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Kevelaer
Gutachten zu Vorwürfen gegen Heinrich Maria Janssen liegt vor

Kevelaer: Gutachten zu Vorwürfen gegen Heinrich Maria Janssen liegt vor
Bischof Heinrich Maria Janssen im Jahr 1982. FOTO: ap
Kevelaer/Hildesheim. Nach einem Jahr liegt jetzt das Gutachten zu den Missbrauchsvorwürfen gegen den früheren Bischof Heinrich Maria Janssen vor. Wie mehrfach berichtet, hatte ein Ministrant den Geistlichen beschuldigt, ihn missbraucht zu haben.

Janssen stammt aus Kleve-Rindern und wirkte von 1949 bis 1957 in Kevelaer, wo er auch Wallfahrtsrektor war. Der 1988 verstorbene Geistliche ist auch Ehrenbürger der Marienstadt, daher war der Fall hier aufmerksam verfolgt worden.

Zum Inhalt des Gutachtens macht das Bistum Hildesheim bislang keine Angaben. "Es ist das erste Gutachten solcher Qualität und Umfangs, das wir in Auftrag gegeben haben. Es ist sehr umfangreich und komplex, wir werden es uns jetzt ganz genau anschauen", sagt Volker Bauerfeld, Sprecher des Bistums Hildesheim.

Die Untersuchung des Münchner Instituts für Praxisforschung und Projektberatung (IPP) war vom Bistum Hildesheim im August 2016 in Auftrag gegeben worden. Sie soll die Missbrauchsvorwürfe gegen den früheren Hildesheimer Bischof Heinrich Maria Janssen sowie einen anderen Geistlichen, den pensionierten Priester Peter R., prüfen. Zudem soll sie klären, ob es gegen die Geistlichen weitere Hinweise auf sexuelle Übergriffe gibt.

"Der Wunsch des Bistums ist es, Klarheit zu bekommen, auch Klarheit für die Frage, wie man künftig mit solchen Fällen umgeht", sagt Bauerfeld. Untersucht wird in dem Gutachten auch, ob die Zahlung von 10.000 Euro an ein vermeintliches Opfer Janssens nach den Richtlinien der Deutschen Bischofskonferenz erfolgte. Für das Gutachten hatte das IPP auch einen öffentlichen Aufruf gestartet. Weitere mutmaßliche Opfer sollten sich melden, um auch diese Fälle zu prüfen. Ob sich Personen gemeldet haben, dazu machten weder das Institut noch das Bistum Angaben. Das sei Inhalt des Gutachtens. Es soll im Oktober öffentlich vorgestellt werden. Dass die Veröffentlichung jetzt noch so lange daure, liege an dem komplexen Thema.

Bischof Janssen wird vorgeworfen, in den Jahren 1958 bis 1963 einen Jungen sexuell missbraucht zu haben. Also nach der Zeit in Kevelaer. Das Bistum machte die Vorwürfe Anfang 2015 nach Recherchen des "Spiegel" öffentlich. Betroffenenverbände sprachen von mangelnder Transparenz. Das Bistum dagegen erklärte, das Opfer habe um Verschwiegenheit gebeten. Auch den Vorwurf einer Vorverurteilung des Bischofs wies das Bistum zurück. Angehörige des verstorbenen Bischofs hatten den Fall von einer Arbeitsgruppe untersuchen lassen. Diese hatte ein 16 Seiten umfassendes Dossier verfasst, das zu dem Schluss kommt, dass die Anschuldigungen gegen Bischof Janssen nichts als unbewiesene Behauptungen seien.

(zel)
 
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