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Kevelaer
Nach der Pension bald wieder zur Einschulung

Kevelaer: Nach der Pension bald wieder zur Einschulung
Dinge in großen Zusammenhänge setzen und erklären, das war immer ein Herzensanliegen von Schulleiterin Andrea Leurs. FOTO: Evers
Kevelaer. Auf den Knien hat Andrea Leurs eine Weltkugel. Umringt ist sie von einer Schar Viertklässler. Für Kinder und Lehrerin endet mit diesem Schuljahr die Zeit an der St.-Franziskus- Grundschule in Twistenden.

Die Viertklässler gehen auf die weiterführende Schule, ihre Schulleiterin in den Ruhestand. "Was ich als Erstes tue? Ich gehe zur Einschulung meines Enkels. Dafür habe ich dann Zeit", sagt die 63-Jährige. Denn so ein Leben ganz ohne Schule ist für sie nicht vorstellbar. Ziemlich früh waren in ihren Leben die Würfel für ihren Traumberuf gefallen. Der Entschluss fiel in ihrer eigenen Grundschulzeit. "Ich durfte eines Tages die Tafel putzen und ein Wort anschreiben, da war dieses Gefühl: ,Das möchte ich auch mal'", beschreibt Andrea Leurs den entscheidenden Moment. Ihr Referendariat hat sie an einer Grundschule absolviert, die Lehrerschwemme spülte sie allerdings nach dem Studium erst einmal an die Geschwister-Scholl-Hauptschule statt an eine Grundschule. "Ein Glücksfall", nennt die Kevelaererin die damalige Zuweisung. Unterrichtet habe sie "quasi alles", Englisch, Deutsch, Biologie, Geschichte und Schreibmaschine schreiben. "Ich hatte aber immer im Kopf: ,Irgendwann gehst du zurück an die Grundschule'." Wirklichkeit wurde das vor 28 Jahren, da kam sie an die Grundschule in Twisteden. Die kindliche Neugierde und die Begeisterungsfähigkeit ist das, was sie an den Grundschülern so sehr schätzt. Die damalige Schulleiterin Irmgard Wustmans wurde 1999 pensioniert und fragte Andrea Leurs, ob sie sich das Amt der Schulleiterin nicht vorstellen könne. Als das Schulamt auf die gleiche Idee kam, ergriff Andrea Leurs die Chance. "Den Schritt habe ich nie bereut", sagt sie. Ihre Vorgängerin Irmgard Wustmans sei zugleich ihr großes Vorbild. "Sie hat es geschafft, einen Schulgeist zu schaffen, geprägt von Warmherzigkeit und Struktur." Und dann sind da noch die Kollegen. "Auf dieses tolle Team bin ich stolz. Einer steht für den anderen ein." Die Elternschaft, die Dorfgemeinschaft, immer war das Zusammengehörigkeitsgefühl da. Sie wird nachdenklich, die Zeit des Abschieds wird ihr schmerzlich bewusst. "Man kann Schule verwalten, man kann auch Schule leben." Sie hat sich immer für das zweite entschieden. Das merkt man, wenn Andrea Leurs vom Ausflug mit den Schülern zum Weezer Flughafen erzählt, auf dem kurzerhand Arrival, Departure und andere englische Ausdrücke gesucht wurden, für anschaulichen Englischunterricht. Oder wenn sie begeistert von der Küche als Mathematiklabor erzählt, und wie sie ihren Enkel ein Viertelliter Milch abmessen lässt und dabei ganz unkompliziert Bruchrechnen erklärt. "Ja, man muss Kinder mögen", sagt sie über ihren Beruf und korrigiert: "Lieben, mögen ist zu wenig."

Der Abschied von der Schule, leicht fällt der nicht. An der Wand in ihrem Büro hat sie das Kölsche Grundgesetz hängen, das Geschenk einer Kollegin. "Habe keine Angst vor der Zukunft. Et kütt wie et kütt." steht dort. Sie nickt. Sie kommt aus dem Rheinland, ihre Eltern: Rheinische Frohnaturen. Sie werde das vermissen, die Teamarbeit, die Schüler. "Et kütt, wie et kütt", sagt sie.

(bimo)
 
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