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Weeze
Nachfolge gesichert

Weeze: Nachfolge gesichert
Barbara und Johannes Büsch mit ihren Nachfolgern Simone Schmitz und Daniel Schewe (v.l.). Die beiden waren zuvor per Rad durch die Welt gereist. FOTO: Evers
Weeze. Viele Höfe sterben, weil keine Nachfolger gefunden werden. Daher hat sich das Ehepaar Büsch früh gekümmert. Mit Erfolg: Nach einem Jahr Einarbeitung steigt ein junges Paar beim Biohof mit ein. Von Sebastian Latzel

Eigentlich ist der Landrat "schuld". Als Barbara Büsch sich daran erinnerte, dass Wolfgang Spreen Ärzte zu einer Tour durch den Kreis eingeladen hatte, um ihnen so Appetit auf einen Arbeitsplatz am Niederrhein zu machen, lud sie kurzerhand Simone Schmitz und Daniel Schewe zu einer Fahrradtour ein. Die beiden hatten nämlich Interesse signalisiert, den Biohof in Weeze zu übernehmen. Aber nach dem ersten Besuch hatte Simone Schmitz Zweifel. Für sie als Ostfriesin war Weeze dann eben doch schon zu sehr Süddeutschland.

Das Ehepaar Büsch ließ nicht locker und startete mit den beiden jungen Leuten zu einer Radtour durch die Massduinen. "Da haben sie gesehen, wie schön hier die Gegend ist und dass es auch viel plattes Land gibt", erinnert sich Büsch schmunzelnd. Kurze Zeit später stieg das junge Paar auf dem Hof in Weeze ein. Zunächst arbeitete es ein Jahr mit, jetzt erfolgt nach und nach die Übergabe. Der erste Schritt ist vollzogen: Simone Schmitz hat den Bioladen mit allem Drumherum von Barbara Büsch übernommen.

Dass die Fahrradtour die Lust auf den Hof geweckt hat, kann auch daran liegen, dass die beiden begeisterte Radler sind. Drei Jahre waren sie auf dem Rad durch die Welt gereist, hatten sich verschiedene Höfe angesehen und später per Anzeigen nach einem Hof gesucht, den sie übernehmen können.

Schmitz und Schewe per Fahrrad in der Salzwüste Salar de Uyuni in Bolivien. FOTO: DANIEL SCHEWE

Mehr als 50 Anfragen gab es. Schließlich fiel die Wahl auf das Anwesen in Weeze. Nach dem einen Jahr "Einarbeitung" steht für die beiden fest, dass es die richtige Wahl war. Man habe intensiv miteinander "gelebt" und gearbeitet und gemerkt, dass es passt. "Wir haben durch Barbara und Johannes viel Unterstützung, gleichzeitig wird uns viel freie Hand gelassen, unsere eigenen Ideen umzusetzen", sagt Daniel Schewe.

Eben das sei für ihn ganz wichtig. Er wisse von Bekannten für die es das große Problem war, dass die früheren Besitzer einfach nicht loslassen konnten und immer wieder reinredeten.

Das wollen Barbara und Johannes Büsch auf jeden Fall vermeiden. Ohnehin hat sich das Paar ungewöhnlich früh zu dem Schritt entschlossen, Nachfolger zu suchen. "Viele machen das erst, wenn sie im Ruhestand sind, doch das ist meiner Meinung nach zu spät", sagt Johannes Büsch. So können sie auf dem Hof noch mitarbeiten und sehen, dass ihr Lebenswerk fortgeführt wird. Daniel Schewe hat gerade die Herangehensweise gereizt, dass man mit dem Vorgänger noch mehrere Jahre direkt zusammenarbeiten kann. "Es ist eine wunderbare Chance für uns, von den beiden zu lernen."

Seit 1984 setzt das Ehepaar Büsch auf Bio und war damit ein Vorreiter in der Region. Heute hat sich der Betrieb längst einen Namen gemacht. Auf dem Hof werden 20 Mutterkühe und deren Nachzuchten gehalten. 1100 Hühner wandern in fünf Mobilställen über das Grünland des Hofes. Damit für alle auch genug Platz ist, haben sich Büschs jetzt ein Altenteil auf dem Hof gebaut. Auch die Eltern leben noch auf dem Hof, so dass es jetzt quasi ein Drei-Generationen-Haushalt ist.

Eben diese familiäre Atmosphäre schätzt auch das junge Paar, das sich inzwischen am Niederrhein eingelebt hat. Heimweh hat auch Simone Schmitz inzwischen kaum mehr. "Wenn man sich die Bäume wegdenkt, sieht es ja fast wie bei uns in Ostfriesland aus - nur ist es da ein bisschen windiger."

Der Betrieb stellt sich bei einem Hoffest am Sonntag, 27. August, von 11 bis 17.30 Uhr vor. Infos unter www.buesch-naturkost.de

Quelle: RP
 
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