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Kevelaer
Kräuter als Symbol für den Schutz durch Maria

Kevelaer: Kräuter als Symbol für den Schutz durch Maria
Hanni und Mechthild Jansen, Marianne Müdders, Margret Simmes und Hildegard Quick hatten Kräuter mitgebracht, die gesegnet wurden. FOTO: Thomas Binn
Kevelaer. Kräuterweihe mit Liederabend in der Bauernschaft Keylaer. Die Rheinische Post ging der Frage nach: Was sind die Hintergründe dieses Brauchtums? Was sind die Motive der Menschen dafür? Von Christoph Kellerbach

Der "Arbeitskreis Heimatfreunde Keylaer" hatte sich wieder viel Mühe gegeben, um am Samstagabend die diesjährige Heilige Messe mit Kräuterweihe samt anschließendem Liederabend vorzubereiten. Seit der 850-Jahr-Feier von Keylaer im Jahr 1994 findet das gemütliche Miteinander samt Gesang regelmäßig statt. Zehn Jahre später kam dann auch die feierliche Zeremonie in der Hubertus-Kapelle dazu.

Kaplan Hendrik Wenning sprach in seiner Predigt die Probleme der aktuellen Zeit an, "in der wir als Christen das Gefühl haben, unter das Rad zu kommen". Nach seiner Ansprache folgte schließlich die traditionelle Kräuterweihe: "Segnen wir die Kräuter, die den Schutz durch Maria symbolisieren. Durch die Heilkräuter schenkst du uns Gesundheit."

Doch woher kommt dieser Brauch der Kräuterweihe? Wenning erklärte nach dem Gottesdienst: "Der Legende nach, als Maria ihren irdischen Weg beendet hat, wurde sie von den Aposteln aufgebahrt. Doch als eben jene nach kurzer Zeit wieder den Raum betraten, war der Leichnam verschwunden und an seiner Stelle lagen Blumen und wohlriechende Kräuter." Er erklärte weiter: "Das ist dann schon die Verbindung zu Maria, denn Blumen und Kräuter sind eben dafür gedacht, das Leben zu erbauen und zu heilen. Wo man früher richtige Tinkturen aus den geweihten Kräutern gemacht hat, hat das Ganze heute mit der Medizin natürlich vor allem traditionellen und religiösen Wert. Ich selber habe eigentlich immer ein Bündlein mit verschiedenen Gewächsen bei mir im Wohnzimmer liegen."

Doch was genau in diesem Büschel drin ist, da war sich der Kaplan nicht sicher und verwies auf Maria Verhülsdonk, die auch bei den Festlichkeiten anwesend war. "Ich kümmere mich seit 30 Jahren um die Kräuter und dekoriere auch jedes Mal den Altar für die Kräuterweihen", erklärte sie. "Generell werden dafür Kamille, Minze, Schafgabe, Zinnkraut, Petersilie, Brennnessel, Liebstöckel und Bohnenkraut genommen. Das sind auch alles Kräuter, die ich selber zu Hause in der Küche verwende. Das eine ist gut für die Nieren, das andere einfach lecker." Doch nach 30 Jahren dachte sie auch daran, die Arbeit mit den Gewächsen mal anderen zu überlassen. Sie verriet schmunzelnd: "Das geht schon so weit, dass ich hier ,Kräuterhexe' genannt werde. Aber es gibt Schlimmeres und die Sache macht auf jeden Fall noch Spaß."

Viel Freude an dem Abend hatten auch die zahlreich erschienenen Bewohner Keylaers. "Denn egal, ob jetzt die Leute von hier kommen oder schon irgendwo anders wohnen - zum Liederabend sieht man sich eigentlich immer wieder", wusste Reinhard Peters vom sechsköpfigen "Arbeitskreis Heimatfreunde Keylaer". Das mit gut 40 Texten gefüllte Liederbuch ist seit der 850-Jahr-Feier ein fester Teil des Programms vor Ort.

Für den guten Ton bei der Feier sorgten Theo Janßen am Akkordeon, der auch einen Großteil der Lieder mit ausgewählt hatte, sowie acht Mitglieder der Jagdhorn-Bläsergruppe des Hegerings Kevelaer-Weeze.

Bis gut 24 Uhr wurde so rund um die Hubertus-Kapelle gefeiert und gesungen. Und natürlich hatten viele Besucher auch ein paar Kräuter in der Tasche, die sie nun in gesegneter Form das nächste Jahr begleiten sollen.

Quelle: RP
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