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Kevelaer
Polizei jagt Scheunen-Einbrecher

Kevelaer. Diebe haben es derzeit auf landwirtschaftliche Betriebe abgesehen. Betroffen ist der ganze Kreis Kleve. Denkbar ist, dass eine Bande unterwegs ist. Gestern entkamen die Einbrecher nur knapp der Polizei. Von L. Köhnlein, M. Cattelaens und S. Latzel

In der Nacht zu gestern war die Polizei ganz nahe an den Tätern dran. Die Einbrecher waren gerade wieder in ein ländliches Anwesen auf dem Emmericher Eyland eingedrungen und wurden dabei von einem Anwohner beobachtet. Zufällig befand sich in der Nähe eine Polizeistreife, und die nahm die Verfolgung auf. Ein Polizeihubschrauber wurde zur Unterstützung angefordert. Die Verfolgungsjagd endete erst einmal in einem Maisfeld. Das Fluchtauto prallte nach einer Fahrt von etwa 150 Metern durch das Feld gegen einen Baum. Mindestens zwei Täter flüchteten.

Zumindest der Beifahrer hat sich bei dem Zusammenstoß verletzt. Auf der Beifahrerseite des Wagens, eines Opels mit "ST"-Kennzeichen, fanden sich später Blutspuren. Mehrere Polizeisuchhunde wurden zur Fahndung eingesetzt, die Bereitschaftspolizei kam zur Unterstützung dazu - bislang ist all das vergeblich geblieben.

Dabei hatte die Polizei die Hoffnung, mit dem Ergreifen der Täter eine beispiellose Serie von Einbrüchen aufklären zu können. "Dreist" beschreibt sehr treffend die Vorgehensweise der Verbrecher, die seit einiger Zeit in Serie zuschlagen und zahlreiche Bauernhöfe im ganzen Kreis Kleve heimgesucht haben. In den vergangenen Wochen registrierte die Polizei 31 Einbrüche in landwirtschaftliche Betriebe (siehe Grafik). Die Dunkelziffer dürfte weit höher sein, denn viele Delikte werden gar nicht gemeldet, weil die Landwirte den Aufwand scheuen oder sie nicht davon ausgehen, dass die Fälle aufgeklärt werden.

Für die Bauern sind die Folgen oft verheerend, weil die Straftäter auf nichts Rücksicht nehmen. Ein Beispiel: An der Rheinuferstraße im Emmericher Eyland irrten kürzlich Dutzende Kühe umher. Sie waren bei einem Einbruch in die Werkstatt eines landwirtschaftlichen Betriebes freigelassen worden: Die Täter hatten das Gatter der Kuhweide geöffnet. Die Tiere mussten vom Besitzer eingefangen werden.

In Weeze gab es vier Fälle von Scheuneneinbrüchen. In Achterhoek waren Täter sogar so dreist, an einem Abend gleich dreimal einzusteigen. Sogar ganz im Süden des Kreisgebiets registrierte die Polizei einen Fall, und zwar in Issum. Das Tatmuster ist immer gleich: Die Diebe haben es auf abgelegene Anwesen abgesehen, brechen in Werkstätten oder Scheunen ein und stehlen dort vor allem Werkzeug.

Ob es zwischen all den Fällen wirklich einen Zusammenhang gibt und einen "Scheunenbande" unterwegs ist, stehe nicht fest, gibt die Polizei an. Aber, so Sprecher Michael Ermers: "Es spricht einiges dafür, dass es sich um eine Tätergruppe handelt." Eine solche Häufung von Einbrüchen nach demselben Muster sei im Kreis Kleve ungewöhnlich. Dass die Kriminellen den Grenzraum nutzen, um sich anschließend ins Nachbarland abzusetzen, sei derzeit nur eine Mutmaßung, so der Polizeisprecher. Das Autokennzeichen "ST" (Kreis Steinfurt) deutet eher darauf hin, dass die Flüchtigen aus dem Münsterland gekommen sein könnten.

Die Behörde setzt auf Hinweise von Zeugen. Bei den Vorfällen in Achterhoek etwa hatten Bürger am Tatort einen verdächtigen weißen Lieferwagen beobachtet. Darin waren Personen unterwegs, die angaben, Dachrinnen reparieren zu wollen. Bei einem Einbruch in Louisendorf haben Anwohner einen schwarzen Opel Kombi gesehen. In diesem sollen zwei etwa 30 Jahre alte Männer gesessen haben. In anderen Fällen wurden ein weißer Mercedes Sprinter, ein silberfarbener und ein schwarzer Mercedes Vito gesehen. Obwohl die Beamten derzeit noch nicht wissen, ob alle Einbrüche auf das Konto derselben Täter gehen, kontrollieren sie derzeit nachts in ländlichen Bereichen solche Fahrzeuge. "Wir hoffen, dass da mal ein Treffer dabei ist und wir Diebesgut finden", sagt Sprecher Michael Ermers. Die Polizei empfiehlt eindringlich, gerade angesichts der aktuellen Einbruchserie, Scheunen und Werkstätten gut zu verschließen.

Diesen Rat erteilt auch Gerd Exner, Sprecher des Bundesverbands der Versicherungskaufleute, Region nördlicher Niederrhein. Er weist darauf hin, dass Landwirte nur Schadenersatz bekommen, wenn sie eine Zusatzversicherung haben. Ausschließlich die gewerbliche Inhaltsversicherung decke den Diebstahl von Betriebsinventar wie Werkzeugen, Geräten und Produktionsmitteln (etwa Saatgut und Erntefrüchten) ab. "Allerdings sollte man bedenken, dass nur der Zeitwert ersetzt wird", betont Exner. Für gestohlene landwirtschaftliche Fahrzeuge mit Kennzeichen komme die Teilkaskoversicherung auf.

Quelle: RP
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