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Kevelaer
Kabarettist Reiner Kröhnert macht die "Mutti" in Kevelaer

Kevelaer. Es war nicht viel los beim "Kabarett unterm Dach". Das Kulturbüro Niederrhein hätte noch mehr als das Doppelte an Karten verkaufen können. Für den Kabarettisten Reiner Kröhnert wurde deshalb großzügig bestuhlt. Bei seinem Programm "Mutti Reloaded" verband er schauspielerisches Talent mit intelligentem Wortwitz.

Seit mehr als zehn Jahren arbeitet sich der gelernte Schauspieler mit Mundwinkelwitzen und entsprechender Perücke an der Kanzlerin ab. Mit den Händen als Raute und die Augen himmelwärts gerichtet, war er nah am Original. Ihre Gesten enden in den Ellenbogen, die Oberarme bleiben fest an den Körper gepresst. "Ich bin die Mutti aller Flüchtlinge. Wer an meine Türe klopft, dem wird aufgemacht. Es gibt keine Obergrenze, außer für Edward Snowden."

Die neue Mutti-Weltordnung kommt gewaltig, nach dem Motto "Wenn ich eine Wand auf mich zukommen sehe, dann bremse ich und wende". Und selbstverständlich ist eine umsichtige Mutti auch bereits an Situationen angepasst, die noch gar nicht stattgefunden haben.

Der glänzende Parodist hatte sich eine illustre Schar weiterer Promis eingeladen. Stimmliche Veränderungen, typische Körperhaltungen, Gesten oder Augenaufschläge ließen das Publikum in Sekundenbruchteilen erkennen, in welche Person er gerade geschlüpft war. Mit wenigen treffenden Sätzen arbeitete Kröhnert die Charaktere seiner "Opfer" heraus. In rasender Geschwindigkeit wechselte er die Rollen, inszenierte Zwiegespräche, kleine Sketche, demontierte gekonnt so manche Fassade von Politikern, Schauspielern oder Sportlern. Außer Mutti Merkel mischten mehr als 20 weitere Persönlichkeiten mit.

Salbungsvoll verkündete Joachim Gauck, dass es im Krieg nicht wie auf einem Kindergeburtstag oder Ponyhof zugehe. "Das Leben ist kein Picknick, kein Wunschkonzert und kein Zuckerschlecken."

Und alle diese Sachen kann Gauck ausführlich erklären: "Ich habe in meinem Leben schon an vielen Kindergeburtstagen teilgenommen." Schäuble fühlte sich wie Wolfgang, der Drachentöter, und schimpfte auf Varoufakis, dessen Name wie die Beilage auf einem griechischen Vorspeisenteller klinge.

Michel Friedman und Rüdiger Safranski talkten in "Der Intellekt hat viele Gesichter" mit philosophischen Größen wie Boris Becker, Dieter Bohlen und Daniela Katzenberger. Köstlich, wie Kröhnert die drei Altvorderen Hans-Dietrich Genscher, Hans-Jochen Vogel und Rita Süßmuth die heutige Politik analysieren ließ.

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