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Kevelaer
Fortsetzung der Orgeltage mit Bruckner-Symphonie

Kevelaer. Eberhard Klotz' Bearbeitung der Symphonie Nr. 9 d-moll für Orgel solo macht Bruckners letztes großes symphonisches Werk für Konzertaufführungen zugänglich. Der aus Basel stammende Organist Thilo Muster brachte das große Orgelwerk im Rahmen der Internationalen Orgeltage in der Marienbasilika zur Aufführung. Anton Bruckner hat keinem Geringeren als "Dem lieben Gott" seine letzte, unvollendet gebliebene Neunte Symphonie zugeeignet. Eberhard Klotz' kongeniale Orgelbearbeitung besteht aus dem ersten Satz mit der für Bruckner ungewöhnlichen Doppelbezeichnung "Feierlich, misterioso", dem zweiten Satz mit einem "Scherzo" und einem "Trio" und dem elegischen "Adagio", dessen Tubensatz der Komponist als klingenden "Abschied vom Leben" aufgefasst wissen wollte. Von Udo Spelleken

Knapp 50 Zuhörer erlebten in den drei Themen des ersten Satzes eine strahlende, majestätisch wirkende Göttlichkeit mit dynamischen Höhepunkten in Fortefortissimo und in Stille vibrierenden Tremolos aus denen sich ein prägnantes Motiv mit plötzlichen, mächtigen Wendungen entwickelte. Muster verstand es, den lyrischen Teil über das menschliche Leben mit Liebe und Leidenschaft klanglich rhythmisch pulsierend in den Registern zu entfalten. Wunderbar weich, klangschön und organisch ergab sich eine wirkliche Interpretation im emphatischen Sinn. Im dritten Thema ging es rätselhaft um das "Weltliche", in dem sich im ständigen, sehnsüchtigen Wechselspiel zwischen Frage und Antwort ein neues, melodisches Motiv höher und höher schraubte.

Der zweite Satz, das Scherzo "Bewegt, lebhaft" war hinsichtlich seines formalen Aufbaus recht übersichtlich. Es dominierten die Holzregister, die sich, durch mehrere Tonarten geführt, mächtig ins Fortissimo erhoben und in einer ruhigeren Passage mündeten. Das langsame, feierliche "Adagio" zeigte Bruckners Kunst, Themen kontrapunktisch miteinander zu verweben, in Vollendung. Muster eröffnete ausgesprochen breit und markig und führte ruhig und mächtig zum ersten großen Ausbruch. Mit fließender Gestaltung erzeugte er klanglich etwas "Lebensmüdes" und schleppte seine Interpretation zäh in eine sich breitmachende Erschöpfung. Es entstand eine nicht mehr aufzuhaltende Fahrt in heftigen Dissonanzen gipfelnd zum Höhepunkt des Satzes hin, um dann in paradiesischen Klangbildern zu enden. Thilo Muster sorgte in seiner Darstellung von Bruckners "Neunter" für einen rundum ausgewogenen Registerklang von leuchtender Wärme und konturierter Klarheit. Choralhafte Würde und vehemente Klangwucht schaffte er vorbildlich zu vereinen.

INFO: Die Internationalen Orgeltage werden am Sonntag, 26. März, um 16.30 Uhr beendet. Zu Gast ist Organist Michal Kocot aus Krakau. Der Kostenbeitrag beträgt acht Euro (ermäßigt sechs Euro). Siehe auch www.basilikamusik-kevelaer.de.

Quelle: RP
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