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Kevelaer
Leader scheitert fast an der Frauenquote

Kevelaer. Kuriose Situation bei der Gründungsversammlung für den Verein, der Projekte mit EU-Mitteln auf den Weg bringen soll. Es waren zu wenige Frauen als Mitglieder anwesend. Daraufhin musste man improvisieren. Von Sebastian Latzel

Die mehr als harmonische Versammlung zur Gründung des Leader-Vereins war fast vorüber, als es plötzlich etwas hektisch im Saal wurde. Die beiden Vertreterinnen der Bezirksregierung sahen sich im Raum um, zählten wohl im Geist durch und meldeten sich dann zu Wort. Sie baten darum, doch einmal genau auf der Mitgliederliste nachzuschauen, wie hoch der Frauenanteil bei der Mitgliederversammlung ist. Denn damit das Gremium beschlussfähig ist, sind 30 Prozent Frauen vorschrieben - das sieht das EU-Recht so vor. Und dem ist Leader unterworfen.

Also zogen sich einige Verantwortliche mit einer der Damen der Bezirksregierung zurück, um ganz genau die Listen durchzusehen. Am Ende stand offiziell fest, was mancher wohl schon ahnte: Die Frauenquote wurde verfehlt. Genau drei weibliche Mitglieder fehlten zur Beschlussfähigkeit. Drei Besucherinnen im Saal erklärten sich spontan bereit, noch Mitglied zu werden. Einige Herren boten an, auszutreten - eben damit die Quote stimmt. Am Ende war all das dann doch nicht nötig, weil ein formaler Weg gefunden wurde, der den ganzen Abend auf sichere rechtliche Füße stellte. Denn spontan wurde nach der Mitgliederversammlung eine Sitzung des Projektauswahlgremiums (PAG) eingeschoben. Das ist die Gruppe, die im Leader-Konstrukt eine besondere Bedeutung hat, weil sie die eingereichten Projekte sammelt, diskutiert und in enger Abstimmung mit der Bezirksregierung abklopft, was förderfähig ist. Auch im PAG gibt es eine Frauenquote, doch die war bei der Besetzung eingehalten worden. Ergo war dieses Gremium auch beschlussfähig und sorgte mit seiner Absegnung von Kostenrahmen und Regionalmanagement dafür, dass das Programm doch wie geplant starten kann.

Dass die vier Kommunen Kevelaer, Straelen, Geldern und Nettetal damit viele Hoffnungen verbinden, war an dem Abend im Konzert- und Bühnenhaus immer wieder betont worden. "Wir haben bewusst den Begriff ,Leistende Landschaft' gewählt. Das macht deutlich, dass wir nicht jammern wollen, sondern zeigen: Wir leisten was", sagte Hans-Josef Bruns, Wirtschaftsförderer aus Kevelaer. In der Region entstehe schon eine Menge an Wertschöpfung. Auch Ute Stehlmann, Gelderns Wirtschaftsförderin, wies darauf hin, dass gerade der Begriff "Leistende Landschaft" positiv bei der Bewerbung als Leader-Region aufgefallen sei. "Das Kürzel ,Leila' ist schon bekannt", erläuterte sie. Das Wort "Leistende Landschaft" verbinde Raum und Landschaft, Mensch und Umwelt sowie Gesellschaft und Kultur. "Sie orientiert sich an der Vergangenheit, gestaltet die Gegenwart und stellt sich gemeinsam auf für die Zukunft", heißt es in der Entwicklungsstrategie, die an dem Abend auch verabschiedet wurde.

Im Fokus stand wie bei jeder Vereinsgründung das Abarbeiten der Regularien. Zum Vorstand wurden Hans-Josef Linßen (Vorsitzender), Margret Voßeler (Stellvertreterin) und Wilfried Bosch (Schatzmeister) gewählt. Für Linßen, der Bürgermeister von Straelen ist, ist wichtig, dass es nicht darum geht, eine neue Verwaltungsstruktur zu installieren. "Es geht um wichtige Impulse für die Region, wir machen uns auf den Weg, um die Standortbedingungen zu verbessern und werfen dabei den Blick über die Gemeindegrenzen hinaus."

Nächster Schritt wird die Einrichtung des Regionalmanagements sein. Dafür werden 1,5 Stellen eingerichtet. Die Positionen sollen zügig ausgeschrieben werden.

Quelle: RP
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