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Heimat genießen - in Kevelaer
Heimat mal exotisch: Strauße in Wetten

Heimat genießen - in Kevelaer: Heimat mal exotisch: Strauße in Wetten
FOTO: Seybert, Gerhard (seyb)
Kevelaer. Familie Jeuken hält die afrikanischen Laufvögel auf ihrem Hof. Nach ein bis zwei Jahren gehen die Tiere zum Schlachter. Im eigenen Laden werden unter anderem Straußenfleisch und Straußeneier verkauft. Von Christian Cadel

Groß, gefiedert und mit einer unbändigen Neugier stolzieren die Strauße durch ihr Areal in Wetten. In Wetten?, wird sich jetzt vielleicht so mancher fragen.

Normalerweise ist der afrikanische Strauß, wie der Name schon sagt, in Afrika beheimatet. In den vergangenen Jahrzehnten haben die Vögel ihren Weg aber auch nach Europa gefunden. Unter anderem auf den Hof der Familie Jeuken in Wetten. Seit 1992 züchten Clemens und Anita Jeuken die Tiere. "Zuvor hat mein Mann konventionelle Landwirtschaft mit Kühen und Schweinen betrieben. In Wachtendonk hat er damals erstmals Bekanntschaft mit Vogelstraußen gemacht und war gleich fasziniert", erzählt Anita Jeuken. Die Idee, Strauße auf dem heimischen Hof zu halten, wuchs und begann mit den Jahren zu reifen. "Wir haben erstmal klein angefangen. Viele Züchter machen den Fehler und wollen direkt ganz groß starten. Wir haben unseren Zuchtbetrieb langsam wachsen lassen", sagt Anita Jeuken. Und das zahlte sich auch aus.

Im eigenen Hofladen verkauft die Familie neben Straußenspeiseeiern, die bis zu anderthalb Kilo wiegen können, auch leere Straußeneierschalen, Federn sowie Straußenfleisch, das in den vergangenen Jahren immer begehrter wurde. Rund 30 Euro kostet das Kilo Steakfleisch. Filets sind geringfügig teurer. "Straußenfleisch kann man mit Rindfleisch vergleichen. Allerdings hat es einen leichten Wild-Touch. Das Besondere ist, dass Straußenfleisch sehr fett- und cholesterinarm ist", erklärt die Expertin. Auch in der Zubereitung gibt es kaum Unterschiede zu Rindfleisch. "Wichtig ist, dass man ein Straußensteak kurz und scharf anbrät, sonst wird es zu ledrig."

Mehrere Male im Jahr ist Schlupfphase auf dem Jeukenhof. Rund sechs Wochen dauert die Brutzeit. "In der Regel ist es so, dass ein Hahn mehrere Hennen hat. Alle Hennen legen ihre Eier in ein und das selbe Nest. Ab einer Anzahl von etwa 20 hören sie automatisch auf, Eier zu legen. Wir entnehmen die Eier dann und legen sie in eine Brutmaschine. Nach etwa zehn Tagen durchleuchten wir die Eier und schauen, ob sie befruchtet sind." Wenn die Baby-Strauße schließlich schlüpfen, ist das Expertenwissen von Familie Jeuken gefragt. "Die ersten Tage sind sehr pflegeintensiv. Wir müssen schauen, dass wir die Küken zum Fressen bringen. Nach etwa einem Monat ist dann aber alles überstanden", sagt Anita Jeuken.

Wenn die Vögel groß genug sind, dürfen sie auf die saftig-grüne Wiese, auf der sie grasen und fressen können. Bis zu zehn Kilogramm Gras pro Tag verspeist ein ausgewachsener Strauß. Familie Jeuken füttert mit einer Getreidemischung zu.

Nach ein bis zwei Jahren sind die Tiere dann soweit gewachsen, dass sie geschlachtet werden können. Dies lässt Familie Jeuken bei einem externen Schlachter erledigen. Wirklich viel bleibt aber nicht übrig. "Von einem ausgewachsenen Strauß bleiben rund 25 Kilogramm Fleisch übrig. Man muss bedenken, dass Strauße Flachbrustvögel sind, die nur wenig Fleisch ansetzen", erklärt Anita Jeuken.

Obwohl die Riesenvögel sehr robust sind und einiges wegstecken, gibt es eine Situation, in denen sie nicht mehr so cool sind. "Wenn Heißluftballons über das Gehege fliegen, geraten die Vögel in Panik. Das ist aber auch wieder schnell verflogen."

Dass Straußenfleisch irgendwann mal so populär wird, dass eine Massenhaltung in Deutschland notwendig wird, um die Nachfrage zu decken, kann sich Anita Jeuken nicht vorstellen. "Das meiste Fleisch kommt aus Afrika nach Europa. Hier in unserer Umgebung herrscht auch kein dramatischer Konkurrenzdruck", sagt sie. Soll heißen: Straußenfleisch wird wohl auch noch in Zukunft ein Leckerbissen für Gourmets bleiben.

Neben den afrikanischen Straußen hält Familie Jeuken auch noch andere exotische Tiere, wie Emus, Alpakas und Kängurus. Hinzu kommen einige Kühe, die aber nicht als Melkvieh dienen, sondern nur in Muttertierhaltung in den Ställen stehen. Auch die Zucht der vom Aussterben bedrohten Rinderrasse "Rotes Höhenvieh" liegt der Familie am Herzen - vor allem Clemens Jeuken. Er hat sogar einen eigenen Verein gegründet, der sich für die Zucht der seltenen Rasse einsetzt. Bei aller Liebe für das Rote Höhenvieh, die Faszination für die eigenen Strauße ist ungebrochen und wird auch noch lange anhalten.

Quelle: RP
 
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