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Kevelaer
Flüchtlinge haben Bedarf nach Austausch

Kevelaer. In Kevelaer trafen sich verschiedene Asylsuchende, Helfer und Projektleiter. Im Petrus-Canisius-Haus sprachen sie über weitere Möglichkeiten und Ideen, wie den neu ins Land gekommenen Menschen weiter geholfen werden kann. Von Christoph Kellerbach

Ulrich Hünerbein-Ahlers vom Runden-Tisch-Flüchtlinge (RTF) erklärte im Petrus-Canisius-Haus: "Heute Abend liegt der Schwerpunkt ganz auf der Flüchtlingsarbeit. Wir wollen Integrations-Projekte vorstellen, die bereits existieren, und hoffentlich weitere Leute bekommen, die uns mit neuen Ideen unterstützen."

Hilfs- und Kennenlernaktionen von Sprachtreffs bis hin zum gemeinsamen Fußballspielen und einer Kommunikationsstelle in der örtlichen Begegnungsstätte sind bereits vorhanden. Darüber hinaus sorgen eine Radreparatur, der Gemeinschaftsgarten Wurzelwerk sowie eine Kleider- und Möbelkammer für Unterstützung. Letztgenannte benötigen allerdings dringend noch jemand mit Anhänger.

Eigentlich sollte nach dem Vorstellen der bereits vorhandenen Projekte eben mit den neuen Ideen weitergemacht werden, doch es gab zahlreiche Wortmeldungen zu verschiedenen Sorgen und Nöten der nach Deutschland gekommenen Flüchtlinge. Pastor Rolf Lohmann erwähnte, dass Muslime, die sich nach Seelsorge und Gebetsmöglichkeiten sehnten, diese auch bekämen. Einige Leute fragten nach, wie man freie Wohnungen einfacher für asylsuchende Menschen bereitstellen könnte und wie die Haftpflicht Probleme regeln würde. Darauf antwortete Heinz-Josef Theunissen, der Mitarbeiter der Stadtverwaltung und Flüchtlingskoordinator, dass die Mietverträge über das Gebäudemanagement laufen. Ein Flüchtling regte an, Treffen abzuhalten, um mehr über die deutsche Kultur zu lernen und sich so besser integrieren zu können, während ein weiterer sich frustriert zeigte, dass nach acht Monaten im Land zwar sein Freund von den Ämtern bereits bearbeitet wurde, er selbst aber noch warten müsse. "Ich verstehe, wie frustrierend das sein muss", vermittelte Gudrun Blumenkemper von der örtlichen Caritas, "aber wir wissen nicht, nach welchem System so etwas abläuft, wenn es denn überhaupt ein System gibt."

Gegen Ende des gut zweitstündigen Abends stellte Susanne Kehrbusch ihr "Patenschaften"-Projekt vor und erklärte, dass kulturell die zumeist aus Großfamilien und Diktaturen stammenden Einwanderer wenig Eigenverantwortung gelernt hätten, was es ihnen teils unmöglich mache, Aktionen selbst zu übernehmen. Etwas, weswegen unbedingt Führung erforderlich sei, um diesen Menschen die Integration zu ermöglichen.

"Und die Fragen waren an dem Abend schließlich so umfangreich, dass wir am Ende zeitlich nicht mehr alles geschafft haben", erklärte Ulrich Hünerbein-Ahlers abschließend. "Deshalb haben wir uns intern beim RTF schon gesagt, dass wir so ein Treffen auf jeden Fall noch einmal abhalten wollen, denn der Bedarf nach Austausch ist ja offensichtlich da."

Quelle: RP
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