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Kevelaer
Protest gegen den Schulbus-Wegfall

Kevelaer: Protest gegen den Schulbus-Wegfall
Die betroffenen Schüler der Gesamtschule Mittelkreis formulierten auf Plakaten ihren Protest. Bildlich trugen sie den Schulbus zu Grabe. Rechts Uedems Bürgermeister Rainer Weber. FOTO: Gottfried Evers
Kevelaer. Wenn Kinder aus Keppeln, Wemb oder Twisteden künftig mit dem Linienverkehrs zur Gesamtschule Goch müssen, könnten sie sehr lange unterwegs sind. Rainer Weber arbeitet an Lösungen und zeigt sich verhalten hoffnungsvoll. Von Anja Settnik

Die Entscheidung, den Schülerspezialverkehr zur Gesamtschule Mittelkreis in Goch aufzugeben und die Kinder stattdessen mit dem Linienverkehr fahren zu lassen, schlägt hohe Wellen. Zur jüngsten Sitzung des Uedemer Schulausschusses hatten betroffene Eltern eine kleine Demonstration organisiert: Die Schüler standen mit Kerzen und Plakaten vor dem Rathaus, in dem Rainer Weber Auskunft über den Sachstand geben wollte. Sie trugen bildlich ihren Schulbus zu Grabe. Und machten eindringlich auf die Gefahren aufmerksam, die sich daraus ergäben, künftig ohne Wartehäuschen im Dunkeln an einer Landstraße stehen zu müssen. Ein Mädchen fing bei dieser Aussicht sogar heftig an zu weinen.

Weber ist nicht nur Uedems Bürgermeister, sondern auch der Vorsitzende des Zweckverbands. Weil er damit eine wichtige Position innehat, fühlten sich auch Eltern und Kinder aus anderen Kommunen in Uedem am richtigen Platz, machten mit bei der Aktion und besuchten danach den Ausschuss. Michael Lehmann als CDU-Fraktionsvorsitzender bezog gegenüber der RP Stellung: "Ich bin enttäuscht von der Gocher Stadtverwaltung und auch von der Schulkonferenz, die offenbar nicht erkannt hat, wie groß das Problem ist", sagte er gegenüber der Rheinischen Post. Die Schulkonferenz war vom Schulverwaltungsamt über das Vorhaben informiert worden, von den Änderungen betroffen seien aber nur etwa zwei Prozent der Fahrschüler. Diese Zahl scheint nicht zu stimmen - aus vielen kleinen Ortschaften melden sich inzwischen Eltern, die auf ihre Kinder unzumutbar lange Schulwege zukommen sehen. Um sechs Uhr aus dem Haus, um vor acht pünktlich zu Unterrichtsbeginn in der Schule zu sein - das ist hart. Und an langen Schultagen wäre manches Kind erst gegen 18.30 Uhr zuhause.

Allein aus Keppeln sind 26 Kinder betroffen. Bislang hatten sie davon ausgehen müssen, über Kalkar nach Goch gebracht zu werden und vor dem Umsteigen 45 Minuten lang warten zu müssen.

Für die meisten von ihnen scheint sich eine Lösung abzuzeichnen, wenn die Niag sich denn für die Änderung entscheidet: Ein zusätzlicher Bus könnte die Keppelner direkt nach Goch und zurück bringen - ohne den Umweg über Kalkar. Das war den Eltern, die mit ihren Kindern protestierten, jedoch nicht klar; sie fühlten sich schlecht informiert. Das wiederum wollte sich Weber nicht vorwerfen lassen; er verhandele seit Wochen mit den Verkehrsträgern und sei zuversichtlich, für die meisten Schüler eine gute Lösung zu finden. "Vielleicht nicht für alle. Wie denjenigen, die zum Beispiel am Totenhügel wohnen, geholfen werden kann, wissen wir noch nicht." Für ihn sei aber klar, dass der Beschluss des Zweckverbands ausgesetzt werden müsse, wenn es keine befriedigende Lösung gebe. Ein ähnlich lautender Auftrag der SPD-Fraktion in einer Pressemitteilung sei überflüssig.

"Sie sind erst aktiv geworden, nachdem die Eltern sich gewehrt haben", schimpfte ein Vater. Weber erklärte, er sei der falsche Ansprechpartner. In Abwesenheit des Verbandsvorstehers Ulrich Knickrehm, Bürgermeister von Goch, habe er zwar intensiv mit den Verkehrsgesellschaften verhandelt, zuständig sei aber eigentlich die Stadt Goch.

Ihn wundere auch, dass die Schule die vorgetragenen Fakten in der Schulkonferenz nicht hinterfragt und beim Auftreten der ersten Irritationen keine Sitzung der Schulpflegschaft anberaumt habe. Familien aus Twisteden und Wemb, Keppeln und Huisberden sind in Sorge. Robin und Till aus Wemb etwa sollten mit dem Bus nach Weeze, dort in den Zug steigen und dann vom Bahnhof mit einem weiteren Bus oder zu Fuß bis zur Gesamtschule. "Da wäre ich jeden Tag drei Stunden unterwegs. Ich muss aber auch lernen und meinen Eltern mal auf dem Hof helfen - wann hätte ich da noch Freizeit?", fragt Till.

Inzwischen zeichnet sich ab, dass für die Schüler aus Weeze und Kevelaer der Airport-Shuttle einspringen könnte. Bürgermeister Weber glaubt, dass die meisten Fragen in ein bis zwei Wochen beantwortet werden könnten.

"Man fragt sich, ob die Stadt Goch Schüler von auswärts vielleicht nicht mehr will", deutete ein Mutter an - worauf Weber leicht schmunzelte und feststellte: "Das haben Sie gesagt." Der Schülerspezialverkehr kostet grundsätzlich den Schulträger eine Menge Geld.

Quelle: RP
 
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