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Kevelaer
Farbenfrohe Wallfahrt der Tamilen

Der Wallfahrt der Tamilen in Kevelaer 2017
Der Wallfahrt der Tamilen in Kevelaer 2017 FOTO: Gottfried Evers
Kevelaer. Über 7000 Besucher aus der ganzen Welt waren in der Marienstadt. Ein Bischof aus Sri Lanka, knapp zwei Dutzend Priester und viele Pilger aus verschiedenen Nationen sorgten für ein religiöses Fest der Kulturen. Von Christoph Kellerbach

Das trübe Wetter mit Nieselregen tauchte die Wallfahrtstadt in graue Farben. Genau die richtige Umgebung, damit die wunderbar farbenfrohen Kleider der über 7000 Tamilen am Samstag die Stadt in ein buntes Meer der Kulturen verwandelten: goldbestickte Gewänder, feingeschnittene Anzüge und mehr. Denn für die aus Deutschland, den Niederlanden, Sri Lanka und anderen Ländern stammenden Katholiken und Hindus ist die Marienwallfahrt immer etwas ganz Besonders.

"Wir kommen wegen der Feier und der Kirche bereits seit sechs Jahren hierher und es ist jedes Mal schön", erinnerte sich Rumesh Vimalendran aus Stuttgart. "Wir fahren früh los, suchen uns ein Hotel zum Übernachten, und heute am Samstag ist es dann wie ein großes Familienfest." Seine Schwester Milaani führte weiter aus, "dass es ein tolles Wiedersehen mit vielen Menschen ist, die man sonst selten oder gar nicht sieht. Dann ist da natürlich auch noch der religiöse Aspekt, mit dem man sich sonst vielleicht nicht so sehr beschäftigt." Was ist bei all dem die größte Erinnerung, die sie immer mit der Wallfahrt nach Kevelaer verbinden? Milaani Vimalendran schmunzelte: "Es gehört auf jeden Fall dazu, dass man stundenlang Schlange steht, um schließlich traditionell eine Kerze aufstellen zu können." Dieses Jahr fand zudem die 30. Wallfahrt statt. Die beim letzten Besuch der Tamilen in der Marienstadt bereits angekündigten Überraschungen und Aktionen fanden, abgesehen vom Verkauf spezieller Jubiläumskerzen, nicht statt. Laut Organisatorenteam wollte man sich lieber auf das konzentrieren, was bislang immer zum Gelingen des Festes beitrug: die Sicherheit und die richtiggehend familiäre Atmosphäre. Bereits im letzten Jahr wurde ein neues Sicherheitskonzept umgesetzt und auch dieses Mal war wieder zahlreiches Security-Personal vor Ort. Den Tag über blieb es friedlich. Dennoch hatten die Aufpasser alle Hände voll zu tun, denn wie immer war in der gesamten Innenstadt so gut wie kein Parkplatz mehr zu finden. Die Autos waren oft so eng geparkt, dass die Security-Leute als Rausfahr-Helfer konsequent im Einsatz waren. Freitagnachmittag kamen über 1000 Tamilen bei einer großen Fußprozession in der Marienstadt an und am Samstag begann die eigentliche Wallfahrt. Vormittags fand im Forum Pax Christi der große Hauptgottesdienst statt mit Bischof Justin Gnanapragasam aus der Diözese Jaffna in Sri Lanka. Zudem waren knapp zwei Dutzend Priester anwesend. Während der Messe gab es tamilische Tänze zu sehen, die abermals die fantastische Farbenpracht der Kleidung der Wallfahrer vor Auge führten. Ein weiterer Hingucker war der große Markt, der traditionell auf dem Basilika-Parkplatz Tamilen wie Kevelaerer gleichermaßen anlockte. Von bunten Fruchtdrinks und leckeren Knabbereien, über prächtige Ketten und fein bestickte Gewänder konnte man dort viel entdecken.

Tausende Tamilen feiern Wallfahrt in Kevelaer FOTO: Gerhard Sybert

Nach einer Andacht am Nachmittag stellten sich der Bischof, die Priester und Hunderte Tamilen für ihre prunkvolle Prozession auf. Während dieses Höhepunktes der Wallfahrt wurde eine Marienstatue durch den Ortskern getragen. Am Nachmittag und Abend feierten noch viele der Besucher gutgelaunt miteinander, bevor sie am Sonntagvormittag bereits wieder den Heimweg antraten. "In den Zeiten, in denen Religion dazu benutzt wird, um Krawall und Gewalt zu erschaffen, ist es wunderbar, die Christen und Hindus hier zusammen zu sehen", meinte Bürgermeister Dominik Pichler. "Tage wie diese zeigen, dass es eben auch anders geht."

Quelle: RP
 
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