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Kevelaer
Pater Firas: "Ich bleibe, ich fliehe nicht"

Kevelaer: Pater Firas: "Ich bleibe, ich fliehe nicht"
Pater Firas (rechts) im Kriegsgebiet von Aleppo. Die Kinder liegen ihm besonders am Herzen. FOTO: APH
Kevelaer. Der Franziskaner besucht auf Einladung der Stiftung "Aktion pro Humanität" die Marienstadt. In einem Vortrag im Priesterhaus berichtete der Geistliche von seiner Arbeit in der zerstörten syrischen Metropole Aleppo. Von Antje Thimm

In der syrischen Stadt Aleppo - so zeigen es viele aktuelle Fotos - steht kaum mehr ein Stein auf dem anderen. Tiefgreifender als die Vernichtung der Gebäude ist die seelische Zerstörung der dort lebenden Menschen, insbesondere der Kinder. "Wo ist Gott?", fragen sie. "Er ist genau hier bei euch und leidet mit euch", lautet die Antwort eines Mannes, der bereits mehrmals in Aleppo als christlicher Seelsorger tätig war und ist.

Der Franziskanerpater Firas Lutfi ist in diesen Tagen zu Gast in Kevelaer und Münster, um über seine Erfahrungen in der zerstörten Stadt und seine Arbeit dort zu berichten. Auf Initiative der Stiftung "Aktion pro Humanität" von Dr. Elke Kleuren-Schryvers konnten kurz vor Weihnachten in der Kirchengemeinde St. Marien in Kevelaer und durch ein Spendenengagement des Klever Unternehmers Bernd Zevens 40.000 Euro für die Menschen in Aleppo gespendet werden.

"Das Wort Schrecken reicht nicht aus, um die Lage zu beschreiben", sagte der designierte Weihbischof Rolf Lohmann, als er Pater Firas im Kapitelsaal des Kevelaerer Priesterhauses begrüßte. Im Blick auf die beinahe total zerstörte Stadt sei es um so erstaunlicher, wie der Ordensobere des St. Anthony's Convent in Aleppo es schaffe, den traumatisierten Menschen, vielen Kindern, die ihre Eltern verloren haben, mit Gebet, Tat und materieller Hilfe zur Seite zu stehen und Zuversicht zu geben. "Wasser, Strom, Medikamente, Nahrungsmittel sind die vordringlichsten Bedürfnisse", berichtet Pater Firas. Von vormals 3,5 Millionen Einwohnern lebten in Aleppo aktuell nur noch 1,5 Millionen. Flucht oder Bleiben ist die oft gestellte Frage. "Ich gebe ehrlich zu, ich weiß nicht, was ich da raten soll", erklärt der Seelsorger. Fliehen sei auch eine finanzielle Frage. Seit die Kämpfe um Weihnachten 2016 zum Erliegen kamen, habe sich die Lage verbessert und es gebe viele Zeichen der Hoffnung. Besonders um die Kinder kümmert sich Pater Firas. Mitten in der Zerstörung konnte durch seine Initiative ein Schwimmbad wieder eröffnet, eine Nikolausfeier organisiert werden.

"Das ist das Beste für die Kinder, dass sie einmal lachen können und Spaß haben", so Firas. "Ich kann nicht zaubern, aber ich bin immer nah bei den Menschen und ihrem Leid. Wir beten viel und geben einander Kraft. Das ist auch eine Art Wunder." Er selbst lebt auch nicht ungefährlich. 2014 hat er mit einer Begräbniszeremonie die Dschihadisten provoziert. Fliehen oder Bleiben, auch für ihn selbst stellt sich manchmal diese Frage.

"Drei Dinge sind wichtig in Aleppo: Essen, Schlafen, Gehen. Ich bleibe, ich fliehe nicht", sagt der Franziskanermönch. Elke Kleuren-Schryvers unterstützt mit ihrer Hilfsorganisation weiter Pater Firas Arbeit. Auch in der St. Marien Gemeinde soll beim bevorstehenden Pfarrfest ein Viertel der Einnahmen nach Aleppo gehen und in die Projekte Nahrungsmittel, Medikamente, Notfallhilfe und Hilfe beim Wiederaufbau fließen.

Wer die Initiative unterstützen möchte, kann spenden: Stiftung pro Humanität bei der Volksbank an der Niers IBAN DE 39 3206 1384 4330 130011 BIC GENODED1GDL, Stichwort: Pater Firas.

Quelle: RP
 
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