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Kevelaer
Lyrik und Musik in Kevelaer harmonisch-besinnlich vereint

Kevelaer. Ein "Buch der Klänge" scheint in sich ein Paradoxon zu sein. Als Teil des Konzertangebots im Rahmen des Kevelaerer Klaviersommers aber verliert es an Widersprüchlickeit. Denn am Sonntagnachmittag gestalteten der Kevelaerer Lyriker Robert Werner Stammsen, der Klarinettist Joachim Zapsky und der Kirchenmusiker Christian Franken gemeinsam eine besinnliche, musikalisch-lyrische Andacht in der Clemenskirche am Klostergarten. Von Elisabeth George

Dem Anlass und gleichzeitig dem Titel seines Gedichtbands "Buch der Klänge" entsprechend, kreisten etliche der von Stammsen selbst vorgetragenen Gedichte um das Thema "Musik". Letztlich die "Musik des Lebens", in der Konsonanzen, aber auch "Dissonanzen wie späte Orientierungsketten dem Hörenden im Ohre tanzen", die einerseits "so klar", aber andererseits doch "unsagbar" ist. Unsagbar wie all die genannten urmenschlichen Gedanken zu Liebe, Demut, Neid oder auch zum Schöpfertum Gottes und seiner Natur, die immer nur Annäherungen darstellen können. In "Die Sonette an Rilke" bezieht sich Stammsen in Inhalt und Form auf "Die Sonette an Orpheus" von Rainer Maria Rilke und stellt dessen Gedichten seine "Antwort" gegenüber. Auch aus diesem neueren Band trug der Lyriker im zweiten Teil einige Texte vor.

Christian Franken hatte einerseits den rein gottesdienstlichen, vor allem aber den überwiegenden Anteil der musikalischen Gestaltung der Andacht übernommen. So hatte er - passend zu Stammsens tiefgründigen Gedankengedichten - meist langsame Stücke oder Sätze ausgesucht, die dem Publikum Raum ließen, die Gedanken entlang eingängiger sinntragender Wörter und angenehmer Kantilenen schweifen zu lassen. Im Falle des "Adagio" aus dem Klarinettenkonzert in A-Dur, KV 622 von Wolfgang Amadeus Mozart sogar in direktem Bezug zum Gedicht "Musik - Hommage à Wolfgang Amadé Mozart". Wobei es insgesamt außerdem wohltuend war zu hören, wie sehr Franken und Zapsky, ein ausgezeichneter Kevelaerer Hobby-Klarinettist, einander wie selbstverständlich ergänzten, miteinander harmonierten.

Aber auch rein solistisch trat Franken auf. Im Anschluss an Stammsens "Klänge" spielte er Chopins "Regentropfen-Prélude" und später den ebenso bekannten Brahms-Walzer in As-Dur, op. 39. Mitreißend auch seine improvisierte "Meditation", die eindrücklich bewies, wie Nachdenklichkeit auch aufwühlen und doch ins "Vater unser" übergehen kann.

Quelle: RP
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