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Kevelaer
Kevelaer erwartet 10.000 Tamilen

Kevelaer. Die Wallfahrt ist die größte in der Saison. Sie steht diesmal auch unter besonderer Beobachtung der Polizei. Denn Großveranstaltungen stehen nach den jüngsten Anschlägen im Fokus. Viele hoffen auf ein friedliches Glaubensfest. Von Sebastian Latzel

Von der allgemeinen Verunsicherung will sich Camillus Thuraisingham nicht beunruhigen lassen. "Natürlich hat man die Anschläge überall auf der Welt im Kopf, so etwas kann auch überall passieren. Aber wir wollen uns von der Angst nicht anstecken lassen", sagt der Tamile, der im Gemeinderat mitarbeitet und in die Organisation der Tamilenwallfahrt eingebunden ist. Ab Freitag werden wieder 10.000 Gläubige aus ganz Europa in Kevelaer erwartet. Nach den jüngsten Anschlägen hat die Polizei solche Großveranstaltungen besonders in den Blick genommen. "Wir haben unsere Einsatzkräfte an die allgemeine Sicherheitslage angepasst", sagt Polizeisprecher Manfred Jakobi. Das bedeutet, dass mehr Beamte als sonst unterwegs sein werden. Gleichzeitig wisse man natürlich, dass eine Wallfahrt eine besondere Bedeutung für die Menschen haben. Daher würden sich die Sicherheitskräfte im Hintergrund halten.

Für die Tamilen ist die Wallfahrt auch ein Familientreffen. "Das ist ein großes Wiedersehen, auf das sich viele das ganze Jahr freuen", sagt Thuraisingham. Freitag werden die ersten bereits in Kevelaer eintreffen. Dann wird es eine große Prozession vom Bahnhof zur Basilika geben. "Wir freuen uns besonders darauf, diesmal durch die Pforte der Barmherzigkeit ziehen zu können", sagt Thuraisingham. Auftakt am Samstag ist die Wallfahrtsmesse unter freiem Himmel um 10.45 Uhr im Forum Pax Christi. Bischof Noel Immanuel kommt extra aus Sri Lanka, um den Gottesdienst zu feiern. Mehr als 20 Priester feiern den Gottesdienst mit, an den sich eine prachtvolle Prozession anschließt. Dabei ziehen dann auch die festlich gekleideten Kinder mit, die in diesem Jahr zur Erstkommunion gegangen sind.

Sri Lanka ist die Heimat der Tamilen, die dort vor vielen Jahren vor dem jahrelangen Bürgerkrieg geflohen sind. Für sie ist die Wallfahrt zum Gnadenbild der "Trösterin der Betrübten" inzwischen der Höhepunkt im kirchlichen Jahreskreis.

In Deutschland leben gut 60.000 Tamilen. Zehn Prozent davon sind nach Angaben der Tamilenseelsorge Katholiken, 90 Prozent sind Hindus. Auch in Kevelaer werden wieder viele Hindus erwartet, die an den Niederrhein kommen, weil sie ebenfalls Maria tief verehren. Viele von ihnen werden daher auch wieder das Gnadenbild aufsuchen.

1987 fand die erste Tamilenwallfahrt statt. Damals mit gerade einmal 50 Teilnehmern. Inzwischen ist sie die größte Einzelwallfahrt in Kevelaer und ein logistischer Kraftakt für das Wallfahrtsbüro. Stadt, Polizei und Ordnungsamt sind eingebunden. Viele Ehrenamtliche helfen mit - vor allem bei der Ausgabe der Kerzen. Denn das Anzünden der Kerze hat für die Tamilen eine tiefe religiöse Bedeutung. Jeder Gläubige wird wieder zahlreiche Lichter entzünden, was den Kapellenplatz in ein besonderes Licht taucht.

Quelle: RP
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