter dem Motto "Die Geburt Christi" waren Texte aus Worten der heiligen Schrift (Sprecher Jost Schenck) und geistliche Lieder abwechselnd zu hören. Die leider nur rund 50 Besucher erlebten ein Programm mit Kompositionen aus fünf Jahrhunderten.

Die exzellenten Solisten Sonja Schwechten (Sopran), Dominique Aline Bilitza (Alt), Michael Siemon (Tenor), Christian Walter (Bass) und Elmar Lehnen (Cembalo und Orgel) trugen ihren Teil zur traulichen Besinnlichkeit bei. Das Orchesterensemble bot größtmögliche Geschlossenheit auf hohem Niveau und entfaltete eine angesichts der schmalen Besetzung erstaunlich differenzierte Klanglichkeit.

Die Freunde von Sentimentalität und barockem Melos kamen beim "Air" von Johann Sebastian Bach aus der 3. Suite für Orchester (D-Dur BWV 1068) gleich zu Beginn auf ihre Kosten. Alles wirkte leicht und selbstverständlich. Das Geschehen war höchst akribisch vom Dirigenten gearbeitet, offenbar perfekt durchgestaltet. Jedes Detail saß, und doch wirkte nichts erzwungen, sondern schien aus der Situation heraus entstanden. Der Kammerchor agierte in den Werken von Heinrich Schütz, Heinrich von Herzogenberg und Georg Philipp Telemann durchweg ausgewogen, intonationssicher und kultiviert. Die sechs Männer- und acht Frauenstimmen füllten die Sätze ungewöhnlich weich und gleichzeitig klar und entschlossen. Mit großer Selbstverständlichkeit wurden harmonische ambitionierte Passagen bewältigt, wurden auch attraktive und überraschende Modulationen leicht musiziert.

In den Solo-Quartetten "Maria durch ein Dornwald ging" von Hermann Ophoven oder Bachs "Ich steh an deiner Krippe hier" und besonders bei Samuel Scheidts "O Jesulein zart, dein Kripplein ist hart" kamen die lyrischen Qualitäten der Sänger nicht zu kurz. Dominique Aline Bilitzas Interpretation der bewegten Arie "Bereite dich Zion" wirkte wunderbar sensibel und einfühlsam. Von der ersten Note an bezauberte sie die Hörer mit ihrem klaren, schlanken und leuchtenden Mezzosopran. Michael Siemon erfüllte wunderbar in Peter Cornelius' "Drei Kön'ge wandern aus Morgenland" den romantischen Teil. "Er weidet seine Herde" aus dem "Messias" von Georg Friedrich Händel wurde von Sonja Schwechten in ruhigen und innigen Bögen kompetent und sicher vorgetragen.

(usp)
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