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Dr. Axel Stibi
Keine Stadtentwicklung ohne Wallfahrt

Dr. Axel Stibi: Keine Stadtentwicklung ohne Wallfahrt
Die wichtigste Aufgabe in Kevelaer sieht der Bürgermeister auf der Hüls. Hier soll das Themenfeld Gesundheit mit dem Gradierwerk und dem Ärztezentrum entwickelt werden. FOTO: Markus van Offern
Kevelaer. Vor der Wahl am 13. September haben sich die beiden Bürgermeisterkandidaten in Kevelaer den Fragen der RP gestellt. Größtenteils sind diese ähnlich. Den Anfang macht der Amtsinhaber Bürgermeister Dr. Axel Stibi (CDU).

Auch Sie werden Wahlkampf machen, in anderen Kommunen treibt dieser inzwischen seltsame Blüten, so hatte ein Landratskandidat in Euskirchen angekündigt, sich anzuzünden. Was halten Sie von solchen Aktionen?

Dr. Axel Stibi Wenn jemand meint, auf diese Weise ein Wahlkampfmotto ("Feuer und Flamme") unterstreichen zu müssen, halte ich das für eine völlig überzogene Effekthascherei. Unangebracht erscheint mir auch, Politik und Verwaltung, um die sich ein Bürgermeister oder Landrat verantwortungsvoll zu kümmern hat, als Puppen- oder Kasperletheater zu bezeichnen. So etwas wird der Bedeutung der Aufgaben im Amt nicht gerecht.

Glauben Sie denn, dass die Bürger da unterscheiden oder sich nicht doch eher von einer solchen Art von Wahlkampf ansprechen lassen?

Stibi Ich bin fest davon überzeugt, dass der Wähler schon sehr genau zu unterscheiden weiß. Es mag einige Menschen geben, die sich durch solche Aktionen einfangen lassen. Die große Mehrzahl erwartet - völlig zu Recht - einen seriösen Wahlkampf mit klaren inhaltlichen Aussagen zu den Aufgaben, die angepackt werden sollten.

Eine klare Aussage wäre etwa, was Sie als die wichtigste Aufgabe für Kevelaer ansehen.

STIBI Es gibt natürlich eine ganze Menge Aufgaben, um die wir uns in Kevelaer kümmern müssen. Wenn ich eine herausgreifen soll, dann nenne ich hier das Themenfeld der Gesundheit. Die Entwicklung eines Gesundheitszentrums auf der Hüls unter Nutzung der Thermal-Sole-Quelle halte ich für eine große Chance zur Entwicklung unserer Stadt. Eine sehr gut passende Ergänzung zur Jahrhunderte alten Wurzel Kevelaers - der Wallfahrt. "Gesundheit an Leib und Seele" wäre hier das richtige Stichwort. Den hin und wieder geäußerten Einwand, dass diese Entwicklung als Schädigung der Innenstadt zu bewerten ist, halte ich für nicht gerechtfertigt.

Warum?

Stibi Weil es immer die erklärte Zielsetzung war und bleibt, das, was auf der Hüls entstehen soll, an die Innenstadt anzudocken. Im übrigen ist auch völlig klar, dass wir uns intensiv und unmittelbar auch um die Innenstadt zu kümmern haben. Hier befinden wir uns ja gerade auf dem Weg der Erstellung des Integrierten Handlungskonzeptes, zu dem wir noch in diesem Jahr einen Förderantrag stellen wollen. Eindeutig im Vordergrund stehen dabei die Plätze unserer Stadt mit dem besonderen Fokus auf den Peter-Plümpe-Platz und den Kapellenplatz.

Welche Bedeutung hat die Wallfahrt für die Entwicklung der Stadt?

STIBI Es entspricht meiner Überzeugung, dass Stadtentwicklung für Kevelaer ohne Einbeziehung der Wallfahrt nicht möglich ist. Wenn dies als Ausgangslage nicht berücksichtigt wird, würde an dem Ast gesägt, auf dem wir schon so lange sitzen und auf den wir stolz sein sollten. Auf diesen besonderen Aspekt müssen wir - zum Beispiel auch im Rahmen von Förderszenarien - immer wieder hinweisen.

Wie sieht es mit dem Thema "Flüchtlinge" aus?

STIBI Angesichts der Zuweisungszahlen gibt es aktuell kein Thema, das uns in der Verwaltung mehr beschäftigt. Es ist eine gewaltige Aufgabe, sich um die Menschen zu kümmern. In der Verwaltung sind eigentlich alle Fachbereiche damit intensiv befasst. Der "Runde Tisch" leistet hier im Rahmen seiner Möglichkeiten hervorragende ehrenamtliche Arbeit. Wichtig ist mir, dass das Thema im Interesse der Menschen nicht zum Wahlkampfgegenstand gemacht wird.

Der Slogan der Stadt heißt "Unverwechselbar Kevelaer", was macht Kevelaer unverwechselbar?

STIBI Dieser Slogan ist für mich klar positiv besetzt, weil viele Menschen stolz auf ihre Stadt sind. Der Slogan bringt die Identifikation mit der Heimatstadt zum Ausdruck. Sich ab und an mehr als nötig zu streiten, gehört wohl auch ein Stück weit dazu. Identitätsstiftend finde ich auf seine Art letztlich auch den Aufkleber "Weihrauchcity" mit dem alten Stadtwappen.

Sie sind der einzige Bürgermeister im Kreis Kleve, der nicht in "seiner" Stadt wohnt. Warum ziehen Sie nicht von Geldern nach Kevelaer?

STIBI Angesichts einer Distanz von etwa neun Kilometern halte ich die Wohnsitzfrage im Hinblick auf die reine Entfernung für irrelevant. Bezogen auf die Frage einer am Wohnsitz festgemachten Identifikation mit der Stadt sage ich: Es entspricht meiner Amtsauffassung, nah bei den Menschen zu sein. So arbeite ich seit elf Jahren. Mehr Präsenz und Identifikation mit den Menschen könnte ich auch nicht geben, wenn ich in Kevelaer wohnen würde.

Was machen Sie nach dem 13. September?

STIBI Eine Stichwahl kann es ja nicht geben. Ich bin zuversichtlich und hoffe, dass mir die Bürger am 13. September wieder mehrheitlich das Vertrauen schenken. Einen Plan B gibt es nicht. Ich möchte weiter als Bürgermeister für Kevelaer arbeiten.

DIE FRAGEN STELLTE SEBASTIAN LATZEL

Quelle: RP
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