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Kevelaer
Niers: Niedrigwasser trotz Dauerregens

Kevelaer: Niers: Niedrigwasser trotz Dauerregens
Ein kleiner Strand hat sich am der Innenstadt zugewandten Niersufer gebildet, gegenüber sind mehr Stufen der Nierswelle zu sehen als im Normalfall. Gerade mal 40 bis 45 Zentimeter tief ist hier das Wasser. FOTO: anja Settnik
Kevelaer. Gerade mal 45 Zentimer beträgt der Pegel der Niers derzeit in Goch, im Bereich Weeze sind es immerhin 75 Zentimeter. Der Regen der vergangenen Wochen hat sich auf den Wasserstand nicht niedergeschlagen. Paddeln weiter möglich. Von Anja Settnik

Gefühlt regnet es seit Wochen oder gar Monaten viel zu viel. Ferienkinder jammern, und auch wer in südlicheren Landesteilen Urlaub machte, kehrte meist mit langem Gesicht zurück. Doch während in Teilen Deutschlands Flüsse über die Ufer traten und Straßen überschwemmten, blieb der Niederrhein von solchen Einflüssen einmal mehr verschont. Die Niers scheint sogar ganz besonders wenig Wasser zu führen. Die RP fragte mal beim Niersverband an, wie das zu erklären ist.

Erstmal ein Blick auf den Ist-Zustand: Gerade mal 45 Zentimeter hoch steht das Wasser im Niederrhein-Flüsschen im Bereich Goch; 90 Zentimeter wären normal. An diesem Zustand hat sich seit Wochen kaum etwas geändert. In Weeze sind immerhin noch 75 Zentimeter zu messen, der Normalpegel beträgt dort 90 Zentimeter. Weiter im Süden sieht es anders aus: In Oedt bei Mönchengladbach, dort liegt das Quellgebiet der Niers, ist mit 72 Zentimeter Tiefe fast wieder das Mittelmaß erreicht.

In Goch hingegen bilden sich am Ufer bislang unbekannte Strände, die Enten watscheln mehr über Schlick, als dass sie schwimmen. Steine schauen aus der Wasseroberfläche heraus, zwischen Zweigen und Wurzeln sammelt sich grüner und anderer Unrat, weil das Fließwasser nicht mehr die Kraft hat, ihn weg zu transportieren. An der Nierswelle in der Innenstadt liegen alle Treppenstufen bloß; der Blick der Spaziergänger und entspannt am Ufer Sitzenden fällt unbegrenzt bis auf den nahen Grund des Flusses.

Frei liegende Steine und Schlick unterhalb der Niersbrücke. FOTO: Anja Settnik

Margit Heinz vom Niersverband erläutert, dass es zwar in den vergangenen Wochen viel geregnet hat, ausgerechnet im Einzugsbereich des Niersverbands aber wohl deutlich weniger. "Die Regenfälle waren auch immer sehr lokal; manchmal hat es ja in Kevelaer geschüttet und in Goch nicht oder umgekehrt", erklärt die Pressesprecherin des Verbands. Zudem würde im Hochsommer, also mitten in der Vegetationsperiode, viel mehr Wasser von den Pflanzen aufgenommen und verdunste auch. "Das ist im Winter anders, da fließt das Wasser, ohne verbraucht zu werden." Die Renaturierungsflächen wiederum, die dem Fluss mehr Raum geben sollen, wirken sich nur bei Hochwasser auf den Wasserstand aus. "Wenn die Niers dann über die Ufer tritt und die Wiesen überschwemmt, bleibt für den Unterlauf weniger Wasser."

Während bei Starkregen im eher städtischen Bereich der Region Mönchengladbach mit seinem stark versiegelten Boden Wasser über die Regenwasserkanäle in die Rückhaltebecken geleitet wird, darf sich die Niers in unserer landwirtschaftlich geprägten Region hier und da ausbreiten. Wozu es derzeit, wie gesagt, keinen Anlass gibt, denn Wasser ist noch immer knapp. Mancher Eigenheimbesitzer hat das schon an seiner stotternden Gartenpumpe gemerkt - auch tief im Boden sinkt der Pegel.

Und die Paddler? Die können ihrem Vergnügen durchaus nachgehen. "Bislang sind alle Abschnitte zu befahren, wobei die Strecke Goch bis Kessel derzeit vielleicht nicht so zu empfehlen ist", sagt Ulrich Schwarz von Freizeit Schwarz in Weeze. Wenn eine Hitzeperiode ohne weitere Niederschläge käme, könnte es schwierig werden, aber ansonsten habe er noch keinen Kunden enttäuschen müssen. Die 20 Anbieter von Kanu- und Schlauchboottouren auf der Niers stellen ihre Boote samt diverser zusätzlicher Freizeitmöglichkeiten wie Grillen, Campen, Radfahren bis Ende September zur Verfügung. Auch, wenn's weniger Wasser gibt.

Quelle: RP
 
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