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Kevelaer
Mit Kunst für mehr Chancengleichheit

Kevelaer: Mit Kunst für mehr Chancengleichheit
Lea Brückner, Ilka Sulten, Veronika Brückner und Tatjana van Went (von links) inmitten der Werke sind begeistert von der Kreativität der Kinder und Jugendlichen. Die Kursgebühren wurden aus dem Erlös des Benefizkonzerts von Geigerin Lea Brückner und dem Pianisten Mark Kantorovic bezahlt. FOTO: Gottfried Evers
Kevelaer. Aus dem Erlös des Konzerts "Mit Klassik gegen Kinderarmut" wurden verschiedene Projekte finanziert. Die Initiatoren Lea und Veronika Brückner wollen weiterhin die Augen offen halten und sich engagieren. Von Bianca Mokwa

Alles fing mit einem kleinen Mädchen im Niersexpress an. Es war spät, viel zu spät für ein Mädchen dieses Alters, um unterwegs zu sein. Die Kleine sah hungrig aus, aber es schien auch keinen wirklich zu interessieren. Geigerin Lea Brückner saß mit im Zug. Für sie war es der Anstoß, gemeinsam mit dem Pianisten Mark Kantorovic ein Konzert gegen Kinderarmut in Kevelaer zu geben. 1500 Euro kamen dabei zusammen. Nun wurde das Versprechen eingelöst, mit dem Geld etwas für mehr Chancengleichheit in Kevelaer zu tun.

Finanziert wurden ein Kunstprojekt mit zwei Künstlerinnen und Ballett. In zwei Räumen der Öffentlichen Begegnungsstätte in Kevelaer wird unter dem Motto "DIY-O<Ohne dich läuft nichts" gepinselt, was der Farbtopf hergibt. "Ziel war, Geld zusammenzubekommen für Familien, die sich solche Projekte nicht leisten können", erklärt Mitinitiatorin Veronika Brückner. Die Gründe dafür sind in den Familie ganz unterschiedlich. "Wenn bei einer Familie mit drei Kindern eines zum Ballett, eines zur Musikschule geht, dann bleibt für ein Kunstprojekt vielleicht kein Geld übrig oder manche haben gar nicht die Idee dazu", zählt Veronika Brückner mögliche Gründe auf. Mit dem Geld aus dem Konzert sollen aber gerade die talentierten Kinder zum Zuge kommen. Durch Empfehlung von Kollegen aus dem Schulzentrum, unabhängig von der Schulform, setzen sich die Teilnehmer zusammen, erklärt Veronika Brückner. "Wir haben bewusst nach Talenten gesucht, und keinen, der keine Lust auf Kunst hat." Heißt: Keiner sollte zu seinem Glück gezwungen werden.

Das Glück, das liegt vor den Kindern in Form einer weißen Leinwand oder eines weißen Blatts Papiers. Keine leichte Aufgabe, weiß Künstlerin Tatjana van Went, die den Kursus mit den Elf- bis 13-Jährigen anleitet. "Wenn man vor einer weißen Leinwand steht, ist das wie das Erklimmen eines Berges", sagt die Künstlerin mit Atelier in Wetten. Viele seien an der Aufgabe gewachsen. Eigentlich waren in ihrem Kursus auch Jungs angemeldet. Aber die hätten sich nicht getraut. "Was schade ist, weil Kunst und Kreativität haben ja was mit unserem Leben zu tun", sagt Tatjana van Went. Das Erklimmen eines Berges eben. "Die Kinder trauen sich heute kaum noch etwas zu", sagt Veronika Brückner. Kreativität sei verloren gegangen. "Alles, was ich nicht gegoogelt habe, weiß ich nicht", beschreibt sie die Mentalität. Tatjana van Went spricht auch den Faktor Zeit an. "Es ist alles sehr schnelllebig. Beim Kunstprojekt steht keiner neben den Kindern und zeigt auf die Uhr." Eintauchen und Abtauchen in die Welt der Kunst war so möglich. Dabei sind bunte Porträts entstanden.

Bei den älteren Jugendlichen, die von der Gocher Künstlerin Ilka Sulten begleitet wurden, stand alles unter dem Motto "Visionen für eine neue Traumstadt". Bei den 14-bis 16-Jährigen trauten sich auch die Jungs. Einer malte eine Stadt, auf dem Hochhaus wächst ein Baum, ein Schnellrestaurant mit den bekannten gelb-roten Farben gibt es auch. Künstlerin Ilka Sulten ist begeistert.

Für Tatjana van Went ist das Kunstprojekt auch nach den geplanten vier Treffen nicht zu Ende. Sie setzt auf Nachhaltigkeit. Die jungen Künstler sind losgezogen und haben Gesichter in Kevelaer gesucht, Häuser, deren Türen wie Münder, Fenster wie Augen aussehen. "Den Blick schärfen" soll das Projekt, das bald auf Facebook erscheint und noch mehr Kevelaerer zum Mitmachen animieren soll, ihre Umgebung neu, in einem künstlerischen Licht zu betrachten.

Auch für Lea Brückner ist kein Ende in Sicht. Nach der Benefizveranstaltung gegen Kinderarmut, und im Jahr davor für Flüchtlinge, will sie weitermachen. "Wo Hilfe nötig ist, und was sich mit Musik verbinden lässt", nennt sie die Bedingungen für eine nächste Benefizaktion. Die Ideen entstehen meistens zu Hause, gemeinsam mit ihrer Mutter. "Ich will nicht sagen, wir können die Welt besser machen. Aber wenn jeder sich engagieren würde, wären viele Probleme kleiner oder würden gar nicht entstehen", lautet deren Überzeugung.

Quelle: RP
 
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