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Weeze
Gute Ernte, aber sehr schlechte Preise

Weeze: Gute Ernte, aber sehr schlechte Preise
Landwirt Richard Janssen mit reichlich Kartoffeln, die wenig Geld einbringen. Der Preis ist im Keller. FOTO: Gottfried Evers
Weeze. Die Landwirte haben zum Teil sehr gute Erträge erzielt. 1,75 Euro gibt es aber nur zum Beispiel für 100 Kilo Kartoffeln. So wenig, dass sich Ernte und Verkauf kaum lohnen. Weizen bringt nur 18 Euro pro Doppelzentner (Vorjahr: 14 Euro). Von Anja Settnik und Peter Janssen

Kann sein, dass sich niederrheinische Rinder in diesem Herbst auf anderes Futter einstellen müssen. Denn durch das Überangebot an Kartoffeln sind die Preise derart im Keller, dass sich Ernte und Verkauf für die Landwirte kaum lohnen und mancher erwägt, sein Vieh damit zu füttern. "1,75 Euro bekommen wir derzeit von den Fabriken für 100 Kilo. Das ist eine Katastrophe - damit bekommen wir nicht einmal den Rodepreis raus", sagt Weezes Ortsbauer Johannes van Husen. Den Kühen will er die gehaltvollen Knollen dennoch nicht geben: "So eine Futterumstellung muss man sich gut überlegen. Und wenn man die Kartoffeln erst waschen muss, wird das auch wieder teuer." Zum Glück bereiten andere Feldfrüchte keine Sorgen: Zuckerrüben und Mais stehen sehr gut und sind auch noch so weit von der Ernte entfernt, dass das Wetter noch Zeit hat, sich wieder zu fangen.

Denn so gut die Vegetationsphase im Frühjahr auch begonnen hatte: Derzeit ist die Witterung ein erhebliches Problem. "Was jetzt nicht in der Scheune ist, droht auf den Feldern zu verfaulen", sagt der Vorsitzende der Kreisbauernschaft Geldern, Heinz Lax. Etwa 80 Prozent des Weizen hätten die Kollegen ggerntet. "Was aber jetzt noch auf dem Halm ist, kriegen wir nicht vom Feld, denn nach wochenlangem Regen können wir nicht mit schweren Fahrzeugen auf die Flächen." Für den schon keimenden Weizen bleibe nur noch die Verwendung in der Biogasanlage übrig. Das Stroh liege schon wochenlang im Regen und verliere seine Qualität. Da es generell aber knapp sei, werde es dennoch gekauft - als Einstreu für Kälber, Jungrinder oder Pferde. Auch der Grünschnitt, der in die Silage soll, bleibt liegen, weil die Fahrzeuge nicht auf die Felder können.

Der Uedemer Landwirt Richard Janssen (50) produziert vor allem Kartoffeln. Zu viele in diesem Jahr. "Die Händler lehnen dankend ab. Man könne sie derzeit nicht gebrauchen. Die Qualität ist gut, die Nachfrage nicht." Auch beim Weizen seien die Erwartungen übertroffen worden. Der Keppelner Landwirt erntet durchschnittlich 7,5 Tonnen Weizen pro Hektar. "In diesem Jahr habe ich zehn bis elf Tonnen vom Feld geholt", sagt der 50-Jährige. Doch sind auch beim Weizen die Handelspreise gesunken: von 18 Euro im Vorjahr auf jetzt 14 Euro pro Doppelzentner.

Sehr positiv sieht es bei Mais und Rüben aus. Wobei die Zuckerrüben, die reichlich Wasser getankt haben, durch wenig Sonne etwas weniger Zucker als in anderen Jahren entwickelt haben. Was sich dann wieder negativ auf den Preis auswirke, gibt Lax zu bedenken. Der Mais immerhin stehe sehr gut und habe noch vier Wochen Zeit bis zur Ernte.

Andrea Bahrenberg, Pressesprecherin vom Rheinischen Landwirtschafts-Verband, bestätigt die Ergebnisse: "Bei der Gerste haben wir gute Erträge. Der Raps liegt sogar noch zwei Prozent über dem des Spitzenjahres 2013." Allein beim Weizen wird im RLV-Gebiet mit zehn Prozent weniger Ertrag gerechnet. Doch gebe es regional starke Unterschiede, so Bahrenberg. Wer vom Unwetter verschont geblieben ist, konnte mehr ernten. Die Qualität des Getreides sei in diesem hervorragend , so die Sprecherin.

Unter Apfelbäumen sollte man derzeit besser nicht her laufen - die meisten hängen so voll, dass mancher Zweig kurz vor dem Abbrechen ist. Dass der Verbraucher sich angesichts der guten Ernteerträge am Niederrhein über günstige Preise freuen kann, bestätigt eine Sprecherin vom Vermarkter Landgard.

Quelle: RP
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