| 17.08 Uhr

Kevelaer
Lebensfreude durch Glauben steigern

Kevelaer. Christoph Schwerhoff kommt aus dem Münsterland. Ab dem heutigen Donnerstag ergänzt er das Team von St. Marien.

Heute ist Ihr erster Tag als Kaplan in Kevelaer. Was musste auf jeden Fall beim Umzug mit? Christoph Schwerhoff Wenn ich auf die vielen Waschkörbe und Kisten schaue, ist es jede Menge. Als Erstes musste meine Espressomaschine mit. Und ich habe meinen Ohrensessel mitgenommen.

Was passiert mit dem?

Schwerhoff Ich lese sehr gerne darin. Mich interessieren Bücher, vor allem die Geschichten über die Wüstenväter. Das sind Männer, die zu Beginn des Christentums in die Wüste gegangen sind. Die Menschen kamen zu ihnen, um sie um Rat zu fragen.

Lesen Sie nur christliche Literatur?

Schwerhoff Ich lese zum Entspannen Krimis. Zuletzt habe ich auch Herr der Ringe gelesen, auch wenn ich mich erst geweigert habe.

Warum?

Schwerhoff Ich hatte mal mit Harry Potter angefangen. Spätestens als da eine sprechende Katze auftauchte, war für mich Ende. Das ist nichts für mich. Aber die Bücher von Herr der Ringe waren gut, besser als die Filme.

Sie sind erst vor kurzem, an Pfingsten, zum Priester geweiht worden. Kevelaer ist Ihre erste Stelle. Stand das so auf ihrem Wunschzettel?

Schwerhoff (lacht) Mein Ausbildungsleiter hat mich gefragt, wo ich hin möchte. Mir war das egal, ich habe gesagt, ich möchte nur einen guten Pastor haben. "Wir haben genau das getan, was Sie wollten", war die Antwort meines Ausbildungsleiters. So bin ich nach Kevelaer gekommen. Ich habe großen Respekt davor. Es ist meine erste Stelle und sie beinhaltet sowohl Gemeindearbeit als auch Wallfahrt.

Was sind Ihre Aufgaben als Kaplan?

Schwerhoff Die Messdienerarbeit wird unter anderem dazugehören, aber auch wenn in der Wallfahrt Jugendliche beteiligt sind, bin ich dabei. Aber meine Hauptarbeit ist in der Pfarrei. Dazu gehören die klassischen Aufgaben wie Taufen, Beerdigungen, Messen halten, Firmung, Erstkommunion und der Kontakt zu den Schulen.

Was wollen Sie den Jugendlichen sagen, warum der Glaube an Jesus Christus wichtig ist?

Schwerhoff Mir ist es wirklich wichtig, die Freude am Glauben zu vermitteln. Man kann ohne Glauben glücklich sein, aber die Lebensfreude und -qualität wird durch den Glauben enorm gesteigert. Das habe ich selbst erlebt.

Priester werden war nicht Ihre direkte Wahl?

Schwerhoff Ich habe erst eine Ausbildung zum Stadtinspektor bei der Stadt Borken gemacht. Am Ende der Ausbildungszeit kam die gute Nachricht, dass ich übernommen und verbeamtet werden könnte. Ich habe mir dann einen Monat Zeit erbeten, um zu überlegen und viel darüber zu beten: Was macht mich glücklich?

Wie kommt man auf so eine Idee? Waren Sie damals schon gläubig?

Schwerhoff Das ja, oder besser gesagt, mittlerweile schon. Ich bin ganz klassisch zur Erstkommunion gegangen, Firmung und Klosterschule. Ich konnte aber mit Kirche und allem, was dazugehört, nichts anfangen. Im Fernsehen habe ich eine Prozession gesehen und mich gefragt: Glauben die das wirklich? Ich war ein typischer Jugendlicher. Es war eine sehr distanzierte Zeit, in der ich versucht habe, anders glücklich zu werden.

Wie?

Schwerhoff Ich war nie der große Partytyp, aber es ging natürlich um die Suche nach einer Freundin, solche Dinge eben. In meiner Findungsphase nach meiner Ausbildung habe ich dann ganz bewusst einen Tag so gelebt, als ob ich Priester wäre, den anderen, als ob ich eine Frau suchen, heiraten und Beamter bleiben würde.

Wie sah das praktisch aus?

Schwerhoff Äußerlich war nicht so viel anders. An dem einen Tag habe ich bewusst feste Gebetszeiten eingeplant, an dem anderen Tag stand nicht meine Beziehung zu Gott an erster Stelle, sondern zum Beispiel das Treffen mit Freunden. Geholfen hat mir auch zu sehen, wie Wilfried Theising sein priesterliches Leben gestaltet. Das hat mir gefallen. Ich bin ein Kopfmensch und habe mich gefragt, was interessiert mich wirklich. Das ist der Glaube und die Frage, wie Leben gelingen kann.

Was steht heute an Ihrem ersten offiziellen Tag in Kevelaer für Sie an?

Schwerhoff Ich hoffe, noch ein paar von meinen Dingen auspacken zu können. Um 18.30 Uhr habe ich eine Messe zusammen mit Pastor Lohmann in der Basilika. Außerdem hoffe ich, die Leute kennenzulernen, mit denen ich im Priesterhaus zusammen wohne. Das Schöne ist, man wird in Kevelaer auch direkt angesprochen. Ich freue mich auf den Niederrhein.

Die Fragen stellte Bianca Mokwa.

Quelle: RP
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