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Kevelaer
Neuer Western-Titel für Irmi und Joe

Kevelaer. Im Alltag verkaufen sie Festkleidung, am Wochenende tragen sie Cowboyhut und Rüschenkleid: Irmgard und Jürgen Martens sind leidenschaftliche Westernschützen. Mehr als 50 Mal wurden sie schon Deutsche Meister. Von Anja Settnik

Wer sie zwischen ihren Partykleidern und Kommunionanzügen antrifft, vielleicht gerade bei der Beratung einer angehenden Braut, kommt eher nicht auf die Idee, dass diese liebenswerte Dame in gewissen Kreisen als "Hurricane Irmi" bekannt ist. Und doch: Irmgard Martens, die Gocher Geschäftsfrau, ist eine berüchtigte Revolverlady. Genauer gesagt: Sie und ihr Ehemann Jürgen, der in seiner Freizeit "Rhine River Joe" heißt, sind 50-fache Deutsche Meister im Westernschießen. Gerade erst haben sie ihre langjährige Siegesserie bei der internationalen Indoor Championship in Wegberg fortgesetzt.

Sie sind Cowboys ohne Pferd - der Reitsport spielt bei den westernbegeisterten Sportschützen keine Rolle. Obwohl die "SASS Germany", der Unterverband der Single Action Shooting Society USA, in Düsseldorf-Heerdt ein eigenes Westernfort betreibt, beschränkt sich das Engagement aufs Schießen - und auf das typische Drumherum. "Das eigentliche Schießen findet auch ausschließlich indoor statt", sagt Jürgen Martens, der ganz maßgeblich am Entstehen der deutschen Abteilung des Westernschießens mitgewirkt hat. "Ich habe im Jahr 2000 als damaliger Präsident der NRW-Sportschützen den Verband aufgebaut, zu dem heute diverse Vereine gehören. Einen Verband zu haben ist wichtig, um Meisterschaften ausrichten zu dürfen."

Die Gruppe, zu der Irmgard und Jürgen Martens gehören, hat am ganzen Niederrhein verteilt rund 50 Mitglieder. Beim jüngsten Vergleichskampf in Wegberg waren neun Schützen aus Goch dabei, darunter zwei "Ladys", wie die Akteure sagen, und sieben Cowboys. Fünf Durchgänge im Laufparcours standen an, zu schießen war mit zwei Revolvern, einem Repetier-Gewehr und einer Flinte. Maximal waren 30 Schuss pro Durchgang möglich. Chancen auf eine Platzierung hatte nur, wer zum einen das Ziel traf, zum anderen schnell war. Was offenbar auf die Wildwestler aus Goch zutraf.

"Bei uns wird immer in der Bewegung geschossen", erzählt Jürgen Martens, der leuchtende Augen bekommt, wenn er daran denkt, wie der Zeitnehmer nach dem "stand by" auf "are you ready" umschaltet - und dann der Piepser ertönt, der das Abdrücken erlaubt. "Erst mit dem Gewehr, dann mit der Flinte, zuletzt mit dem Repetiergewehr schießen wir auf Zielscheiben oder Metallplatten." Die niederrheinischen Westernschützen trainieren auf dem eigenen Schießstand in Bocholt, zusätzlich einmal im Monat in Wegberg. Auf dem Gelände in Düsseldorf treffen sie sich nur für die Geselligkeit. Die ist offenbar ganz besonders wichtig.

"Es ist einfach wunderbar, im richtigen Outfit miteinander am Lagerfeuer zu sitzen. Jeder von uns hat speziell angefertigte Kleidung und prächtige Holster. Unser Vereinsgelände verfügt über eine komplette Mainstreet, einen Saloon, einen Tanzsaal und eine mexikanische Bar; wunderbare Entspannung am Wochenende", versichert Martens.

Einmal im Jahr veranstalten die "Texas Rangers", wie der Unterverein in Düsseldorf heißt, ein Treffen für Indianer, Trapper und Cowboys, außerdem einen Tag der offenen Tür. Dann ohne Waffen, denn Sicherheit geht vor. Das verlangt auch die Aufsichtsbehörde.

Quelle: RP
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