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Kevelaer
Faszinierendes und skurriles Duo

Kevelaer. "Wort & Tonschlag" präsentieren ihr neues Programm "Zittern Sie jetzt" in Kevelaer. Publikum hört von abgebrühten Kätzchen in Paris und Plastik verpönenden Kelten. Am Ende ein zum Nachdenken anregendes Ausrufezeichen. Von Anne Klatt

Ein Abend mit "Schwarzbrot in Paris", "Cage in Copenhagen" und einer schreckhaften Seekuh erwartete das Publikum im KUK-Atelier in Kevelaer am Sonntag. Das kreative Duo "Wort & Tonschlag", bestehend aus Max Pothmann und Daniel Wouters, präsentierte sein neues Programm "Zittern Sie jetzt".

Bevor es jedoch richtig losgehen konnte, gab es zunächst eine herzliche Begrüßung für das Publikum. Pothmann erinnerte sich an die Anfänge: "Vor sieben Jahren hatten wir hier in diesem Raum unseren ersten Auftritt." Wie eine Zeitreise war das Programm des Abends aufgebaut. Gab das Duo in der ersten Hälfte vor allem ältere Stücke zum Besten, stellten Pothmann und Wouters in der zweiten Hälfte des Programms neue Stücke vor.

Das Werk von "Wort & Tonschlag" ist so faszinierend wie skurril. Pothmann liest Texte, spielt mit Sprache und Stimme, während Wouters mit E-Gitarre und diversen elektronischen Spielzeugen wie Effekt-Pedalen Klangräume erzeugt, die mal die Texte untermalen und mal von den Texten getragen werden.

Und so lernt das Publikum, dass Eiskaffee im Idealfall eine lange Maccaroni als Strohhalm besitzt, denn "schon die Kelten haben Plastik verpönt", oder aber, dass "Pariser Kätzchen die abgebrühtesten der Welt" sind.

Höhepunkt des Abends ist der Text "Zittern Affen". Während Wouters mit der E-Gitarre eine melancholisch angehauchte Stimmung aufbaut, liest Pothmann Sätze vor, die zwar unfertig und nicht vollständig sind, aber doch funktionieren und eine eindrucksvolle Wirkung haben. Was es mit diesem Text, der unter anderem von Wut, zweieinhalb Sekunden freiem Fall und einem Hund handelt, auf sich hat, löst Pothmann im Anschluss auf. Die "cut-up"-Methode, von Autoren wie Charles Bukowski oder Jörg Fauser gerne benutzt, macht aus einem Text durch Auseinanderschneiden und neues Zusammensetzen einen neuen Text. Die Wirkung der Methode wurde dem Publikum besonders klar, als Pothmann ihm den gleichen Text nochmal vorlas - im Original. Die Sätze waren neu und schienen doch bekannt, die Dramatik des Inhalts wurde umso deutlicher. Ein weiterer neuer, "nicht ganz sehnsuchtsfreier" Text, so Pothmann, folgte mit "Wo ist Dein Zimmer hin?". Der Erzähler stellt Fragen an einen alten Freund. Erinnerungen an vergangene, unbeschwerte Tage erfüllten das Atelier. Zum Finale nahmen die Künstler das Publikum mit in eine Welt der "Stille", eine Welt ohne Computer, Fast Food oder Hektik. "Sie unterhielten sich miteinander und erlitten lange Schweigepausen" las Pothmann. Er setzte damit ein stilles, zum Nachdenken anregendes Ausrufezeichen in den Raum.

Quelle: RP
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