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Kevelaer
Reformation: Katholiken auf der Kanzel

Kevelaer: Reformation: Katholiken auf der Kanzel
Pfarrerin Karin Dembek mit einem Playmobil-Luther und dem Motto für das Jubiläumsjahr der Reformation. 1517 hat Luther seine berühmten Thesen veröffentlicht. FOTO: Markus van Offern
Kevelaer. In Kevelaer startet das evangelische Jubiläumsjahr mit einer Predigt von Bürgermeister Dr. Dominik Pichler. Es endet mit Worten von Wallfahrtsrektor Rolf Lohmann. Zeitgleich feiert Kevelaer 2017 stolze 375 Jahre Wallfahrt. Von Bianca Mokwa

Das Playmobilmännchen, das Pfarrerin Karin Dembek nachdenklich in ihren Händen dreht, sieht ungewöhnlich aus. Es hält einen Federkiel in der Hand und auch sonst würde das Wort "antik" es ganz gut treffen. Wer genau hinschaut, erkennt, dass die Figur das alte und das neue Testament der Bibel in der Hand hält. Es soll Luther darstellen. Um den dreht sich alles im Jubiläumsjahr. Gefeiert wird in ganz Deutschland 500 Jahre Reformation. Auch in Kevelaer.

Dass gleichzeitig im kommenden Jahr 375 Jahre Wallfahrt gefeiert würde, sei "verrückt", sagt Dembek, meint es nicht negativ, sucht nach einem anderen Begriff und einigt sich auf ein "typisch Kevelaer eben". Es wird also eine Menge geistliche Veranstaltungen geben. "Ich denke, da wird weder die eine noch die andere Seite in Konkurrenz treten", ist Dembek überzeugt. Dass sich der katholische und der evangelische Glaube nicht ausschließen, sondern durchaus ergänzen können, macht Dembek gleich mit der Eröffnungsveranstaltung zum Reformationsjubiläum deutlich.

Predigen wird zum Auftakt am Montag, 31. Oktober, der Bürgermeister höchstpersönlich. Dr. Dominik Pichler ist bekennender Katholik. "Natürlich darf auch ein Katholischer bei uns predigen, auch ein Moslem dürfte das, solange wir Vertrauen darin haben", erklärt die evangelische Pfarrerin. Pichler hat sein Predigthema schon gewählt. Es stammt aus dem alten Testament, steht in Jeremia Kapitel 29 Vers 7 und lautet "Suchet der Stadt Bestes". Der Gottesdienst findet um 18 Uhr in der evangelischen Jesus-Christus-Kirche statt. Auch am Ende des Reformationsjahres, am 31. Oktober 2017, betritt ein Katholik die Kanzel. Wallfahrtsrektor Rolf Lohmann wird predigen. Weil zum Jubiläum ausnahmsweise deutschlandweit der Reformationstag im kommenden Jahr ein Feiertag ist, beginnt der Gottesdienst schon um 11 Uhr.

Rund ums Jahr wird es aber auch noch weitere Veranstaltungen geben. Am Samstag, 26. November, wird es von 15 bis 18 Uhr einen Basar geben, an dem sich alle Gruppen, von den Kindergartenkindern bis zu den Senioren, beteiligen. Tags darauf, am 27. November, ist der Neujahrsempfang (Beginn des neuen Kirchenjahres) mit Gottesdienst um 11 Uhr. Nach dem Neujahrsempfang wird der Basar fortgesetzt. Die Jugendlichen fahren außerdem im Mai zum evangelischen Kirchentag. Der findet 2017 in Berlin und Wittenberg statt. Für den 2. Juli ist das Gemeindefest geplant, bei dem es zugehen soll "wie zu Luthers Zeiten". Bereits am Freitag, 18. November, veranstaltet der Kirchenkreis in der evangelischen Kirche Kevelaer einen Abend zu Katharina von Bora, der Frau von Luther. Beginn ist um 19.30 Uhr.

Wer mehr erleben möchte, der kann sich auf der Internetseite der Evangelischen Kirche im Rheinland informieren. Die wählte übrigens "Ich bin vergnügt, erlöst, befreit" als Motto. "Typisch rheinisch", findet das Pfarrerin Dembek. Denn gesagt hat diese Worte Kabarettist Hanns Dieter Hüsch, ein waschechter Protestant aus Moers. "Es ist ein toller Spruch für die Reformation", sagt Dembek. Sie wehrt sich dagegen, aus dem Reformationsjahr ein reines Jubelfest mit einseitigem Blick in die Vergangenheit zu machen. "Wir müssen uns nach vorne entwickeln, müssen sehen, was die evangelische Kirche uns heute zu sagen und zu bieten hat", lautet ihre Aufforderung.

Dabei sei Luther durchaus ein Vorbild. "Luther käme sicher heute noch an, er hat dem Volk auf Maul geschaut", sagt Dembek. Luther hat die Sprache des Volkes gesprochen. "Wer das heute kann, der wird Menschen ansprechen und sie im Innersten berühren", ist die Pfarrerin überzeugt. Und die persönliche Erkenntnis, die Luther wie ein Blitz getroffen hat, die trifft auch noch heute. Der Mensch muss die Brücke zu Gott nicht bauen. "Sondern Gott hat diese Brücke schon längst gebaut", erklärt Dembek. Durch Jesus Christus.

Und eine weitere Erkenntnis lautet, "dass Gott mich so annimmt wie ich bin, aber er lässt mich nicht so, wie ich bin". Das sei der zweite Schritt, hin zur Veränderung. Auf den Spuren der Erkenntnisse Luthers wandeln, dazu lädt das Festjahr ein.

Quelle: RP
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