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Kevelaer
Frust und Freude über das Heronger Depot

Kevelaer: Frust und Freude über das Heronger Depot
Rund 160 Hektar groß ist das ehemalige Bundeswehrdepot in Herongen. Es soll jetzt komplett der Natur zurückgegeben werden. FOTO: Seybert
Kevelaer. Nach dem Willen des Bundestags-Haushaltsausschusses soll die ehemalige Bundeswehrfläche Teil des Nationalen Naturerbes werden. Die Reaktionen der Kommunalpolitiker in Straelen sind gemischt. Von Michael Klatt

Teil des Nationalen Naturerbes soll das ehemalige Bundeswehrdepot in Herongen werden. Mit dieser Nachricht trat die SPD-Bundestagsabgeordnete und Umweltministerin Barbara Hendricks Ende voriger Woche an die Öffentlichkeit (die RP berichtete). Dieser Beschluss des Bundestags-Haushaltsausschusses ruft in Straelen gemischte Reaktionen hervor.

GO/Grüne sehen ihre Wünsche erfüllt. "Das ökologisch wertvolle Gebiet des Depots Herongen verbindet die Krickenbecker Seen mit der geplanten Grünbrücke in optimaler Weise. Es darf nicht durch eine Gewerbezone zerstört werden", so steht es in deren Programm.

Ratsmitglied Hans-Hermann Terkatz freut sich über die unerwartete Entwicklung: "Wir sind begeistert von dieser Entscheidung, die aus unserer Sicht der logische Schritt ist für ein Gelände, das eigentlich Teil eines Naturschutzgebietes ist. Nun kann auch die Grünbrücke über die A 40 endlich gebaut und das grüne Band entlang der Maas geschlossen werden."

Nach Einschätzung der Grünen könnte ein Gewerbegebiet, sofern notwendig, auch zwischen dem Bundeswehrdepot und der Autobahn 40 entstehen. Dort gebe es besser geeignete Optionen, die auch mit deutlich geringerem finanziellen Aufwand erschließbar seien.

Überrascht reagierte SPD-Fraktionsvorsitzender Falko Schuster. Er sei, ebenso wie die ganze Straelener SPD, nicht informiert gewesen. "Früher standen auf dem Gelände Panzer und Raketen, jetzt sind dort Naturschutz und Naherholung möglich, das ist mehr als erfreulich." Die Verbindung von Ökonomie und Ökologie gehe nicht verloren. Das ehemalige Depot werde ein wichtiger Teil der deutsch-niederländischen Grünbrücke und biete Möglichkeiten im Tourismus.

Als "Schlag ins Gesicht der Straelener Politik" bewertet Michael Traurig, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler, die Entwicklung. Man habe viel Arbeit und Geld in die Planung für das Depot gesteckt. Das sei ohne jegliche Vorwarnung mit einem Schlag zunichte gemacht worden. "Frau Hendricks hat uns nicht danach gefragt, was wir wollen", so Traurig weiter, der darauf hinwies, dass sich die SPD-Politikerin eigentlich für eine gemischte Nutzung aus Gewerbe und Natur einsetzen wollte.

"Jahrelang für nichts und wieder nichts geplant", nahm FDP-Fraktionschef Dirk Steiner Stellung. Bisher sei immer von einer zweigeteilten Nutzung, ökologisch und ökonomisch, ausgegangen worden. Die Chance für weitere Gewerbeflächen sei vertan, und das angesichts von vielen Anfragen von Unternehmen für dieses Areal.

"Ein Blick auf die Landkarte zeigt, welches Potenzial das Gelände bietet beziehungsweise geboten hätte", erklärte CDU-Fraktionsvorsitzende Britta Miltner. "Zum einen die Chance, den Biotopverbund zwischen dem Naturpark Schwalm-Nette und dem Naturschutzgebiet Straelener Veen herzustellen, zum anderen die Chance, die versiegelten Flächen und die bestehenden Gebäude einer moderaten gewerblichen Nutzung zuzuführen, schließlich liegt die Anschlussstelle des Gewerbegebiets Gartenbau an der A 40 nur etwa 400 Meter entfernt." Die Fläche sei ja nicht jungfräulich, spielt sie unter anderem auf Blindgänger und Munition aus dem Zweiten Weltkrieg an. Sie sei gespannt darauf, ob der Zaun um das Gelände verschwinde und wer denn die Kosten für die Untersuchung nach Blindgängern und Munition sowie deren Räumung bezahle.

Quelle: RP
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