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Festival in Weeze
Gefangen im Parookaville-Stau

Parookaville 2017: Stau auf dem Weg zum Festival
Weeze. Die Anreise zum Festival wurde zum Horrortrip. Fans und Anwohner in der Region standen stundenlang im Stau. Von Sebastian Latzel

Morgens um 8 Uhr ist die Laune noch bestens. Peter, Marvin, Jonas und Tom verstauen bei Rees Zelte, Schlafsack und Proviant im Kombi. Die Jugendlichen starten zum Parookaville-Festival. Entfernung rund 40 Kilometer. "In zwei Stunden sind wir auf dem Zeltplatz", lautet die Schätzung der vier Jungs. Es geht bestens voran, über die Rheinbrücke nach Uedem, weiter Richtung Kervenheim. Alles ist frei.

An der Auffahrt Uedem steht der erste Polizist, lässt die Autos von der A 57 auf die Schloss-Wissener- Straße abbiegen. Die Stimmung steigt: Wenn das schon der ganze Stau war, kann es ja nicht mehr lange dauern, geht es genau dann durch den Kopf als die Rücklichter des Vordermanns rot aufleuchten. Mit einem Mal ist der Stau da. Nichts geht mehr.

Warteschlangen an den Eingängen zu Parookaville FOTO: Miserius

Nachdem die Autos zehn Minuten stehen, steigen die ersten aus. Auch die vier Jungs aus Rees verlassen den Wagen, nehmen Kontakt mit den anderen Fans im Stau auf. Aus den Lautsprechern der Autos dröhnt Musik, die Motoren sind aus. Stillstand pur. Ein Motorradpolizist kommt vorbei, rät allen, lieber umzudrehen und Nebenwege zu nutzen. "Alles ist dicht", sagt er. Trotzdem wendet kaum jemand.

Zu Fuß Richtung Zeltplatz

Auch die Gruppe aus Rees gab im Stau auf und lief zu Fuß zum Zeltplatz - satte vier Kilometer. FOTO: Latzel

Das Warten geht weiter. "Von hier noch fünf Stunden" haben Scherzkekse auf ein Pappschild an der Straße geschrieben. Noch lacht mancher darüber, 45 Minuten später dann nicht mehr. Denn der Wagen ist vielleicht zwei Kilometer vorangekommen. Auch auf der B9 ändert sich am Bild nichts, und der Willy-Brandt-Ring ist zu einem Riesen-Autofriedhof mutiert. Die ersten packen Zelte und Schlafsäcke auf kleine Bollerwagen. Locker ziehen sie an den langen Wagenreihen vorbei. Die Jungs aus Rees sind noch unschlüssig. Eine Stunde und 300 Meter weiter sind sie es nicht mehr. Alles wird unter den Arm gepackt, einiges auf ein anderes Auto verteilt. Zu Fuß und noch einigermaßen bei guter Laune geht es weiter Richtung Zeltplatz.

Die ist dagegen bei vielen Pendlern längst im Keller. Wer pünktlich zur Arbeit will und in dem Megastau gelandet ist, kann dem Chef schon mal 'ne Absage schicken. Keine Chance, hier durchzukommen. Das sorgt für dünne Nerven. Der eine oder andere macht seinem Ärger auch lautstark Luft. Parookaville hat für Ausnahmezustand auf den Straßen rund um Weeze, Goch und Kevelaer gesorgt. Im vergangenen Jahr hielt sich der Stau in Grenzen, diesmal hat er gigantische Dimensionen angenommen, selbst abends sitzen Fans noch im Auto.

Scherzkekse hatten ein Pappschild an der Straße auf gehängt. Nachher lachte keiner mehr drüber (links). Egal aus welcher Richtung die Fans kamen, sie landeten im Stau, wie hier an der Autobahnabfahrt Goch / FOTO: Latzel / Evers

"Die Leute haben nicht auf den Ratschlag gehört, erst mittags anzureisen", sagt Georg Koenen vom Weezer Ordnungsamt. Alle Straßen seien voll. "Aber alle sind friedlich und nehmen die Wartezeit recht gelassen auf", sagt er. Natürlich sei das ärgerlich für Leute, die andere Ziele haben und in dem Megastau gefangen waren. Und wenn sich alles knubbelt, kommt es besonders dicke: Mitten in der großen Anreisewelle ereignete sich ein schwerer Unfall auf der A 57. Offenbar beim Auffahren an der Anschlussstelle Uedem kollidierten zwei Wagen, die sich nach Angaben der Polizei überschlugen und liegen blieben. Die Autobahn war lange komplett dicht. Auch hier saßen Parookaville-Fans über Stunden fest.

Quelle: RP
 
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