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Dr. Dominik Pichler
"Gesamtkonzept für die Hüls fehlt"

Dr. Dominik Pichler: "Gesamtkonzept für die Hüls fehlt"
"St. Pauli hat mal gegen den FC Bayern gewonnen, meine Chancen gegen Herrn Stibi sind sicher besser." Dr. Dominik Pichler geht zuversichtlich in den Wahlkampf um das Bürgermeisteramt in Kevelaer. FOTO: Seybert
Kevelaer. Vor der Wahl am 13. September haben sich die beiden Bürgermeisterkandidaten in Kevelaer den Fragen der RP gestellt. Größtenteils sind diese ähnlich. Diesmal ist der Herausforderer Dr. Dominik Pichler (SPD) an der Reihe.

Auch Sie werden Wahlkampf machen. In anderen Kommunen treibt dieser inzwischen seltsame Blüten. So hatte ein Landratskandidat in Euskirchen angekündigt, sich selbst anzuzünden. Was halten Sie von solchen Aktionen?

Dr. DOMINIK Pichler Den Fall in Euskirchen kenne ich nicht. Aber so etwas ist natürlich völlig überzogen. Auch in den Nachbargemeinde Uedem gibt es ja mit Heinz Bömler einen Kandidaten, der einen recht ungewöhnlichen Wahlkampf macht. Aber Bömler ist nun mal der Puppenspieler, daher kann ich das da auch akzeptieren, eben weil es um die Person Heinz Bömler geht. Wichtig ist mir aber vor allem, dass im Wahlkampf nicht mit Dreck geworfen wird, sondern dass es sachlich zugeht. Und wie ich Dr. Stibi kenne, sieht er das genauso. Ich denke, dass wir beide einen fairen Wahlkampf führen werden.

Um nicht zu viele Themen aufzuzählen, würde ich mir eine Aussage von Ihnen wünschen, was für Sie die wichtigste Aufgabe in Kevelaer ist.

Pichler Es ist natürlich nicht ganz einfach, ein Thema herauszugreifen, weil das dann so wirken würde, als wenn andere nicht so wichtig sind. Aber klar ist auch, dass die Stadtentwicklung das Feld ist, das uns wohl am meisten beschäftigen wird. Es geht dabei um die Frage, wie unsere Stadt in zehn Jahren aussieht. Dabei geht es derzeit unter anderem um die Entwicklung eines Gesundheits- und Wellnessangebots mit einem Gradierwerk und einem Gesundheitszentrum auf der Hüls. Diese Entwicklung unterstütze ich, allerdings fehlt mir hier bislang ein Gesamtkonzept zur Entwicklung auf der Hüls. Eine andere Frage ist für mich, ob wir die Wirtschaftsförderung in Kevelaer nicht neu aufstellen müssen und ob über eine Neuausrichtung des Stadtmarketings nachgedacht werden muss. Aber wie gesagt, es gibt eine Reihe weiterer Themen, auch der soziale Bereich wird hier im Fokus stehen.

Den sozialen Bereich betrifft auch das Thema Flüchtlinge.

PICHLER Ich bin der Meinung, dass in Kevelaer hier eine Menge getan wird, vor allem über das Engagement des Runden Tischs. Auf die Zuweisungen haben wir als Kommune keinen Einfluss. Wichtig ist für mich aber auch, dass Flüchtlinge nicht zum Wahlkampfthema bei einer Bürgermeisterwahl werden.

Welche Bedeutung hat die Wallfahrt für die Entwicklung der Stadt?

PICHLER Die Wallfahrt ist nun einmal eindeutig das Alleinstellungsmerkmal der Stadt. Das zieht eine Menge Leute an. Die Besucher kommen sowohl aus religiösen wie aus touristischen Gesichtspunkten nach Kevelaer. Die Wallfahrt hat daher auch eine besondere Bedeutung, wenn es um Stadtmarketing und Ladenöffnungszeiten geht. Wichtig ist auch, dass Kevelaer zeigt, dass es außerhalb der Wallfahrt viel zu bieten hat, etwa das Ballonfestival.

Der Slogan der Stadt heißt "Unverwechselbar Kevelaer". Was macht Kevelaer unverwechselbar?

PICHLER Auch da ist natürlich die Wallfahrt zu nennen. Sie prägt die Stadt schon sehr. Zudem war es sicher ein großes Glück für Kevelaer, dass es im Krieg nicht zerstört wurde. Daher ist eine Menge an alter Bausubstanz erhalten. Auch das macht den Reiz hier aus. Man sollte Kevelaer nicht nur auf die Wallfahrt reduzieren. Daher kann ich auch mit dem Aufkleber "Weihrauchcity" nicht so viel anfangen. Ich habe diesen Aufkleber auch nicht am Auto.

Sollten Sie Bürgermeister werden, hätten Sie keine Mehrheit im Rat, wäre das ein Problem?

PICHLER Im Endergebnis ist es immer so, dass ein Bürgermeister in wichtigen Fragen eine Mehrheit finden muss. Deshalb gehört es dazu, dialogfähig zu sein. Die CDU wird sicher nicht in Jubel ausbrechen, wenn ich gewählt werden sollte. Aber ich bin sicher, dass ich auch mit der CDU gut zusammenarbeiten kann. Klar ist auch, dass manches, was man gerne ändern würde, nicht so einfach geht. Bei den Kindergartenbeiträgen bin ich bei den bestehenden Mehrheitsverhältnissen an die Entscheidung des Rates gekettet, auch wenn wir als SPD dagegen gestimmt haben.

Was macht Sie optimistisch, dass Sie die Wahl gewinnen?

PICHLER Mir ist natürlich nicht unbekannt, dass die CDU bislang immer gewonnen hat. Aber vor sechs Jahren hat Herr Dr. Stibi nur knapp gewonnen, im letzten Jahr hat die CDU dann die absolute Mehrheit verloren. Der Trend spricht für mich. Ich sehe eine realistische Chance. St. Pauli hat mal die Bayern geschlagen, meine Chancen sind sicher besser als die Chancen damals von St. Pauli. Ich sage: Bei Stibi weiß man, was man hat, bei mir gilt der Satz "entdecke die Möglichkeiten". Ich traue mir den Job zu, beweisen kann ich das aber erst, wenn ich im Amt bin. Wichtig ist, dass der Bürger eine Wahl hat. Wünschen würde ich mir eine gute Wahlbeteiligung.

Was machen Sie nach dem 13. September?

PICHLER Meine Frau und ich haben uns fest vorgenommen, in den Herbstferien mit den Kindern für ein paar Tage wegzufahren. Unabhängig vom Ausgang der Wahl. Wenn ich gewonnen habe, wartet viel Arbeit auf mich, ich muss dann innerhalb von sechs Wochen meine Kanzlei übergeben. Wenn ich nicht gewonnen habe, werde ich meine Wunden lecken und dann als Anwalt weitermachen.

DIE FRAGEN STELLTE SEBASTIAN LATZEL

Quelle: RP
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