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Kevelaer
Letzter Schultag für die Rektorin

Kevelaer: Letzter Schultag für die Rektorin
Suchbild: die Schulleiterin Marlies Hansen inmitten der Schüler und Kollegen der Wettener Grundschule. FOTO: Gottfried Evers
Kevelaer. Marlies Hansen verlässt die Grundschule Wetten. Nach vielen Jahren als Schulleiterin kann sie jetzt den Ruhestand genießen. Sie lobt vor allem, dass alles sehr persönlich und kollegial gewesen ist. Von Bianca Mokwa

Das Telefon klingelt. "Grundschule Wetten, Hansen", meldet sich Marlies Hansen. Nur noch bis zu den Ferien wird sie das sagen, dann geht die Schulleiterin in Ruhestand. "Man muss jeden Lebensabschnitt ganz bewusst machen", sagt die 63-Jährige über den Schritt aus dem Schulleben heraus. Sie gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge, und dennoch kann sie auf die Frage, wie sie sich ein Leben nach der Schule vorstellt aus vollem Herzen sagen: "Schön!" Ihr Mann habe das vorgemacht. Er war Schulleiter an der St.-Antonius-Grundschule in Kevelaer und ist vor dreieinhalb Jahren in Pension gegangen. "Es ist doch schön, wenn wir noch jung genug sind, vieles gemeinsam zu machen", sagt die 63-Jährige lachend und erzählt von den geplanten Aktivitäten, dem wunderschönen Garten, der vieler Pflege bedarf, gemeinsam draußen frühstücken und reisen, zum ersten Mal außerhalb der offiziellen Ferienzeit.

Mitnehmen wird sie in diesen neuen Lebensabschnitt Erinnerungen an eine sehr spannende Schulkarriere. Nach dem Studium machte sie als Lehrerin Station auf dem Klausenhof in Dingden, einem Ortsteil von Hamminkeln. "Straffällig gewordenen Jugendlichen bot sich dort die Möglichkeit, den Hauptschulabschluss nachzuholen", erklärt Marlies Hansen. "Da hat man ganz hautnah miterlebt, wie wichtig Bildung ist", erklärt die Schulleiterin. Sie spricht von Nachhaltigkeit, ein Schulabschluss war der Schlüssel für eine Ausbildung, der Anfang für eine positive Wende im Leben. Pädagogik und was die zu bieten hat, das ist immer ihr großes Thema gewesen. Der Klausenhof sei eine wichtige Erfahrung gewesen.

Von da ging es für sie beruflich zur Bonhoeffer-Grundschule nach Hamminkeln-Mehrhoog. Drei eigene Kinder sorgten für eine Pause, also Elternzeit. Ein Nähkursus brachte die Wende. Dort ärgerte sie sich über die Knopflöcher und erfuhr, dass an der Theodor-Heuss-Gemeinschaftsgrundschule Flüren (Ortsteil von Wesel) Lehrer gesucht wurden. "Tschüss Knopflöcher", sagt sie über den Tausch Nähkursus gegen Schulleben und atmet hörbar auf. "Ich hab' es auch vermisst." Zu ihrer "Einschulung", dem Wiedereinstieg ins Berufsleben, trug sie den selbst geschneiderten Blazer. Bis 2002 blieb sie. Danach war sie für ein Jahr Konrektorin an der Winnekendonker Grundschule. 2003 erfolgte der Wechsel an die Wettener Grundschule als Schulleiterin. "Ich genieße es, an der kleinen Schule zu sein. Es ist alles sehr persönlich, das ist schön mit den Kindern, im kollegialen Umgang und mit den Eltern", sagt Marlies Hansen glücklich. Kleine Schule heißt, 94 Schüler besuchen die Grundschule in Wetten. Die für ein Abschiedsfoto zusammenzutrommeln, ist kein Problem. Marlies Hansen taucht in die Schülerschar ein. "Wenn man Kinder ernst nimmt, kann man viel bewirken", sagt sie noch. Seit 1978 ist sie im Schuldienst gewesen. Nun wird sich einiges für sie ändern. Kein Wecker morgens, kein Telefon, an dem sie sich mit "Grundschule Wetten" meldet. Eines steht aber für sie jetzt schon fest, was sie nicht in ihrer neuen Freizeit macht: einen Nähkursus.

Quelle: RP
 
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