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Kevelaer
Franz Moeselaegen blickt stolz zurück

Kevelaer: Franz Moeselaegen blickt stolz zurück
Franz Moeselaegen ist der Gründer der Metzgerei Moeselaegen. Zum Eisernen Meisterbrief gratulieren ihm sein Enkel Hans-Peter, sein Sohn Peter Moeselaegen und Kreishandwerksmeister Heinz Smets (v. l.). FOTO: Gerhard Seybert
Kevelaer. Der 93-jährige Metzger erhielt den Eisernen Meisterbrief. Vor 79 Jahren Lehre begonnen. Der Familienbetrieb stellt sich der Zukunft: Seit einigen Jahren verkauft die Familie zusätzlich Konserven im Laden und im eigenen Internetshop. Von Christian Cadel

Lehrlinge, die vor wenigen Wochen ihre Ausbildung begonnen haben, stehen noch ganz am Anfang. Der eine oder andere wird später seinen Meisterbrief hinten dranhängen. Wohl kaum einer kann sich aber vorstellen, irgendwann mal sein 65-jähriges Meisterjubiläum zu feiern.

Der Kevelaerer Franz Moeselaegen damals wohl auch nicht. Aber der 93-Jährige hat es geschafft. Seit 1950 ist er Metzgermeister. Nun erhielt er von Heinz Smets, Kreishandwerksmeister, den Eisernen Meisterbrief. "Das ist schon eine schöne Ehrung", sagte der Jubilar, der vor fast 80 Jahren seine Lehre bei Ludwig Tenhaef in Geldern als Metzger begann. "Dat saß irgendwie drin. Schon mein Onkel war Metzger", erklärte Moeselaegen und schwelgte bei der kleinen Feierstunde im heimischen Betrieb an der Hauptstraße in Erinnerungen. "Mein Vater hatte an gleicher Stelle eine Konditorei, meine beiden Brüder waren Bäcker, sind dann aber später im Zweiten Weltkrieg gefallen. Ich selbst war einige Monate lang in französischer Gefangenschaft in der Normandie." Aber der damals 23-Jährige ließ sich nicht aufhalten und verfolgte weiterhin seinen Traum vom eigenen Geschäft.

Im Jahr 1950 machte der Kevelaerer schließlich seinen Metzgermeister, heiratete seine Frau, die eine immense Stütze war, und baute mit ihr eine Familie und den eigenen Metzgereibetrieb auf. Sohn Peter, der in die Fußstapfen seines Vaters getreten ist, führt den Familienbetrieb mittlerweile seit 1992, auch Enkel Hans-Peter ist involviert.

"Bis 1980 haben wir hier auch noch selbst geschlachtet", sagt der 93-Jährige, der es sich trotz seines beachtlichen Alters nicht nehmen lässt, jeden Tag für ein paar Stunden im Laden vorbeizuschauen und mit anzupacken.

Vor allem sein Cordon Bleu genießt nicht nur einen exzellenten Ruf bei den Kunden, auch die Familie ist davon begeistert. Nur Rinderrouladen rollt Franz Moeselaegen nicht so gerne.

Dabei hält sich der 93-Jährige regelmäßig mit Gymnastikübungen fit. "Das mache ich schon seit zehn Jahren."

Obwohl der Fleischkonsum in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten zurückgegangen ist, ist die Metzgerei Moeselaegen an der Hauptstraße ein wahrer Kundenmagnet. Ein großer Unterschied zu früher bestehe aber, findet Franz Moeselaegen. "Früher sprachen unsere Kunden viel mehr Platt. Heute ist das nur noch selten der Fall. Das ist ein bisschen schade", sagte er.

Die Zeiten verändern sich eben. Und deshalb hat die Familie vor rund anderthalb Jahren ihren Laden und den angeschlossenen Gastronomiebereich komplett modernisiert.

Außerdem hinzugekommen ist eine Filiale in Geldern an der Issumer Straße. Das Kuriose: In eben diesen Geschäftsräumen hat Franz Moeselaegen vor fast 80 Jahren seine Metzgerlehre begonnen.

Seit einigen Jahren verkauft die Familie zusätzlich Konserven im Laden und im eigenen Internetshop. Die Kunden können unter anderem zwischen Suppen, Eintöpfen oder Currywürsten wählen. "Die Konserven sind echt gefragt", erklärt Enkel Felix Moeselaegen.

Opa Franz hilft hin und wieder auch beim Etikettieren. Zu tun gibt es nämlich genug. Ein Metzgermeister und Unternehmer bleibt man eben ein Leben lang.

Quelle: RP
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